bedeckt München

Bundesliga: Edin Dzeko:Wolfsburg muss einkaufen

Selbst wenn sich zwei Klubs grundsätzlich handelseinig sind wie im Fall Dzeko, kann man sich in der Realität offenbar auch noch über so hübsche Dinge wie einen Solidaritätszuschlag für Auslandstransfers streiten, über Ratenzahlungsmodelle oder über landestypische Unterschiede bei der Brutto- und Nettoberechnung.

Nicht auszuschließen, dass es dem VfL letztlich auch um das Symbol geht, den hiesigen Transfer-Rekord des Münchners Mario Gomez (30 Millionen) nach Steuern zu überbieten. "Zahlen sind interpretierbar", lässt Hoeneß dazu bloß wissen.

Nicht interpretierbar ist indes, dass Wolfsburg auf eine überaus bescheidene Vorrunde zurückblickt und es nach der Winterpause direkt mit Bayern, Mainz und Dortmund zu tun bekommt. Es dürfte deshalb jedem klar sein, dass der VfL ohne Dzeko nicht nur großzügig einkaufen kann, sondern auch großzügig einkaufen muss. Der Klub hat ohnehin schon eine sehr dünne Sturmreihe, die dann nur noch aus dem melancholischen Grafite und dem zumindest vor dem Tor äußerst harmlosen Mario Mandzukic bestünde.

Wenn Hoeneß also sagt: "Wir werden nicht mit dem Kescher durch die Gegend laufen, selbst wenn Edin geht", dann bringt er damit einerseits das Primat langfristiger, strategischer Umbauarbeiten zum Ausdruck. Andererseits liegt darin aber auch seine einzige Chance, die Preise für mögliche Nothelfer wie Srdan Lakic (Kaiserslautern), Papiss Cisse (Freiburg), Eljero Elia (HSV), Bryan Ruiz (Twente) oder Nils Petersen (Cottbus) nicht ins Dzekohafte steigen zu lassen.

Zu fast allen Kandidaten liegt ein öffentliches Dementi aus ihren jeweiligen Heimatklubs vor. Die wichtigste Regel auf dem winterlichen Transferfenster-Basar lautet allerdings: Sag niemals nie! "Sowohl Edin Dzeko als auch Zvjezdan Misimovic werden dem VfL Wolfsburg erhalten bleiben, egal welche Angebote noch kommen." Dieser Satz von Dieter Hoeneß ist noch nicht einmal ein halbes Jahr alt.

© SZ vom 07.01.2011/ebc
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema