Bundesliga Die Schweizer Meisterleistung bringt Hütter nach Frankfurt

Demnächst an anderer Stelle: Trainer Adi Hütter (links) freut sich mit Guillaume Hoarau über den Titelgewinn von Young Boys Bern.

(Foto: Geisser/imago)
  • Eintracht Frankfurt verpflichtet den Österreicher Adi Hütter zur neuen als Nachfolger für Niko Kovac.
  • Der 48-Jährige kommt mit der Empfehlung, mit den Young Boys Bern den Seriensieger FC Basel als Schweizer Meister abgelöst zu haben.
  • Auch RB Salzburg coachte er einst. Weil der Klub damals die besten Spieler nach Leipzig ziehen ließ, schmiss er aber mit den Worten hin: "Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer."
Von Tobias Schächter, Frankfurt

Es sollte alles schön geordnet ablaufen: erst das Pokalfinale am Samstag gegen den FC Bayern München und danach die Bekanntgabe des neuen Trainers. So hatten sich das die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt gedacht. Seit Mittwochnachmittag ist diese Planung obsolet: In der Schweiz war durchgesickert, dass Adi Hütter in der kommenden Saison Niko Kovac ersetzt, der die Eintracht bekanntlich in Richtung München verlassen wird. Dem 48 Jahre alten Hütter war es mit Young Boys Bern gelungen, den Seriensieger FC Basel als Schweizer Meister abzulösen. Ein Coup! Der Österreicher Hütter erhält einen Vertrag bis 2021, wie die Frankfurter am Nachmittag bestätigten. "Seine Vita ist beeindruckend, er hat nachhaltig bei mehreren Klubs bewiesen, dass er mit harter Arbeit auch aus geringen Möglichkeiten das Optimum herausholen kann. Er passt daher perfekt zu unserem Klub", sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic.

Nun kommt allerdings auch die Personalie Hütter zur Unzeit für die Eintracht an die Öffentlichkeit. Schon die Bekanntgabe des Wechsels von Kovac zum FC Bayern und dessen Begleitumstände kosteten die Eintracht im Saisonfinale der Liga Konzentration auf das Sportliche. Der Kroate hatte lange seine Zukunft in Frankfurt verortet und sich doch immer ein Hintertürchen für einen Wechsel offen gehalten mit der Formulierung: "Stand jetzt." Nachdem der FC Bayern den Wechsel veröffentlicht hatte, hatte Kovac behauptet, es sei alles an einem Tag abgewickelt worden. Seitdem hat er in Frankfurt bei vielen Fans seine Glaubwürdigkeit verloren - und die Mannschaft vier der letzten fünf Punktspiele. Die fast sicher geglaubte Europapokal-Qualifikation wurde am Ende als Tabellenachter noch verspielt.

Vor einem Jahr war schon Werder Bremen an Hütter interessiert

Auch Hütter und die Young Boys waren an einer längeren Geheimhaltung der Personalie interessiert. Nach dem ersten Meistertitel seit 32 Jahren können die Berner am 27. Mai gegen den FC Zürich noch den Pokal gewinnen. Manager in Bern ist der ehemalige Eintracht-Profi Christoph Spycher. Man kennt sich also. Die Eintracht zahlt für Hütter eine Ablöse, dem Vernehmen nach 800 000 Euro; der Vertrag des Voralbergers in Bern galt ja noch ein Jahr. Hütter erklärte, für ihn gehe ein Traum in Erfüllung: "Als Spieler blieb mir die Bundesliga verwehrt, obwohl ich einmal ein Angebot hatte. Als Trainer hatte ich bereits das eine oder andere Angebot aus der Bundesliga ausgeschlagen. Nun freue ich mich umso mehr darauf, in der Liga des Weltmeisters tätig sein zu können." Er erfüllt offensichtlich das Anforderungprofil, das Frankfurts Sportvorstand Bobic jüngst so formuliert hatte: "Der Trainer muss zum Multikulti und der Internationalität passen. Es muss ein Arbeiter sein. Unser Fußball ist nicht ganz schick, aber rau und robust."

Derzeit stehen in Frankfurts Kader Profis aus 17 Nationen. In Bern arbeitete Hütter mit Spielern aus zehn Nationen. 2015 verließ er RB Salzburg nach nur einer Saison, obwohl er das Double gewonnen hatte. Weil der Klub damals die besten Spieler nach Leipzig ziehen ließ (unter anderem Sabitzer, Gulasci, Ilsanker,) schmiss Hütter mit den Worten hin: "Ich sehe mich nicht als Ausbildungstrainer." Erstmals einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde er, als er in Österreich den Dorfklub SV Grödig 2013 in die erste Liga und dann auf den dritten Platz coachte. Hütter gilt als Verfechter eines aggressiven Offensivfußballs.

An dem Trainer war vor einem Jahr schon Werder Bremen interessiert, auch bei Borussia Mönchengladbach soll er einmal auf der Kandidatenliste gestanden haben. Denis Zakaria (Mönchengladbach), Yvon Mvogo (Leipzig) und Yoric Ravet (Freiburg) wechselten im vorigen Sommer aus Bern in die Bundesliga. Trotz dieser Weggänge gewann der Klub mit großem Vorsprung den Titel. Diese Meisterleistung in der Schweizer Ausbildungsliga bringt den Österreicher Adi Hütter nun in die Bundesliga. Dass dies vier Tage vor dem Pokalfinale bekannt wurde, ist für das letzte Pflichtspiel von Niko Kovac für die Eintracht nicht unbedingt ein gutes Omen.

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