Bundesliga Das Champions-League-Wochenende

Niko Kovac und Domenico Tedesco.

(Foto: imago/Revierfoto)
  • An diesem Spieltag spielt Schalke gegen Bayern und Hoffenheim gegen Dortmund.
  • Die Zukunft des deutschen Fußballs hängt auch davon ab, wie sich diese Klubs in der Champions League präsentieren.
  • Schlüsselfiguren dabei: Die vier Trainer Tedesco, Kovac, Favre und Nagelsmann.
Von U. Hartmann, C. Kneer, P. Selldorf und B. Warmbrunn

Für den sagenumwobenen asiatischen Markt - wenn es ihn wirklich gibt - hat die Bundesliga am 4. Spieltag ein sehr interessantes Angebot. Zur Übertragung bieten sich zwei Spiele an, deren teilnehmende Teams der asiatische Markt (wenn es ihn wirklich gibt) bereits von den Champions-League-Übertragungen unter der Woche kennt: Die vier deutschen Champions-League-Starter begegnen sich am Wochenende in direkten Duellen. Schalke 04 spielt gegen den FC Bayern, die TSG Hoffenheim empfängt Borussia Dortmund - eine erstklassige Möglichkeit für alle in- und ausländische Beobachter, um den deutschen Fußball einem kompakten Qualitätscheck zu unterziehen. Für die Teams geht es dabei nicht nur um Punkte in der Bundesliga, sie testen auch ihre Wettbewerbshärte für die anstehenden europäischen Aufgaben. Zumal die Champions League für die Trainer etwas sehr Spezielles ist: Domenico Tedesco, Niko Kovac und Julian Nagelsmann sind neu auf dieser Bühne, und Lucien Favre hat die Königsklasse vor seinem BVB-Dienstantritt exakt 90 Minuten kennengelernt - in Gladbach, bevor er im Herbst 2015 zurücktrat. Sind diese Trainer gut genug in Form, um dem etwas in Verruf geratenen deutschen Fußball wieder mehr Glanz zu verleihen? Ein Überblick.

FC Schalke 04

Über einen von Domenico Tedescos Vorgängern hieß es, dass er mehr Zeit in der Sauna und noch mehr Zeit vor dem Spiegel verbracht hätte als mit den Spielern auf dem Trainingsplatz. Eines Tages beschwerten sich deswegen die Profis beim Manager - sie wollten mehr arbeiten. Über Tedescos Pensum hat sich dagegen noch keiner beklagt, obwohl es schon Zeiten gab, in denen sich die Mitarbeiter größere Sorgen gemacht haben als heute. In jenen Phasen schien der Trainer 24-Stunden-Tage mit Sieben-Tage-Wochen kombinieren zu wollen, und Vertraute fragten sich, wie lange das gut gehen würde. Inzwischen sei es besser geworden, sagt man.

Dass Tedesco freie Tage im Büro verbringt, selbstredend auch an seinem 33. Geburtstag in der vorigen Woche, und dass er samstagnachts um zwei den Fernseher einschaltet, um das Testspiel USA gegen Brasilien zu gucken, weil Schalkes Weston McKennie da auf dem Platz steht, das wird für normal gehalten. Ohnehin sind den Vertrauten noch keine Gemüts- oder Wesensänderungen aufgefallen, seit Tedescos Elf nicht mehr knapp gewinnt, sondern vorwiegend knapp verliert. Während draußen im Land mancher Fernseh-Guru nicht ohne Schadenfreude von der Entzauberung des jungen Professors erzählte, gab Tedesco keine Anzeichen von Zweifeln zu erkennen. Das 1:1 gegen den FC Porto in der Champions League diente ihm als Bestätigung, dass sein Team sich wieder in die richtige Richtung entwickele - in die Richtung aus der Vorsaison nämlich, als Schalkes robuster Kampfverband Angst und Schrecken verbreitete.

