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Bundesliga: Elf des Spieltags:Genervter Lukas, reizender Herr Klopp

Lukas Podolski und Jürgen Klopp liefern sich das verbale Scharmützel des Spieltags. Ansonsten ist es - wie Mario Gomez, Florian Trinks und Marko Arnautovic beweisen - das Wochenende der grotesk vergebenen Chancen. Nicht so im Fall des Lauterers Olcay Sahan: Ihm gelingt das "Tor des Monats".

Die Elf des Spieltags

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Jan Schlaudraff

Hannover 96 v Bayer 04 Leverkusen  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Lukas Podolski und Jürgen Klopp liefern sich das verbale Scharmützel des Spieltags. Ansonsten ist es - wie Mario Gomez, Florian Trinks und Marko Arnautovic beweisen - das Wochenende der grotesk vergebenen Chancen. Nicht so im Fall des Lauterers Olcay Sahan: Ihm gelingt das "Tor des Monats". Die Elf des Spieltags.

Texte: Jonas Beckenkamp, Sebastian Gierke, Michael König, Jürgen Schmieder

Es passiert nicht oft, dass ein Offensivspieler keinen Treffer erzielt, die eigenen Fans dennoch zweimal jubeln und toben. So erlebte es dennoch Jan Schlaudraff am Samstag beim 0:0-Langweiler gegen Bayer Leverkusen. Das erste Mal kurz vor Beginn der zweiten Halbzeit - da verkündete der Stadionsprecher, dass der Volleytreffer des 28-Jährigen gegen den Hamburger SV zum "Tor des Monats" gewählt worden ist.

Der zweite Jubel fand nach dem Spiel statt. Da verkündete Jörg Schmadtke, dass der Vertrag mit Schlaudraff bis 2015 verlängert wurde. Noch zu Beginn der vergangenen Saison hatte 96-Präsident Martin Kind verkündet, dass Schlaudraff nie wieder für Hannover spielen werde.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Olcay Sahan

Borussia Dortmund v 1. FC Kaiserslautern  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Apropos "Tor des Monats": Das gelang, da legen wir uns schon jetzt für den Monat Dezember fest, dem Kaiserslauterer Olcay Sahan. Beim sonntäglichen 1:1 in Dortmund kam ein langer Ball in den Strafraum, Mats Hummels klärte per Kopf hoch, aber nicht weit.

Sahan stand mit dem Rücken zum Tor, drehte sich einmal um die eigene Achse und wuchtete das Spielgerät volley über BVB-Keeper Roman Weidenfeller hinweg ins rechte Kreuzeck. Freilich hatten die Dortmunder danach noch etwa zehn Möglichkeiten, "Tore des Monats" zu erzielen, trafen aber meist nur die Latte. Wahrscheinlich wollten sie Sahans Abend nicht trüben.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Jan-Ingwer Callsen-Bracker

FC Augsburg - Borussia Moenchengladbach

Quelle: dapd

Jan-Ingwer Callsen-Bracker war vor 13 Jahren ein äußerst talentierter Fußballer beim SV Beuel 06. Das erkannte auch Bayer Leverkusen, verpflichtete ihn für die Jugendabteilung und gab ihm später einen Profivertrag. Nur: Callsen-Bracker absolvierte für Bayer mehr Spiele in der Regionalliga (39) als in der Bundesliga (36). Talentiert war er aber immer noch. Das erkannte Borussia Mönchengladbach. Callsen-Bracker absolvierte für die Borussia mehr Spiele in der Regionalliga (21) als in der Bundesliga (elf).

Dann wechselte Callsen-Bracker zum FC Augsburg. Seitdem muss er nicht mehr in der Regionalliga spielen, sondern agiert ausschließlich in der Bundesliga. Am Samstag erzielt er sogar ein Tor - gegen Borussia Mönchengladbach. Nur: Am kommenden Wochenende wird Callsen-Bracker nicht in der Bundesliga spielen. Er hat gegen Gladbach auch seine fünfte gelbe Karte in dieser Saison gesehen.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Klaas-Jan Huntelaar

Klaas-Jan Huntelaar

Quelle: AP

Es ist schon eine bizarre Konstellation, die sich da beim FC Schalke entwickelt: Seit einigen Tagen flirtet der Ruhrpottklub, der neuerdings zum Bayern-Jäger avanciert ist, offen mit Lukas Podolski. "Schalke hat das Recht, über einen deutschen Nationalspieler nachzudenken", sagte Sportdirektor Horst Heldt am Sonntag. Man könnte also meinen, die Schalker hätten Handlungsbedarf im Sturm - dabei läuft es doch bei den vorhandenen Schalker Angreifern blendend.

