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Fußball:Seifert: Es geht auch um emotionale und moralische Solidarität

Ende März wollen Klubs und DFL erneut zusammenkommen, um weitere Beschlüsse zu fassen, man müsse derzeit "auf Sicht fahren", wie es hieß. Seifert berichtete, zum Zweck der Beschlussfähigkeit habe sich die Mitgliederversammlung auf einen "Notfallparagrafen" verständigt - etwa für den Fall, dass Reisen eingeschränkt würden und eine Zusammenkunft nicht mehr möglich sei. "Es sieht aus und fühlt sich an wie in einem Science-Fiction-Film", findet Seifert.

Vor der Sitzung war noch spekuliert worden, ob wohl Lösungsmodelle diskutiert würden, wie man mit der Saison umgehen sollte, wenn sie nicht zu Ende gespielt werden könnte. Setzt man die sportlichen Entscheidungen aus, verzichtet man auf Meister und Absteiger und verteilt die Europacup-Plätze an die sechs Bestplatzierten? Beurteilt man den Verlauf nach dem aktuellen Tabellenstand oder - wie es aus der Mitte der Beteiligten auch schon angeregt wurde - nach dem Tabellenstand der abgeschlossenen Hinrunde, nachdem jeder einmal gegen jeden gespielt hatte?

Eine Diskussion über solche Modelle wäre zwangsläufig ausgeufert. Über Abstieg und Aufstieg nach dem vorläufigen Tabellenstand zu entscheiden, hätte keine Akzeptanz gefunden, juristische Auseinandersetzungen wären die logische Folge gewesen. Doch am Montag waren solche Überlegungen zumindest im Plenum kein Thema, so Seifert: "Klar ist, alle Klubs wollen diese Saison irgendwie regulär zu Ende kommen lassen. Das ist eine Frage der sportlichen Integrität."

Auch über eventuelle Solidarprogramme zur Stützung von Klubs, die wegen der Einnahmeausfälle finanziell in Not geraten, wurde angeblich nicht diskutiert. "Allen Beteiligten war wichtig zu betonen, dass es nicht nur um finanzielle, sondern auch um emotionale und moralische Solidarität geht", sagte Seifert im Laufe seines Vortrags ein wenig nebulös. Offenbar zielte die Äußerung auf Meinungsbeiträge von Klubfunktionären während der vergangenen Tage. So hatte zum Beispiel Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke darauf hingewiesen, dass Vereine, die gut gewirtschaftet hätten, nicht zur Unterstützung der notleidenden Konkurrenten verpflichtet seien. "Es geht nicht darum, wer in der Öffentlichkeit besser dasteht, sondern um das Überleben vieler Vereine", ergänzte DFL-Chef Seifert nun die Ausführungen.

© SZ vom 17.03.2020/tbr
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