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Bundesliga:Ist der Kader des FC Bayern zu klein?

FC Bayern Muenchen v FC Augsburg - Bundesliga

Was flüstern sich die Bayern-Profis Joshua Kimmich (links) und Mats Hummels da wohl zu?

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Ein Ehrenmann ist laut Duden ein ehrenhafter Mann, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Die Definition ist aus aktuellem Anlass von Bedeutung, weil der FC Bayern die etwas verstaubte Vokabel überraschend in einer offiziellen Mitteilung in den Sprachgebrauch der Fußballbranche zurückbrachte, um Dietmar Hopp beiseitezustehen, dem zuletzt so arg von Fans beleidigten Mehrheitsgesellschafter der TSG Hoffenheim.

Ehrenmänner scheinen sie also besonders zu schätzen beim deutschen Meister. Und so bot sich nach dem 1:1 gegen den FC Augsburg am Dienstag die Frage an, ob auf die Worte beim FC Bayern beschäftigter Männer eigentlich auch stets Verlass ist? Zum Beispiel auf die berühmten Worte von Sandro Wagner, in der vergangenen Saison mehrmals wiederholt: "Ich bin der beste deutsche Stürmer."

Bundesliga Tor für Mario
Felix Götze

Tor für Mario

Felix Götze widmet den Treffer zum 1:1 gegen den FC Bayern seinem Bruder. Doch in den meisten Punkten sind die Vergleiche zwischen den beiden Götzes hinfällig.   Aus dem Stadion von Sebastian Fischer

Nun steht die Ehrenhaftigkeit Wagners natürlich nicht zur Debatte, doch der Statistik zufolge lautet die Antwort gerade: Nein, er ist nicht der beste deutsche Stürmer. Am Dienstag vergab er als Ersatz von Robert Lewandowski alle ihm gebotenen Chancen, er drängte sich nicht unbedingt für weitere Einsätze auf. Und damit zu den kleinen, nur in Andeutungen merklichen Problemen der Bayern im Herbst 2018.

Die Münchner sind so gut in die Bundesligasaison gestartet, dass sie bereits wieder den Anschein der Unfehlbarkeit auf nationaler Bühne erweckten. Nun steht im fünften Ligaspiel der erste Punktverlust in der Chronik dieser Spielzeit. Und Trainer Niko Kovac musste dagegen argumentieren, dass es auch seine Rotation war, die dazu geführt hatte. Neben Wagners Aufstellung mutete es vor allem unglücklich an, dass er Mittelfeldspieler Leon Goretzka, zuletzt für die Nationalelf ein offensiver Rechtsaußen, als Linksverteidiger aufbot, um David Alaba zu schonen.

"Ich finde, dass er das 45 Minuten gut gemacht hat", sagte Kovac zwar. Doch tatsächlich wirkte Goretzka auf der für flinke Flitzer prädestinierten Außenbahn ein wenig wie ein ausgewachsener Mann im Bällebad. "Ich war nicht zufrieden", sagte Goretzka selbst, die Laufwege schienen ihm zu ungewohnt zu sein. Kovac, der zur Pause den am Knöchel verletzten Goretzka aus- und Alaba einwechselte, sagte: "Wir haben eben nur zwei gesunde Außenverteidiger, die wir schonen müssen." In die Saisonvorbereitung war der FC Bayern mit vier gesunden Außenverteidigern gestartet. Doch schon bevor sich der Rechtsverteidiger Rafinha am dritten Spieltag das Innenband im Sprunggelenk riss, hatte der Klub freiwillig den Linksverteidiger Juan Bernat nach Paris verkauft.

FC Bayern in der Einzelkritik

Neuer rutscht ein Eckball von der Hand

Es gibt freilich keinen Grund für laute Kritik nach einem 1:1 gegen Augsburg. Kovac beendete jede seiner Erklärungen mit einem leisen Lächeln. Thomas Müller sagte, man müsse nun nicht "irgendwelche Geschichten erfinden". Augsburg hatte unangenehm gespielt, die Münchner früh im Spielaufbau gestört, und mit einer Art Fünferkette, in die sich der defensive Mittelfeldspieler zurückfallen ließ, trotzdem tief gestanden. Augsburg hatte viel Glück gehabt, dass der FC Bayern den teils absurd großen Raum im Mittelfeld nicht konstruktiver nutzte, nur Renato Sanches lief auffällig viel mit dem Ball, doch ihm fehlte im Abschluss die Konsequenz. Und Augsburg hatte Glück, dass Manuel Neuer in der 86. Minute den Ball nach einem Eckball nicht fing und Felix Götze zum Ausgleich traf. Außerdem hatte Augsburgs Andreas Luthe gegen Wagner und Serge Gnabry stark pariert. Nur gegen den Führungstreffer von Arjen Robben war er machtlos.

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