Süddeutsche Zeitung

Bundesliga:Ein 18-Jähriger schockt Bremen, der HSV punktet

Trotz neuer Offensivpower steckt Werder Bremen weiter im Tabellenkeller fest: Erstmals mit den Stürmern Max Kruse, Claudio Pizarro und Serge Gnabry gemeinsam in der Startelf verlor das Team von Trainer Alexander Nouri 1:2 (1:0) gegen Eintracht Frankfurt. Die Hanseaten setzten ihren Abwärtstrend mit der vierten Niederlagen in Folge fort, warten seit Mitte Oktober auf einen Dreier und bleiben auf dem Relegationsplatz.Florian Grillitsch brachte Werder knapp eine Woche vor dem Nordderby beim Hamburger SV mit einer technischen Meisterleistung in Führung. Der Österreicher verarbeitete vor 39.261 Zuschauern einen langen Schnittstellenpass von Niklas Moisander perfekt und traf in den linken Winkel (38.).

Kurz nach seiner Einwechslung glich Frankfurts Torgarant Alexander Meier völlig freistehend per Rechtsschuss aus (52.). Aymen Barkok besiegelte die Werder-Pleite (90.) - ausgerechnet der 18-jährige Marokkaner, der in Frankfurt geboren wurde, ließ damit seinen Klub jubeln. Die Eintracht ist seit nunmehr sechs Pflichtspielen ohne Niederlage und lieferte erneut einen Beleg für eine steile Lernkurve unter Trainer Niko Kovac. Die Hessen rangieren mit 21 Punkten direkt hinter den Europacup-Plätzen.

Die Pleitenserie vor der Länderspielpause hatte die Sehnsucht der Werder-Fans nach ihren lange verletzten Offensivstars Kruse und Pizarro noch einmal wachsen lassen. Kruse, lange von einer Knieverletzung ausgebremst, war seit seiner Rückkehr im Sommer noch gar nicht in der Liga für die Grün-Weißen aufgelaufen.Wenn Bremen in der ersten Hälfte gefährlich wurde, hatten fast immer Pizarro, Gnabry oder Kruse ihre Füße im Spiel. Nach einer nervösen Anfangsphase beider Teams schnappte sich Kruse den Ball und prüfte Eintracht-Keeper Lukas Hradecky per Linksschuss aus 20 Metern (11.), später verfehlte er per Kopf nach Pizarro-Flanke das Ziel nur knapp.

Gnabry versuchte es nach einem Tempodribbling aus spitzem Winkel (22.), dann setzte er einen Rechtsschuss nur knapp über den Querbalken (33.).Werder baute vor allem auf seine starken Individualisten in der Offensive, Frankfurt dagegen auf kurze, schnelle Pässe und bewies durchaus Spielkultur. Zu Abschlüssen kam das Auswärtsteam zunächst jedoch nur mit Fernschüssen. Der formstarke Marco Fabian brachte Felix Wiedwald im Tor der Hausherren erstmals in Verlegenheit (17.).

Elf Minuten später musste dann Werder-Verteidiger Milos Veljkovic in höchster Not einen Schuss des Mexikaners abblocken. Frankfurt fehlte jedoch im ersten Durchgang die Zielstrebigkeit, die Pausenführung der Bremer war verdient.Nach dem Wechsel drückte Werder, das auch noch das Comeback von Philipp Bargfrede feierte, zunächst auf das 2:0. Doch Meier sorgte in unnachahmlicher Manier für die kalte Dusche. Danach entwickelte sich ein Privatduell zwischen dem Torjäger und Wiedwald, das zweimal der SVW-Keeper stark für sich entschied (57., 60.). Auch Branimir Hrgota hatte die Gäste-Führung auf dem Fuß (66.), die Eintracht war nun viel präsenter. Auf der Gegenseite scheiterte Pizarro an Hradecky (75.). Doch das bessere Ende hatten die Frankfurter mit ihrem Youngster Barkok.