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Zwar hatte der Trainer geplant, die Kampfsportquote zugunsten spielerischer Elemente zu senken, doch damit kam seine an markanten Punkten umgebaute Elf nicht zurecht. Nach dem beunruhigenden Auftritt beim 0:2 gegen Hertha rief Tedesco die Spieler zum Strategiegespräch zusammen. Votum der Vollversammlung: Zurück zu den Ursprüngen, zum Prinzip safety first. Doch während gegen Porto die Defensive schon deutlich stabiler stand, fehlt es der Offensive noch an Torgefahr und originären Vorzügen.

Gegen den FC Bayern wird niemand ein Schützenfest von Tedescos Schalkern verlangen, in diesem Spiel geht es darum, Haltung zu zeigen. Ab nächster Woche sollte der Trainer aber mit dem Punktesammeln beginnen. Nicht, weil ihn der Vereinsvorstand bereits unter Druck setzt, sondern damit der Vorstand nicht demnächst genötigt ist, den Trainer gegen Druck von außen zu verteidigen.

FC Bayern München

Viel fehlt nicht, um Niko Kovac die Aura jenes Mannes zu geben, dessen Werk er fortsetzt. Einen Trenchcoat hat Kovac bestimmt im Kleiderschrank, außerdem müsste er sich vielleicht eine singende, weiche Stimmlage antrainieren sowie sein schalkhaftes Grinsen sein lassen. Ansonsten klappt das aber schon ganz gut. Auch ohne Trenchcoat, ohne weiche Stimmlage und dafür mit schalkhaftem Grinsen gleicht Kovac in vielem Ottmar Hitzfeld.

Das 2:0 des FC Bayern in Lissabon sei Kovac' erstes Spiel als Trainer in der Champions League gewesen, darauf haben rund um diese Partie viele hingewiesen. Nicht aber Kovac. Er weiß, wie wenig diese Statistik zu erzählen hat. Mit der kroatischen Nationalelf hatte er sich für die WM 2014 qualifiziert, in den Playoffs gegen Island, in zwei Partien, in denen sich mehr Druck aufbaut als in einem ersten Gruppenspiel. Außerdem hat Kovac als Spieler 17 Duelle in der Champions League bestritten, sechs davon für die Bayern, von 2001 bis 2003. Kovac hat damals viel gelernt, nicht nur, weil er auf der größten europäischen Bühne mitwirkte. Eher, weil er seinen Trainer beobachtete. Sein Name: Ottmar Hitzfeld.

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"Wir Trainer sehen das aktuelle Spiel und müssen das nächste und das übernächste Spiel vorausdenken und planen", sagte Kovac am Freitag; es war ein Satz, wie ihn auch Hitzfeld gerne gesagt hat. In Lissabon hatte Kovac zunächst Thomas Müller geschont, er hatte dafür Renato Sanches (einst bei Benfica) sowie James Rodríguez (einst bei Benficas Rivalen Porto) eingesetzt, beide dankten mit guten Leistungen. Am Samstag auf Schalke wird daher folgerichtig der frühere Schalker Leon Goretzka spielen. "Er wird es sehr gut machen und sich von der Atmosphäre nicht beeindrucken lassen." Rotation, das ist Hitzfelds Königsdisziplin, die auch Kovac schon gut beherrscht. Menschenkenntnis, das ist die andere. Dafür reicht mal ein Smalltalk, in der Kabine, beim Training, er braucht nicht immer den ganz großen Auftritt. Daher hatte er auch einen dezenten Rat für Goretzka: "In der Einfachheit liegt die Schwierigkeit. Er muss keine Überdinge machen, das geht meistens in die Hose."

Im Verein beobachten sie das Wirken ihres neuen Trainers ausgesprochen wohlwollend. Kovac mag in manchen Wettbewerben ein Neuling sein, doch seine Arbeitsweise kommt den Bossen sehr bekannt vor.