Raúl ist seit Wochen gut drauf, beim 2:1 in Berlin traf nun auch wieder Zugang Teemu Pukki - und ein anderer Schalker Offensivmann ist sowieso der personifizierte Torerfolg: Klaas-Jan Huntelaar gelang gegen die Hertha sein 15. Saisontreffer - es war gleichzeitig sein 25. Tor in den vergangenen 25 Spielen. Der Holländer braucht sich angesichts der möglichen Verpflichtung von Podolski also keine Gedanken um seinen Platz machen. Er könnte sich vielmehr schon einmal überlegen, ob er mit dem deutschen Nationalstürmer auch so gut harmonieren würde, wie mit seinen bisherigen Kollegen.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Felix Magath

Werder Bremen - VfL Wolfsburg

Quelle: dapd

Für die Sprüche des Spieltages sorgte definitiv Wolfsburgs Trainer Felix Magath. In einem Fernsehinterview nach der 1:4-Niederlage bei Werder Bremen verblüffte Magath bei der Frage, wie er sich die vielen Gegentore erklären würde, mit einer messerscharfen Analyse: "Nach dem ersten Gegentor haben wir die Defensive vernachlässigt und nicht mehr richtig verteidigt."

Auf die Frage, wie er sich nach diesem Spiel fühle, sagte Magath: "Sie werden es nicht glauben, aber ich bin froh. Froh, dass die Auswärtsspiele für dieses Jahr vorbei sind." Und dann präsentierte er noch einen echten Magath: "Es war schon vor Saisonstart klar, dass der Umbau der Mannschaft länger als eine Transferperiode dauert. Wir werden schauen, was auf dem Transfermarkt möglich ist und sicher den einen oder anderen Spieler holen, der uns weiterbringt. Und den einen oder anderen abgeben." Wer hätte es anders erwartet?

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Christian Clemens

1. FC Koeln v SC Freiburg  - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Hatte er wirklich? Nein, oder? Doch er hatte. Kölns Christian Clemens gelang beim 4:0 des FC gegen Freiburg das seltene Kunststück, einen Eckball direkt zu verwandeln. Dabei kann so was doch normalerweise nur Mario Basler. Aber in Köln passierten an diesem sonderbaren Nachmittag ohnehin die verrücktesten Dinge: Der FC schoss Tore - und zwar verdammt schöne. Erst vollendete der gebürtige Kölner Clemens eine barceloneske Kombination per eingesprungener Grätsche, dann traf Lukas Podolski mit einem sehenswerten Linksschuss. Schließlich folgte Clemens' Streich von der Eckfahne.

Der 20-Jährige schnibbelte den Ball dabei so gemein an, dass er sich auf tückische Art hinter Freiburgs Keeper Oliver Baumann ins Gehäuse senkte. Vorbei an allen. Mit einer beinahe malerisch schönen Flugkurve. Nur das 4:0 der Kölner war dann nicht ganz so hübsch anzuschauen: Podolskis Treffer aus dem Gewühl sollte wohl den Eindruck vermitteln: Köln kann's auch ganz herkömmlich.

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Lukas Podolski Jürgen Klopp

Quelle: imago sportfotodienst

Woran erkennt man die wertvollsten Spieler der Bundesliga? Sie schießen wichtige Tore. Und die Vereine reißen sich um sie. Zumindest Lukas Podolski scheinen die vielen Gerüchte um seine Person jedoch nicht zu beeindrucken. Zuletzt bestätigte Schalke sein Interesse an einem Transfer - doch Köln wäre nicht Köln, wenn daraus nicht ein verbales Scharmützel erwachsen würde: "Wenn Lukas gehen sollte, kann er sicher zu einem besseren Verein gehen als zu Schalke", bemerkte FC-Trainer Solbakken. Das werden sie auf Schalke sicher gerne gehört haben.

Die schönste Stichelei des Wochenendes lieferte sich Podolski jedoch mit Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Der hatte gesagt: "Lukas Podolski müsste mit seinen Anlagen einer der besten Stürmer in Deutschland sein. Das ist er momentan nicht, und zwar weil er seine Leistung nicht oft genug abruft. Dafür ist er uns dann zu teuer." Podolski keifte zurück: "Das sind ja reizende Aussagen von Herrn Klopp. Vielleicht ist er etwas traurig, weil ich ihm schon zweimal abgesagt habe." Der geneigte Fußballfan fragt sich jedoch: Wann soll das denn gewesen sein?

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Mario Gomez

Mario Gomez

Quelle: AP

Es war die fünfte Spielminute in der Partie zwischen den VfB Stuttgart und dem FC Bayern, als Mario Gomez eine Aktion gelang, die längst nach ihm benannt ist. Zuvor hatte Arjen Robben, ja wirklich, einmal abgespielt, der Ball trudelte drei Meter vor dem Tor parallel zur Linie, es musste ihn nur einer reindrücken. Doch Gomez vergab, er traf den Ball nicht einmal.

