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Corona und die Bundesliga:Mit dem Fußball ins Home-Office

Everyday Life In Germany Impacted By Coronavirus Fears

Das Training fällt aus, auch beim Hamburger SV.

(Foto: Getty Images)
  • Der Profifußball in Deutschland befindet sich wegen des Coronavirus im Ausnahmezustand, wie es weitergehen wird, kann noch niemand wissen.
  • Einige Mannschaften sind schon in Quarantäne, Hannovers Timo Hübers quält schon nach vier Tagen die Langeweile.
  • Dass schon in wenigen Tagen oder Wochen weitergespielt werden könnte, halten die ersten Funktionäre für fraglich.

Wie in den kommenden Tagen und Wochen das Leben eines Fußballprofis aussehen kann, das war am Samstag vor dem Stadion am Böllenfalltor zu sehen. Der SV Darmstadt verbreitete Fotos in den sozialen Netzwerken, wie sich die Spieler des Zweitligisten verabschiedeten, um vorerst zu Hause zu trainieren. Der Mittelfeldspieler Victor Palsson trug einen Fußball und zwei Faszienrollen zu seinem Auto über den Parkplatz, andere hatten Medizinbälle oder Matten unter dem Arm und ihre Sporttaschen über der Schulter. "Bis auf Weiteres trainieren alle Spieler mit individuellen Plänen", schrieb der Klub dazu. Und: "#COVID-19".

Der Profifußball in Deutschland befindet sich im Ausnahmezustand, spätestens seit die Deutsche Fußball Liga (DFL) am Freitagnachmittag als letzte der großen Ligen Europas bekanntgegeben hat, den Spielbetrieb zu pausieren - vorerst, so die Empfehlung des DFL-Präsidiums an die Klubs, bis zum 2. April. Wie es längerfristig weitergeht, soll auf der DFL-Mitgliederversammlung am Montag von Vertretern der 36 Bundesliga- und Zweitligaklubs besprochen werden. Schon am Freitag, als die Liga unter großer Kritik der Öffentlichkeit und von Akteuren der Branche noch am Plan mit einem Spieltag ohne Zuschauer festhalten wollte, war von der Sorge vor den wirtschaftlichen Folgen eines Saisonabbruchs die Rede. Doch zunächst geht es für die Klubs auch darum, den Alltag zu bewältigen.

Am Freitagabend hatte der SC Paderborn als erster Erstligist einen positiven Test auf das Coronavirus in seinem Kader bekanntgegeben: Es handelt sich um den U21-Nationalspieler Luca Kilian, der wegen einer Oberschenkelverletzung seit Mitte Januar nicht mehr zum Einsatz kam. "Er hatte zwei Tage wirklich Probleme, mit Fieber und Schüttelfrost, aber inzwischen geht es ihm besser", sagte Paderborns Manager Martin Przondziono der SZ. "Diese Wucht, die die letzten zwei bis drei Tage in die Sache reingekommen ist, damit konnte keiner rechnen."

"Es ist recht schwer, die Tage rumzubekommen", sagt Hannovers infizierter Profi Timo Hübers

Als Konsequenz aus Kilians Erkrankung stellte Paderborn bis auf Weiteres den Trainingsbetrieb ein und schloss die Geschäftsstelle. 45 Spieler und Mitarbeiter wurden getestet. Wer seit dem 5. März mit Kilian Kontakt hatte, was nach Vereinsangaben Teile der Mannschaft betrifft, muss für 14 Tage in häusliche Quarantäne. Ähnlich ist die Situation bei den Zweitligisten 1. FC Nürnberg, Holstein Kiel und Hannover 96.

Dort gab Timo Hübers, unter der Woche als erster Fußballprofi in Deutschland infiziert, ein Skype-Interview, das der Verein auf seiner Webseite veröffentlichte. Ihm gehe es gut, sagte er, schlimmer sei die Langeweile in Quarantäne: "Bei mir ist es Tag vier von vierzehn - und es ist recht schwer, die Tage rumzubekommen."

Die anderen Klubs reagieren unterschiedlich auf die Situation. Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach trainieren zunächst weiter, Schalke und Frankfurt schickten ihre Spieler ins Home-Office, Union ordnete ein gemeinsames Frühstück an, Werder Bremen gab den Spielern wie viele andere Klubs zwei Tage frei, bis am Montag das weitere Vorgehen besprochen wird. "Ziel ist es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende zu spielen - aus sportlichen Gesichtspunkten, aber insbesondere auch, weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Klubs existenzbedrohende Konsequenzen haben könnte", hieß es am Freitag von der DFL.

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