Frankfurts Torwart Trapp nach ParisFast zu schön, um wahr zu sein

Lesezeit: 3 Min.

Kevin Trapp pariert die Bälle bald wieder in Frankreich.
Kevin Trapp pariert die Bälle bald wieder in Frankreich. (Foto: Javier Garcia/Shutterstock/Imago)
  • Eintracht Frankfurt plant den Verkauf von Torhüter Kevin Trapp an den französischen Aufsteiger Paris FC für eine geringe Entschädigung von etwa einer Million Euro.
  • Als Ersatz für Trapp soll Michael Zetterer von Werder Bremen verpflichtet werden, der später als Stellvertreter für den 20-jährigen Brasilianer Kauã Santos fungieren soll.
  • Der Wechsel nach Paris ermöglicht Trapp einen Dreijahresvertrag und die Nähe zu seiner Verlobten, während Frankfurt eine elegante Lösung für den Generationswechsel im Tor findet.
Von der Redaktion überprüft

Dieser Text wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Wie verabschiedet man Vereinslegenden rechtzeitig und angemessen? Im Falle des Nationaltorhüters Kevin Trapp finden die Frankfurter unverhofft eine elegante Lösung.

Von Philipp Selldorf

Eintracht Frankfurt hat schon schlimmere Hiobsbotschaften verkraften müssen als die in der vergangenen Woche empfangene Nachricht, der französische Aufsteiger Paris FC interessiere sich für die Übernahme des langjährigen Torhüters Kevin Trapp. Trapp ist zwar ein Spieler, der im Klub und im Frankfurter Publikum durchweg gemocht und geachtet wird, und er ist, wie Gala es einmal treffend zusammenfasste, „nicht nur ein toller Torwart, sondern kommt auch bei der Damenwelt gut an“.

Zugleich ist er aber auch schon 35 Jahre alt und nicht mehr auf der sportlichen Höhe, auf der er sich 2022 beim Gewinn der Europa League befand. Seinem designierten klubinternen Nachfolger wird hingegen nachgesagt, er sei ein potenzieller Spitzentorhüter, weshalb er lieber früher als später den Posten als Nummer eins der Eintracht übernehmen soll – auch wenn der 20-jährige Brasilianer Kauã Santos zurzeit noch eine Knieverletzung kuriert.

MeinungStreit mit dem FC Barcelona
:Eine einvernehmliche Lösung würde auch ter Stegens Rücken entlasten

SZ PlusKommentar von Werner Bartens
Portrait undefined Werner Bartens

Wie es aussieht, ist es den Frankfurter Verantwortlichen nun gelungen, aus der neuen Situation eine Lösung zu entwickeln, die allen Beteiligten dient und den aktuellen Bedürfnissen genügt. Die Konstruktion ist offenbar weitgehend ausverhandelt: Trapp erhält gegen eine geringe Entschädigung (angeblich eine Million Euro) die Freigabe für den Wechsel, an seine Stelle rückt vorerst der Bremer Michael Zetterer, 30, der auf Dauer als Santos’ Stellvertreter fungieren soll. Dank seiner fußballerischen Fähigkeiten eignet sich Zetterer zudem, mehr als Trapp, für den von Trainer Dino Toppmöller gewünschten Spielaufbau. Und der SV Werder verliert somit zwar seinen Stammkeeper, kann aber nun – wie bereits angedacht – dem als großes Talent gehandelten Mio Backhaus, 21, eine Chance geben. Eine Ablöse von vier bis fünf Millionen ermöglicht den von Ausfällen gebeutelten Bremern zudem, ihren lückenhaften Kader auszubessern.

Und Kevin Trapp? Wird ebenfalls zum Gewinner. Für ihn erfüllt sich mit dem Transfer in die erste französische Liga das Pariser Stereotyp von der Stadt der Liebe.

In Gestalt des Paris FC ist eine Art deus ex machina auf der Bühne erschienen

Als sie am vorigen Mittwoch vom Vorstoß des finanziell bestens ausgestatteten französischen Investorenklubs erfuhren, haben die Frankfurter Klubmanager die Pros und die Kontras diskutiert und herausgefunden, dass der Handel erstaunlich erfreuliche Möglichkeiten zu bieten hätte. Mancher mag sogar bemerkt haben, diese Transaktion sei beinahe zu schön, um wahr zu sein.

Denn bei der Eintracht gab es durchaus Sorgen darüber, dass die Torwartfrage unschöne Debatten auslösen könnte. Wie sollte man Trapp die eher kurz- als mittelfristig drohende Deklassierung beibringen, wie würde er sie aufnehmen? Wie sollte man mit seinem 2026 endenden Vertrag verfahren? Darüber braucht sich nun wohl keiner mehr Gedanken zu machen, und das liegt auch daran, dass in der Gestalt des Paris FC eine Art deus ex machina erschienen ist – ein unvorhersehbares Phänomen, das plötzlich die dramaturgische Wende bringt.

In Paris trifft Trapp außer einem eigenen Wohnsitz – er unterhält dort seit Jahren ein Appartement – auch seine langjährige Verlobte an. Die Brasilianerin Izabel Goulart, die sich berufshalber statt in Frankfurt in der französischen Hauptstadt niedergelassen hat, fotografiert gelegentlich aus dem gemeinsamen Domizil den illuminierten Eiffelturm für ihren Instagram-Auftritt. Französisch beherrscht der im saarländischen Merzig geborene Trapp sowieso – von 2015 bis 2018 gehörte er bereits Paris Saint-Germain an, ehe er zur Eintracht zurückkehrte.

Der Zweitklub der Hauptstadt bietet ihm nun unverhofft jenen Dreijahresvertrag, mit dem sich die Eintracht schwergetan hätte, und selbst der Investor, der Luxuskonzern LVMH, findet Trapps ausdrückliches Wohlwollen. Nicht wenige der schönen und teuren Dinge, mit denen LVMH jenseits von Cognac und Champagner enorme Umsätze erzielt, treffen den Geschmack des modisch geneigten Torwarts, den die FAZ schon als „attraktiven Markenbotschafter“ seines Klubs gewürdigt hat.

Vereinslegenden rechtzeitig und angemessen zu verabschieden, gehört zu den großen Herausforderungen des Managements in einem Traditionsklub. Der FC Bayern hat die Aufgabe bei der Trennung von Thomas Müller nicht unbedingt vorbildlich gemeistert. Der Schaden hielt sich in Grenzen, weil Müller seinem Klub den großen Krach ersparte. Der Eintracht hat sich nun ein im Wortsinn eleganter Weg eröffnet, um Trapp in allen Ehren Adieu zu sagen.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

FC Bayern nach dem Supercup
:Plan A: Woltemade, Plan B: Bloß nicht „Hoppla“ sagen

Der FC Bayern gewinnt den Supercup gegen den VfB Stuttgart, beim Gegner zeigt der Wunschstürmer, der nicht wechseln darf, sein Potenzial – und die Münchner arbeiten offenbar an einer Alternative.

SZ PlusVon Sebastian Fischer

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: