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Bundesliga:Schwere Zeit für Spitzenteams

In der oberen Tabellenregion lassen die Mannschaften gerade ungewöhnlich viele Punkte liegen. Die möglichen Erklärungen liegen auf der Hand - und am Ende könnte wieder der FC Bayern lachen.

Kommentar von Martin Schneider

Auf den ersten Blick war das 1:1 des BVB gegen Mainz 05 absolut typisch BVB. Die Bezeichnung "typisch BVB" ist natürlich höchst inoffiziell, aber ungefähr so definiert: Eine typische BVB-Mannschaft zelebriert gegen andere Spitzen-Mannschaften Fußball, schöpft ihr technisches Potenzial voll aus und weckt Hoffnungen auf eine spannende Bundesliga-Saison. Aber dann hat die gleiche Mannschaft gegen vermeintlich schwächere Gegner Schwierigkeiten, Chancen zu erspielen, lässt Punkte liegen und am Ende lacht der FC Bayern.

Das Phänomen gibt es schon so lange, dass man auch eine Erklärung dafür gefunden hat: Weil Spitzenteams selbst offensiv spielen, bekommen die schnellen BVB-Fußballer Platz zum kontern, Abstiegskandidaten muss man mühsam auseinanderspielen. Ebenso inoffiziell war dieses "typisch BVB" eigentlich als "typisch Favre-BVB" gemeint, aber nun ist Favres Nachfolger Edin Terzic genau das gleiche passiert. Gala gegen Leipzig, Punktverlust gegen Mainz.

Auf den zweiten Blick war es zwar gar kein so typisches BVB-Spiel gegen Mainz, denn Dortmund hatte zahlreiche Chancen gegen den Tabellenletzten, aber Probleme, sie zu verwerten. Am deutlichsten sichtbar natürlich beim verschossenen Elfmeter von Marco Reus.

Sicherer als die Schlussfolgerung, ob der BVB auch unter dem neuen Trainer weiter typisch BVB ist, ist jedenfalls die, dass es keine gute Zeit für Spitzenteams ist. Leipzig lässt Punkte in Wolfsburg, Leverkusen verliert bei Union Berlin, am vergangenen Spieltag gewann von den sechs top-platzierten Mannschaften nur Dortmund.

Die möglichen Gründe liegen auf der Hand: Der dichte Terminkalender trifft Klubs mit Mehrfach-Belastung härter als Mannschaften, die diese nicht haben. Regenerationszeit kann man sich nicht kaufen, und wer viel rotiert, bezahlt die Schonung (Trainerdeutsch: Belastungssteuerung) mit fehlender Eingespieltheit. Mal davon abgesehen, dass auch eine Kaderverbreiterung in den finanziell schwierigen Corona-Zeiten nicht so einfach ist. Das Wintertransferfenster war unter Managern und Sportdirektoren eh nie besonders beliebt, in der Pandemie wird es kaum genutzt. Schalke 04 ist da die Ausnahme der Regel. Aber Schalke ist ja gerade oft die Ausnahme der Regel.

Spannung dank Müdigkeit? In der englischen Premier League kennt man dieses Phänomen, dort werden die Spitzenteams ja auch in normalen Zeiten durch unzählige Wettbewerbe gejagt und möglicherweise trägt das auch dazu bei, dass in England die Abstände zwischen den Spitzenteams in der Regel kleiner sind als im Rest Europas.

Ob die Abstände in der Bundesliga kleiner werden, hängt nun allein am FC Bayern. Die Münchner befinden sich in der kuriosen Situation, unter der Woche nicht unverdient im DFB-Pokal am Zweitligisten Holstein Kiel zu scheitern - und nun trotzdem alle Chancen zu haben, in der Bundesliga davonzuziehen. Allerdings hat der nächste Gegner die vergangenen fünf Partien gewonnen. Müde wirkten die Freiburger dabei nicht.

© SZ/fse/and
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