Bundesliga Der passive Transfersommer birgt Gefahren in sich

Auch Franck Ribéry (l.) und Mario Gomez zählen weiter zum unangefochtenen Stammpersonal in ihren Klubs.

(Foto: REUTERS)

Die Bundesliga steht vor allem international vor einer wichtigen Saison. Sollten die Klubs weiter früh scheitern, droht der Verlust von Champions-League-Startplätzen - und von viel Geld.

Kommentar von Martin Schneider

Möglicherweise wird dieser platzierte Rechtsschuss von Emil Forsberg noch sehr wichtig werden. In der 90. Minute versenkte der Schwede am vergangenen Donnerstag einen Elfmeter gegen den ukrainischen Klub Sorja Luhansk, weil der Sohn des Luhansker Trainers im Strafraum den Ball mit der Hand gespielt hatte. Das nahm in Fußball-Deutschland kaum jemand wahr, weil es sich um das Rückspiel der Playoff-Runde der Europa-League-Qualifikation handelte - und das so aufregend klingt wie der dritte Absatz eines Bezirksratsausschussprotokoll.

Aber in dieser Europa League versagt die Bundesliga seit Jahren gegen die Luhansks Europas, und das hat dazu geführt, dass Deutschland in der Uefa-Fünf-Jahreswertung auf Platz vier hinter Italien gefallen ist. Das ist noch nicht schlimm, Platz vier ist im Prinzip genau so gut wie Platz eins, man bekommt die gleichen vier sicheren Champions-League-Startplätze. Platz fünf bedeutet aber den Abstieg in die zweite Liga Europas und den Verlust von Plätzen in der Königsklasse und damit dem wichtigsten Zugang zu den enormen Geldtöpfen.

Der Modus der Fünf-Jahreswertung ist nun so, dass es für jeden einzelnen Sieg Punkte gibt und für das Erreichen einzelner Runden Bonuspunkte. Diese Zahl wird dann durch die Anzahl aller Teams geteilt (weswegen ein Ausscheiden in der Europa-League-Qualifikation sehr weh tut), und am Ende steht dann da eine Zahl. Im vergangenen Jahr verlor die Bundesliga spektakuläre sieben Punkte auf Italien und schnitt nur knapp besser ab als Österreich. Wenn die Liga in diesem Jahr neun Punkte auf Frankreich verliert, wenn also Paris Saint-Germain mit Neymar, Mbappé und Thomas Tuchel zum Beispiel eine furiose Champions League hinlegt oder Olympique Marseille wieder ins Europa-League-Finale kommt - dann wäre der Abstieg perfekt. Neun Punkte klingt zwar nach viel, allerdings hatte die Bundesliga zuletzt noch mehr Zähler auf England und Spanien verloren.

In dieser Saison gibt es keine Ausreden mehr

Die Bundesliga wandelt am Abgrund, aber sie hat auch in diesem Jahr wirklich keine Ausrede, wenn es nicht klappen sollte. Denn in den vergangenen Spielzeiten spülte die Saison immer mindestens ein Team in den Europapokal, von dem man wusste, dass der internationale Anzug eine Nummer zu groß ist. Freiburg, Mainz, Köln oder Augsburg taten ihr Bestes - aber das reichte nicht, und auch das mittelgroße Hertha BSC schaffte es, mit einer Niederlage gegen die Biathlon-Stadt Östersund ein ewiges Beispiel für das deutsche Scheitern in diesem Wettbewerb zu liefern. In der Champions League kam im vergangenen Jahr nur der FC Bayern über die Runde der besten 16 hinaus, und man redete sich damit heraus, dass Hoffenheim (scheiterte in der Champions-League-Quali an Liverpool und in der Europa League an Rasgrad/Bulgarien) und Leipzig (scheiterte unter anderem an der Laustärke in Istanbul) ja zum ersten Mal international spielten - und Dortmund eine miese Saison und eine schwere Gruppe erwischt hatte.

In diesem Jahr sind aber mehr oder weniger die sechs stärksten deutschen Mannschaften plus Frankfurt international dabei - und eine unmögliche Gruppe hat auch keines der Teams erwischt, Schalke sogar die nominell leichteste. Wenn am Ende der Gruppenphase also wieder nur der FC Bayern übrigbleiben sollte, dann kann die Liga nur zum schonungslosen Schluss kommen, dass ihre stärksten Vertreter nicht gut genug sind.

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Die Premier League hat gut eine Milliarde Euro ausgegeben

Schon länger gibt es Stimmen, die ziemlich laut auf den schleichenden Abstieg des deutschen Klub-Fußballs aufmerksam machen. Unter anderem Liga-Chef Christian Seifert, der von den Vereinen die Aufgabe übertragen bekam, die Bundesliga optimal zu vermarkten, sagt schon seit geraumer Zeit, man müsse auf der großen Bühne erfolgreicher sein. Denn über sogenannte "Stars" ist vermarktungstechnisch kaum etwas rauszuholen, die wechseln nämlich schon länger nicht mehr in die Bundesliga.

Am Freitag schloss das diesjährige Sommer-Transferfenster, und rechnet man Einnahmen und Ausgaben der Bundesliga gegeneinander, dann hat die deutsche Eliteklasse einen Gewinn von knapp zwölf Millionen Euro erwirtschaftet - also Spieler teurer verkauft als eingekauft. Größter deutscher Geldausgeber war zudem der VfL Wolfsburg, der nicht international spielt. Die deutschen Klubs gehen also in Summe in diese so entscheidende Saison, ohne groß investiert zu haben. Zum Vergleich: Die englische Premier League hat ein Transfersaldo von gut einer Milliarde Euro.

Nun ist Geld kein Selbstzweck, es kann schon eine kluge Strategie sein, den unbestreitbaren Wahnsinn dieses immer enthemmteren Transfermarktes nicht mitzumachen (und anzuzweifeln, ob 20 Millionen für Spieler der Kategorie Andrij Jarmolenko oder Yannik Vestergaard wirklich so sinnvoll angelegt sind) - aber leider ist auch kaum ein Zusammenhang im Fußball so gut belegt wie der, dass mehr Geld im Schnitt erfolgreicher ist als weniger Geld. Die Bundesliga setzt in dieser Saison darauf, die Ausnahme dieser Regel zu sein.

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