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Bundesliga:Wenn der Fußball mit dem Rücken zur Wand steht

FC Schalke 04

Das Stadion des FC Schalke steht derzeit leer.

(Foto: Ina Fassbender/dpa)
  • Die Klubs in Deutschland setzen auf die Solidarität der Fans und der eigenen Angestellten, mit Sky verhandelt man Ratenzahlung.
  • Nun hofft die Liga auf den Einstieg von externen Geldgebern.

Die Mitteilung, die der FC Schalke 04 in dieser Woche unter der Überschrift "Information für alle Ticketinhaber" veröffentlichte, ist in Wahrheit kein Rundschreiben zur Orientierung, sondern ein Bittgesuch. Der Verein beschwört die 44 000 Anhänger, die im Besitz einer Dauerkarte sind, auf die anteilige Rückerstattung der Ticket-Kosten zu verzichten, falls die verbliebenen vier Heimspiele wie erwartet ohne Publikum ausgetragen werden müssten. Schalke stehe "aktuell vor einer potenziell existenzbedrohenden Situation", heißt es, "jeder einzelne Verzicht" sei "ein immenser Beitrag zur Stabilisierung der Liquidität und sichert das Überleben des Vereins". Als Dankeschön wird ein Sondertrikot versprochen. Wenn jemand dem Verein das Geld nicht überlassen wolle, könne er sich auch einen Gutschein ausstellen lassen und damit den Preis der Dauerkarte für die nächste Saison reduzieren. Oder den offenen Betrag im Fanshop einlösen.

Dass Schalke dringend Geld und Entlastung für den täglichen Lebensunterhalt benötigt, das bekamen auch die Lizenzspieler zu hören, als sie mit ihrem Arbeitgeber um einen vorläufigen Gehaltsschnitt verhandelten. Schalke arbeitet seit über zehn Jahren hohe Schulden ab, der Stand wurde zuletzt mit 118,7 Millionen Euro angegeben, Rücklagen existierten nicht, erklärte unlängst der Aufsichtsratschef Clemens Tönnies. In den Gesprächen mit den Profis machte der Klub Insolvenzgefahr geltend und erreichte die Zusage, bis Juli auf 30 Prozent der Zahlungen zu verzichten. Wie zu hören ist, soll die Hälfte des eingesparten Geldes zu einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt werden. Auch andere Vereine praktizieren dieses Stundungsmodell.

Zwar sind die Deutsche Fußball Liga und die Klubs weiterhin zuversichtlich, die Saison mit Erlaubnis der Behörden zu Ende bringen zu dürfen, und nach wie vor geht man auch davon aus, dass dies bis zum regulären Spielzeit-Schluss am 30. Juni gelingen kann. Aber Garantien dafür kann es nicht geben, und nicht nur auf Schalke werden die Mittel knapp, solange die letzte Rate des TV-Honorars und die damit einhergehenden Sponsorenzahlungen nicht ausbezahlt sind. Martin Przondziono, Geschäftsführer des Aufsteigers SC Paderborn, erklärte dem Sender Sport1: "Es ist nicht so, dass wir im nächsten Monat insolvent wären. Wir können das noch ein, zwei Monate hinauszögern, aber dann geht uns die Luft aus."

Um die Zahlungsfähigkeit der Mitglieder in prekären Verhältnissen zu sichern, verhandelt die Dachorganisation DFL mit dem Haupt-Fernsehpartner Sky wegen eines Vorschusses auf das ausstehende TV-Geld. Dies würde aber wohl bedeuten, dass man Zugeständnisse machen müsste, die Summe würde im Fall von Vorabzahlungen wohl geringer ausfallen. Zudem zieht die DFL auch eine Zwischenfinanzierung durch externe Geldgeber in Erwägung. Laut FAZ wurde die japanische Investmentbank Nomura kontaktiert. Wie aus dem Präsidium der DFL verlautet, hat es aber auch mit anderen potenziellen Partnern Sondierungsgespräche gegeben. Man verhandele nicht im Detail, über Zinssätze oder Tilgungsstrukturen, sondern eruiere die grundsätzlichen Möglichkeiten eines Überbrückungskredits. Es ist klar, dass mit solchen Darlehen hohe Zinssätze verbunden wären, acht bis zehn Prozent wären nach Expertenansicht sicher zu erwarten, entsprechend würden die Budgets der Vereine belastet.

Schon aus Sorgfaltspflicht seien solche Sondierungen aber geboten, heißt es, besonders für den Fall des schlimmsten Szenarios, den Saisonabbruch. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hatte zuletzt außerdem von Interessenten aus der Finanzbranche berichtet, die Hilfe angeboten hätten, weil sie "an die Institution und Marke Bundesliga glauben". Offenkundig handelt es sich bei diesen Unternehmen um kapitalstarke Beteiligungsgesellschaften. Noch möchte man dieses Thema aber nicht vertiefen.

Die eventuelle Einbeziehung externer Geldgeber ist nach Auffassung von DFL-Verantwortlichen schon deshalb sinnvoll, weil sie die Position der Bundesligen im Gespräch mit dem Fernsehen über eine vorzeitige Ratenzahlung stärken könnten. Andernfalls verhandle man mit dem Rücken zur Wand. Manches prominente Mitglied der Liga befindet sich offenbar bereits in dieser unangenehmen Situation.

© SZ vom 11.04.2020/sonn
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