Bundesliga:Union holt sich die Stadtmeisterschaft

Fussball, Herren, Saison 2021/2022, 1. Bundesliga (12. Spieltag), 1. FC Union Berlin - Hertha BSC, v. l. Taiwo Awoniyi

Ein 2:0 der souveräneren Sorte: Union Berlin gewinnt ohne größere Probleme gegen Hertha BSC.

(Foto: Matthias Koch via www.imago-images.de/imago images/Matthias Koch)

Die Eisernen haben keine Probleme im Spiel gegen Hertha BSC, der BVB erarbeitet sich einen Sieg gegen Stuttgart dank Marco Reus. Gladbach fertigt Fürth ab, Leipzigs Misere hält an. Alles Wichtige zum Spieltag.

Von Tim Brack, Johannes Kirchmeier und Martin Schneider

1. FC Union Berlin - Hertha BSC 2:0 (2:0), Tore: 1:0 Awoniyi (8.), Trimmel (30.)

Union ist die Nummer eins in Berlin: In einem einseitigen Stadtderby besiegten die Eisernen Hertha BSC völlig verdient mit 2:0 (2:0) und untermauerten den sportlichen Machtwechsel in der Hauptstadt. Als Tabellenfünfter hat Union sieben Punkte mehr auf dem Konto als die Hertha, die den Blick in der Fußball-Bundesliga wieder verstärkt Richtung Abstiegszone richten muss. Taiwo Awoniyi brachte die Köpenicker mit seinem achten Saisontor früh in Führung (8.). Vorausgegangen war ein Fehler von Trainer-Sohn Marton Dardai, der bei einem eigentlich harmlosen Pass am Ball vorbeigeschlagen hatte. Kapitän Christopher Trimmel erhöhte mit einem Fernschuss auf 2:0 (30.).

Das Stadion in der Alten Försterei war dank der 2G-Regelung mit 20.012 Zuschauern erstmals seit dem 1. März 2020 wieder komplett voll - trotz deutlich steigender Inzidenzzahlen in Berlin. Anders als beim bislang letzten Derby vor Fans vor zwei Jahren blieben schwere Ausschreitungen aus. Rund 900 Einsatzkräfte sicherten das Hochrisikospiel ab.

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 2:1 (0:0), Tore: 1:0 Malen (56.), 1:1 Massimo (63.), 2:1 Reus (85.)

Als in der 85. Minute bereits alles nach Enttäuschung aussah, wehrte die BVB-Abwehr eine VfB-Ecke ab und Marco Reus und Thorgan Hazard machten sich auf den weiten Weg Richtung Stuttgarter Tor. Der Lärm im Stadion schwoll an, als die beiden in langen Schritten über die Wiese liefen. Den ersten Versuch von Hazard wehrte Torwart Florian Müller noch ab, doch Reus verwertete den Abpraller und sorgte für eine Explosion auf der Südtribüne. "Wir haben wahrgenommen, dass die Bayern verloren haben", hatte Dortmunds Trainer Marco Rose vor dem Spiel gesagt. Dank Reus und Hazard rückt der BVB nun bis auf einen Punkt an die Münchner heran.

Der immer noch massiv ersatzgeschwächte VfB Stuttgart trat im Westfalenstadion zunächst extrem mutig auf, störte früh, traute sich viel zu. Tanguy Coulibaly scheiterte in der ersten Halbzeit mit einem Kopfball am Stuttgarter Ex-Torhüter Gregor Kobel, der die Führung seiner alten Kameraden mit einer Weltklasse-Parade verhinderte. Beim BVB hatte Donyell Malen die beste Gelegenheit, doch sein Kopfball war fahrlässig unplatziert.

Malens Versuch nach Wiederanpfiff war erfolgreicher, auch wenn der Schuss zum 1:0 noch abgefälscht war. Doch der BVB ist in dieser Saison nicht in der Lage, eine Führung souverän nach Hause zu spielen. 18 Gegentore in zwölf Spielen sind zu viele für eine Spitzenmannschaft. Nach einem Ballverlust von Manuel Akanji und einem schönen Pass von Atakan Karazor entwischte Roberto Massimo der Borussen-Abwehr in Person von Raphael Guerreiro und Mats Hummels. Das schönste Umschalttor des Tages - bis zu dem von Reus und Hazard.

Borussia Mönchengladbach - SpVgg Greuther Fürth 4:0 (3:0), Tore: 1:0 Hofmann (9.), 2:0 Neuhaus (28.), 3:0 Plea (43.), 4:0 Hofmann (57.)

So fix wie Florian Neuhaus musste man erstmal reagieren. Klar, Fürths Torhüter Marius Funk misslang sein weiter Schlag vollständig, der flache Schuss erreichte Neuhaus' rechten Fuß - und der winkelte ihn so an, dass der Ball wie an einer Bande mit einem Kontakt 25 Meter weit zurück zum 2:0 ins Tor der Spielvereinigung flog. Ein Patzer von Funk, aber auch eine Klasse-Aktion des Mittelfeldspielers.

Um Neuhaus gab es ja eine kleine Debatte: Gut genug für die Nationalmannschaft, nicht gut genug für die Gladbacher Stammelf? Mit seinem Tor und seinem Startelfeinsatz dürfte die Diskussion vorläufig befriedet sein. Auch ein anderer Gladbacher Nationalspieler drehte auf. Jonas Hofmann überzeugte nicht nur, weil er die frühe Führung und das spätere 4:0 für die Borussia schoss.

Das zweite große Thema des Spiels war: Fürth. Wie sollen die Kleeblätter das Glück in dieser Saison jemals finden? Die Bilanz ist katastrophal. Platz 18, ein Punkt, 33 Gegentore, in Gladbach völlig chancenlos wie in so vielen Spielen. Aktuell geht es für Fürth nicht mehr darum, vom Klassenverbleib zu reden, sondern darum, nicht mit einer Rekordbilanz abzusteigen.

Bayer Leverkusen - VfL Bochum 1:0 (1:0), Tor: 1:0 Adli (4.)

Gleich die ersten beiden Torchancen der beiden Mannschaften erzählten etwas über den weiteren Verlauf dieses munteren Spiels, das über weite Strecken auf Augenhöhe geführt wurde. Schlussendlich entschieden Nuancen: Der Bochumer Elvis Rexhbecaj schoss in der zweiten Minute an den Leverkusener Pfosten, statt ins Tor. Zwei Minuten später befahl der 21-jährige Amine Adli den Ball knapp, aber energisch über die Linie. 1:0 für Leverkusen. Bayer spielte an diesem Nachmittag seine Qualität in und um den Strafraum zwar selten, aber besser aus - auch wenn nicht jeder Versuch im Tor landete, wie die ausgelassenen Großchancen von Florian Wirtz zeigten (16./39./57.). Die Bochumer setzten eher auf Quantität - vor allem aus der Distanz. So schraubte der Aufsteiger zwar die Torschussstatistik in die Höhe, aber nicht das Ergebnis. Dass der VfL aber überhaupt so oft zum Abschluss kam, sprach für den forschen Auftritt. Um Punkte aus Leverkusen zu entführen, fehlte aber die Kaltschnäuzigkeit.

TSG Hoffenheim - RB Leipzig 2:0 (1:0), Tore: 1:0 Samassekou (13.), 2:0 Dabbur (68.)

Es ist schon eine ungewohnte Misere für die Leipziger. Auch nach ihrem sechsten Bundesliga-Auswärtsspiel haben sie auf fremdem Platz noch nicht gewonnen. In Hoffenheim erlebten sie dabei die nächste Niederlage, die vermeidbar gewesen wäre. Beim 0:1 segelte der Torhüter Peter Gulacsi unter dem Ball hindurch (17.) und beim 0:2 verlor der defensive Mittelfeldspieler Tyler Adams den Ball im Spielaufbau. Munas Dabbur schnappte ihn sich beherzt im Zweikampf, marschierte in Richtung Sechzehner und traf aus 16 Metern (68.). Nach einem insgesamt äußerst durchwachsenen Saisonstart warten nun ungemütliche Tage auf den Trainer Jesse Marsch. Nur ein Sieg in der Champions League am Mittwoch in (!) Brügge dürfte die Lage beruhigen.

Zur Leipziger Auswärtsschwäche kommt jetzt noch, dass die Leipziger künftig auch daheim ohne eigene Fans antreten müssen. Die sächsische Landesregierung hatte die erneuten Geisterspiele wegen rasant steigender Coronazahlen in Sachsen eingeführt. Der Bundesligist reagierte mit Kritik: "Kein Verständnis haben wir dafür, dass es die sächsische Regierung überhaupt zu dieser Situation hat kommen lassen", schrieb der Klub auf seiner Homepage, "die höchste Infektionsrate aller Bundesländer einhergehend mit der niedrigsten Impfquote ist ein Beleg dafür, dass die Politik es in Sachsen bislang nicht geschafft hat, tragfähige Konzepte umzusetzen, um die Pandemie wirksam einzudämmen." Man werde die neue Gesetzeslage "akzeptieren und respektieren", betonte RB.

Bleibt die Frage, ob sie sich für heimatliche Sieggefühle wenigstens Leipziger Pappkameraden-Fans ins Stadion setzen.

Arminia Bielefeld - VfL Wolfsburg 2:2 (1:0), Tore: 1:0 Okugawa (11.), 2:0 Klos (54./Elfmeter), 2:1 Weghorst (61.), 2:2 Nmecha (63.)

Österreicher wissen, was ein Schmankerl ist. Und daher fasste sich der 20-jährige Flügelstürmer Patrick Wimmer am Samstag ein Herz, um einen solchen fußballerischen Leckerbissen auf der Bielefelder Alm zu fertigen. Der Armine rannte in der elften Spielminute los, düpierte den Wolfsburger Renato Steffen im Zweikampf und lupfte den Ball dann Ronaldinho-like von außerhalb des Strafraums über die VfL-Abwehr hinweg in eben jenen hinein. Es war wohl das schönste Zuspiel des bisherigen Spieltags - auch weil der Japaner Masaya Okugawa, bis Juli übrigens sechs Jahre lang in Salzburg unter Vertrag, den Ball danach direkt per Volleyschuss zum 1:0 ins Tor weiterleitete.

In der zweiten Halbzeit erhöhte Fabian Klos die Führung per Elfmeter (54.), die Arminen waren ihrem ersten Saison-Heimsieg nahe. Doch dann schlugen die Wolfsburger mit einem Doppelschlag ihrer Torjäger zurück: Erst traf Wout Weghorst (62.), dann nach nur wenigen weiteren Ballkontakten Lukas Nmecha (63.). So geht nicht nur die Bielefelder, sondern auch eine Wolfsburger Serie weiter: Auch nach seinem vierten Pflichtspiel als VfL-Coach hat Florian Kohfeldt noch nicht verloren.

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