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Bundesliga und Corona:Spielergehälter sind die härteste Stellschraube

BVB-Chef Watzke

Will auch auf etwas Gehalt verzichten: BVB-Boss Hans-Joachim Watzke.

(Foto: dpa)

Es ist löblich, dass die Bundesliga allmählich auf die Corona-Krise reagiert. Auch BVB-Boss Watzke macht jetzt mit - und sendet ein Signal an Profis und Berater.

Nach dem großen Schock schüttelt sich die Bundesliga und beginnt damit, an ihren Stellschrauben zu werkeln. Aus einer überdrehten Branche wird ein bisschen Luft abgelassen. Verein für Verein rattern die Meldungen herein, was jedem dazu als Erstes eingefallen ist. So hat der Chef des Berliner Olympiastadions der Hertha eine Mietminderung angeboten - er könne ja keine Leistung in Rechnung stellen, die nicht erbracht werde, heißt es.

Das zählt für den Augenblick, kann aber auch schnell rückgängig gemacht werden, denn erstes Bestreben der Bundesligisten bleibt es, so früh wie möglich den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Dass dies irgendwann nur mit den sog. Geisterspielen gehen wird, scheint fast allen klar zu sein. Lieber ohne Publikum als überhaupt nicht. Hauptsache, es wird angepfiffen, und Fernsehen (ARD, ZDF), Pay-TV (Sky) sowie Streamingdienste (Dazn) zahlen weiter und helfen damit, die Brücken über den befürchteten Liquiditätsengpass zu schlagen.

Dass jeder Klub jetzt seine eigene Brücke bauen muss, hat besonders Hans-Joachim Watzke betont. Dies wurde zum Start in die Coronakrise als schmallippig empfunden, da viele sich nach warmen Worten sehnten. Im Kern jedoch hatte der Geschäftsführer von Borussia Dortmund recht, als er als Erster daran erinnerte, dass man auch weiterhin in harter Konkurrenz zueinander stehe. Und bevor jemand von den Solidarfonds rede, möge jeder erst mal seine Hausaufgaben erledigen. Gemein sei allen 36 Erst- und Zweitligisten auch weiterhin nur, dass sie einen Wettkampf vermarkten. Einen, in dem sie schon heute wieder - parallel zum Start ins Stellschrauben-Drehen - emsig um die Gunst derselben Profis feilschen.

Um Watzke selbst muss sich finanziell niemand sorgen

Natürlich sind die Spielergehälter die härteste Schraube, an der so mancher Schraubenzieher brechen wird. Mit den Sponsoren lässt sich reden, die sind meist lokal engagiert, sie werden den Klubs schon erklären, was jetzt noch zumutbar ist und was nicht. Auch mit den Dauerkartenbesitzern werden sich Lösungen finden lassen, denn diese sind zum Großteil Fans, nicht nur Kunden. An der Stadionmiete hingegen kann der BVB - im Gegensatz zur Hertha - nicht viel drehen, das Westfalenstadion, heute Signal-Iduna-Park, befindet sind im Vereinsbesitz. Und um Watzke selbst muss sich finanziell niemand sorgen, auch wenn er jetzt angekündigt hat, er werde bis zum Krisenende auf ein Drittel seines Festgehalts verzichten. Das sollte weiterhin jenseits der Millionengrenze liegen.

Watzkes selbstauferlegte Kürzung ist deshalb auch als Signal an die BVB-Profis und deren Berater zu verstehen: Ich gehe voran, wäre schön, wenn ihr folgen würdet! Es kann nur ein Appell sein, denn Vertrag ist Vertrag, jeder einseitige Änderungswunsch ist ein Fall für die Juristen.

Unter Umgehung des Rechtsweges setzten sich am Donnerstag die Mönchengladbacher in Szene. Manager Max Eberl ("Die Spieler wissen, was los ist!") verkündete, dass Borussia als erstes Bundesliga-Team kollektiv auf einen nicht präzisierten Teil der Gehälter verzichte, um die soziale Situation der Klubmitarbeiter abzufedern. Es tut sich also was an jenen Stellen, an denen die Klubs als Heimwerker tätig werden können. Aber das sind Anfänge, respektable Gesten, die große Nagelprobe jedoch, die kommt erst noch.

© SZ vom 20.03.2020/ebc
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