Bundesliga:Der Fußball übertragt die Verantwortung an die lokalen Behörden

Für die Bundesliga jedenfalls hat es oberste Priorität, den Wettbewerb bis zum geplanten Saisonende durchzubringen. "Die laufende Saison muss wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln", schrieb die DFL. Muss. Nur so erhielten die Klubs "Planungssicherheit" - ein Zustand übrigens, den in der aktuellen Situation sicher auch andere Beteiligte gerne hätten.

All das bedeutet: Geisterspiele sind für die DFL im Zweifel die bessere Option als eine komplette Verschiebung von Spieltagen, weil es aufgrund des engen Terminkalenders kaum Ausweich-Möglichkeiten gibt. Die DFL selbst kann und will formal aber nicht alle Spiele zu Geisterspielen erklären. Veranstalter ist der jeweilige Heimverein. Und einen gemeinsamen Beschluss gibt es nicht. Der Fußball überträgt die Verantwortung nun an die lokalen Behörden.

Insbesondere in Nordrhein-Westfalen deutet vieles darauf hin, dass es zu Ausschlüssen kommt. Schon am Sonntagabend hatte der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann in der ARD gesagt, dass das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland der Empfehlung Spahns folgen wolle - und eine Empfehlung sei dann "in Wahrheit (...) wie eine Anordnung" für die Behörden. Das hieße also für die Bundesliga: keine Zuschauer am Mittwoch bei Gladbach gegen Köln, keine Zuschauer am Wochenende bei Düsseldorf gegen Paderborn und Köln gegen Mainz. Und auch nicht beim großen Derby zwischen Dortmund und Schalke.

Allerdings hatte Laumann auch gesagt: "Ob sie ohne Publikum spielen oder ob sie gar nicht spielen, das muss schon der Verein entscheiden, nicht ich." Da lag der Ball also bei den Klubs, nicht bei den Behörden. Und es war am Montag bemerkenswert, dass trotz der klaren Worte des Gesundheitsministers noch keine Behörde Konkretes verkündete. Die Verantwortlichen vor Ort wehren sich teils auch gegen die Haltung des Fußballs. "Die Eigenverantwortung von Veranstaltern kann man hier nicht mal eben wegdiskutieren", sagte etwa eine Sprecherin der Stadt Köln.

Mit dem Thema Geisterspiele stellen sich weitere Fragen. Etwa die nach der Integrität des Wettbewerbs. Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann etwa forderte, "dass es fair bleiben muss", also: "nicht unterscheiden zwischen Bundesländern mit vielen oder wenigen Infizierten". Und das andere ist die wirtschaftliche Situation. "Das wird spannend für die Lizenzerteilung an die Bundesligisten für die kommende Saison, ich bin gespannt, was sich die DFL da einfallen lässt", sagt Kölns Manager Heldt. Die Einnahmeverluste brächten den meisten Profiklubs Probleme. Es könnten keine Tages-Tickets verkauft werden, Dauerkarteninhaber müssten möglicherweise entschädigt werden.

Die konkreten finanziellen Folgen würden sich für die einzelnen Klubs sehr unterschiedlich ausgestalten. Denn der Anteil der Zuschauereinnahmen im Vergleich etwa zu Medien- oder den Sponsoreneinnahmen variiert stark. Im Schnitt beträgt der Etat-Anteil eines Profiklubs aus den Spielen zirka 13 Prozent (Bundesliga) bzw. 17 Prozent (zweite Bundesliga). Gerade bei manchen kleineren Zweitligisten geht es dieser Tage auch um die Liquidität, die sie rund um die Beantragung der neuen Lizenz nachweisen müssen. Aber auch für größere Klubs hat es Folgen, weil ein volles Stadion schnell 1,5 Millionen Euro einbringen kann. Die DFL teilte schon mit, sie prüfe Möglichkeiten, das Lizenzverfahren und "die "Auszahlungszeitpunkte von zentral generierten Einnahmen" anzupassen.

© SZ vom 10.03.2020/tbr/cat
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