Was würde nun passieren? Eine neue Gomez-Krise wie nach der vergebenen Chance gegen Österreich bei der EM 2008? Mitnichten! Acht Minuten später flankte Rafinha in den Strafraum, Gomez warf sich in die Hereingabe und bugsierte das Spielgerät elegant mit dem linken Außenrist ins Tor. In der zweiten Halbzeit traf er noch mal, zwar etwas weniger schön, jedoch nicht weniger wichtig: Es war der Münchner Siegtreffer zum 2:1 in Stuttgart - und Gomez zementierte den Eindruck, den man in dieser Saison einfach von ihm haben muss: Einfach bärenstark, der Mann.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Vedad Ibisevic

1. FC Nuernberg - TSG 1899 Hoffenheim

Quelle: dapd

Hoffenheim und Ibisevic, das ist eine Geschichte mit auffälligen Parallelen. Nach dem Aufstieg in der Saison 2008/09 schoss der Bosnier in 17 Spielen 18 Tore. Sein Verein wurde Herbstmeister, Ibisevic schien auf dem besten Wege zur Torjägerkrone. Dann verletzte er sich am Knie - und Hoffenheim rutschte noch auf Platz sechs ab. In den darauffolgenden Spielzeiten traf Ibisevic erst zwölf, dann acht Mal. Die TSG wurde zweimal nur Tabellenelfter.

Für die Ansprüche des Klubs war das zu wenig, und für Ibisevic, der einst das Interesse vieler Großklubs geweckt hatte, auch. In der laufenden Saison hatte er in 15 Spielen magere drei Tore geschossen. Dann kam der 16. Spieltag, Ibisevic schoss beide Tore zum 2:0-Sieg in Nürnberg und beendete zugleich die Hoffenheimer Serie von fünf Auswärtspleiten. Sein Gegenspieler Philipp Wollscheid klagte anschließend, der Bosnier habe ihm vor einem Foul angekündigt, "dass es gleich weh tun" werde. Ibisevic hielt dagegen: "Ich habe nur angekündigt, dass ich in der zweiten Hälfte auch noch ein Tor machen werde."

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Marko Arnautovic

Werder Bremen - VFL Wolfsburg

Quelle: dapd

"Wenn man die Chance hat, 5:0 oder 6:0 zu gewinnen, sollte man das auch tun", nörgelte Werder-Chef Klaus Allofs. Nach einem 4:1-Sieg! Gegen Wolfsburg! "Der Mann hat Probleme",  könnte man da rufen. Dabei hat er die tatsächlich, die Probleme. Denn der Mann hat Marko Arnautovic verpflichtet. An dem Österreicher nörgeln sie in Bremen herum, seit sie ihn verpflichtet haben - weil er ihnen regelmäßig Grund dazu gibt.

Zu oft wirkt er wie ein verzogenes Kind. Doch dieses Kind wird nachsichtig behandelt, schließlich ist es begabt. Sehr begabt. Im Spiel gegen Wolfsburg wurde Arnautovic eingewechselt und schoss sogleich ein Tor. Doch als ob er an seine persönliche Problematik erinnern wollte, stolperte Arnautovic wenige Minuten später einen Meter vor dem Tor den Ball am rechten Pfosten vorbei. Es war, wie Fußballkommentatoren gerne anmerken, schwerer, den Ball vorbeizuschießen, als zu treffen. Und Werder Bremen hat eben nicht 5:0 oder 6:0 gewonnen.

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Bundesliga: Elf des Spieltags:Florian Trinks

Werder Bremen - VfL Wolfsburg

Quelle: dpa

Vielleicht hatte Arnautovic bei seinem Fehlschuss aber auch zu genau hingeschaut bei seinem Kollegen Florian Trinks. Noch ehe der Österreicher im Spiel war, hatte der Bremer Nachwuchsmann auf ähnliche Weise für Lacher gesorgt: Nach einem feinen Steilpass von Claudio Pizarro rollte Werders Offensive in hohem Tempo auf das Wolfsburger Tor zu - und das in Überzahl. Über Markus Rosenberg gelangte der Ball nach innen zum mitgelaufenen Trinks, der so frei stand, dass er sich noch eine Tasse Tee hätte genehmigen können.

Und dann? Passierte das, weswegen es lustige Jahresrückblicke gibt: Trinks bolzte das Leder weit daneben und sank frustriert zu Boden. Er hatte diese 100, ach was, 1000-prozentige Torchance auf groteske Weise einfach versiebt. Vielleicht konnte sich Trinks später wenigstens über das Missgeschick von Arnautovic freuen - denn so war er zumindest nicht allein mit seiner ulkigen Slapstick-Nummer.

© sueddeutsche.de/jbe/jüsc/ebc

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