Nicolai Müller belebt den HSV

Das Insiderwissen von Trainer Markus Gisdol und die ersten Auswärtstore seit über zwei Monaten haben dem Hamburger SV ein überraschendes Erfolgserlebnis beschert. Dank einer großen Willensleistung erkämpfte sich der Krisenklub nach drei Pleiten in Folge ein 2:2 (1:1) beim ungeschlagenen Topteam von 1899 Hoffenheim. Gisdol holte den Punkt ausgerechnet an seiner alten Wirkungsstätte, wo er vor 13 Monaten nach einer 0:1-Niederlage gegen den HSV entlassen worden war. Filip Kostic (28.) und Nicolai Müller (61.) trafen für die Hamburger, die nach einem knappen Drittel der Saison dennoch Letzter sind.

Die sieglosen Hanseaten haben lediglich drei Punkte, Gisdol holte in sechs Partien nur zwei Zähler. Die Hoffnung ruht nun auf einem Sieg am Samstag im Nordderby gegen Werder Bremen.Sando Wagner (45.+1) und Steven Zuber (49.) erzielten die Tore für die Hoffenheimer, die als Tabellenfünfter sechs Punkte Rückstand auf Spitzenreiter RB Leipzig aufweisen. Elf Partien ohne Niederlage unter der Regie des ehemaligen Gidsol-Assistenten Julian Nagelsmann bedeuten einen neuen Vereinsrekord.Das Chaos der vergangenen Tage in Hamburg ließ vor der Partie das Schlimmste für den Bundesliga-Dino befürchten.

Klubchef Dietmar Beiersdorfer wurde nach seiner erfolglosen Sportdirektor-Suche von Aufsichtsratsboss Karl Gernandt angezählt, Marketing-Vorstand Joachim Hilke kündigte seinen Rückzug an, und Gisdol setzte Kapitän Johan Djourou zugunsten des Japaners Gotoku Sakai ab. Dazu kam die Verletzung von Stammtorwart Rene Adler, der nach seiner Ellbogen-Operation bis zum Jahresende ausfällt. Die 29.512 Zuschauer in der Rhein-Neckar-Arena mussten nicht lange auf die erste große Chance der Gastgeber warten. Nach starker Vorarbeit von Nadiem Amiri schloss der Kroate Andrej Kramaric schwach ab (3.).

Nach rund zehn Minuten konnten sich die Hamburger vom Druck der Kraichgauer befreien. Zudem musste Hoffenheim in der 21. Minute ungewollt wechseln. Für den angeschlagenen Innenverteidiger Kevin Vogt (Adduktoren) kam Ermin Bicakcic. Der HSV stand in dieser Phase stabil und bestimmte sogar das Spiel. Von Hoffenheim kam nicht mehr viel. Die Führung der Gäste nach einer schönen Einzelaktion von Kostic war deshalb nicht unverdient. Erst in der 44. Minute wurden die Hoffenheimer wieder gefährlich, Wagner konnte seinen früheren Darmstädter Teamkollegen Christian Mathenia zunächst aber nicht überwinden.

In der Nachspielzeit der ersten Hälfte stocherte der Angreifer den Ball nach einer Ecke aber doch über die Line.Kurz nach dem Seitenwechsel brachte Zuber die Gastgeber nach guter Vorarbeit von Pavel Kaderabek in Führung. Hoffenheim konnte den Vorsprung aber nicht lange halten. Müller profitierte bei seinem dritten Saisontor von einem Fehler von Niklas Süle. Kurz darauf vergab Kramaric große Chancen zur erneuten Führung für die TSG (65. und 71.). Auf der Gegenseite strich ein Schuss von Lewis Holtby nur knapp am Tor vorbei (76.). In der Nachspielzeit verfehlte Wagner nur um Zentimeter das Ziel (90.+1). Beste Spieler aufseiten der Hoffenheimer waren Zuber und Amiri. Bei Hamburg überzeugten Kostic und Müller.

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