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Bundesliga:Der HSV ist für immer unabsteigbar

Hamburger SV v VfL Wolfsburg - Bundesliga

Lewis Holtby: Umjubelt beim Klassenerhalt

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Seit vier Jahren erleben die Hamburger überirdische Rettungsmomente. Nach menschlichem Ermessen steht fest: Ein Abstieg in die Zweitklassigkeit ist für immer ausgeschlossen.

Kommentar von Peter Burghardt

Der HSV kann nicht absteigen, stellen wir das hiermit abschließend fest. 2014: 0:0 und 1:1 in der Relegation gegen Fürth. 2015: Im praktisch schon verlorenen Duell beim KSC bekommt der HSV einen Freistoß geschenkt, der Chilene Díaz nimmt dem Holländer van der Vaart den Ball weg und tritt ihn ins Netz, was van der Vaart kaum gelungen wäre. Verlängerung, Sieg, der HSV bleibt drin. Diesmal ist der HSV nach zehn Runden mit zwei Punkten Letzter. Am vorletzten Spieltag schießt dann der eingewechselte Lasogga mit dem Abpfiff das 1:1 auf Schalke - Lasogga, der so selten spielt, dass ihn nicht mal die HSV-Ordner erkennen. Und jetzt gegen Wolfsburg ist es also Waldschmidt, der dem HSV - zwei Minuten vor Schluss, zwei Minuten nach seiner Einwechslung - mit seinem ersten Bundesligator die Vorhölle erspart.

Eingedenk dieser überirdischen Serie ist es nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen, dass der Hamburger Sportverein jemals in der zweiten Liga landet. Eine Zumutung gewesen wäre so ein Abstieg für die Hansestadt nicht nur in diesem Jahr: im Jahr der Elbphilharmonie-Eröffnung und des G-20-Gipfels. Ein zweitklassiger HSV wäre immer unzumutbar in dieser Metropole, in der außer dem Sport nahezu alles erstklassig ist.

Wie sollte Hamburg sich sonst an der Erkenntnis erfreuen, dass auch durchschnittliche Profis 3,5 Millionen Euro plus Prämien verdienen können? Dürfte man sich andernfalls noch so herrlich darüber wundern, dass ein milliardenschwerer Fußballfreund zuverlässig ein Vermögen spendiert? Wie langweilig wäre es, wenn die wunderbare Möglichkeit, dass sich der HSV und der FC St. Pauli wieder begegnen, Gewissheit würde?

Nein, für alle Zeiten wird der Stoffdino durchs Volksparkstadion watscheln. Keine Braunschweiger Atomuhr wird je dafür sorgen, dass die Hamburger Bundesligauhr angehalten werden muss. Immer werden die Fans von Europapokalen und erster Liga singen. Immer. Eines Tages werden die Historiker und Archäologen sagen: Ja, ganz früher gab es auf der Erde die Dinosaurier, und dann gab es den HSV.

© SZ vom 22.05.2017/ska/cat

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