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Saisonstart der Bundesliga:Eine Liga, in der noch nicht viel wieder normal ist

Sie sind wieder da: Fans in Dortmund

(Foto: Ina Fassbender/AFP)

Eine Debatte um den richtigen Abstand auf der Tribüne und drohende Langeweile: Der Bundesliga-Auftakt zeigt zwar schöne Bilder - aber auch, warum die neue Saison so herausfordernd wird.

Kommentar von Sebastian Fischer

Kurz vor dem Anpfiff hörte man in der Münchner Arena laut und deutlich eine begeisterte Stimme. Sie kündigte auf Englisch das Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern und Schalke 04 an, sie klang Timbre und Verve zufolge nach einem Trailer für einen Kino-Thriller. Sie gehörte einem britischen Kommentator, der TV-Zuschauer auf die Begegnung einstimmte. Und sie verriet Wissenswertes über die 58. Bundesliga-Saison, die nun begonnen hat. Erstens: Es gibt offenbar noch Menschen, die daran glauben, dass diese Saison auch in Partien unter Beteiligung des FC Bayern so spannend werden kann wie ein nervenkitzelnder Film (okay, jedenfalls gab es sie vor dem Acht-zu-null der Bayern gegen Schalke). Zweitens: Wenn kurz vor Anpfiff ein Reporter in einer Arena so laut und deutlich zu hören ist, dann handelt es sich weiterhin um eine Liga, in der noch nicht viel wieder normal ist.

Am ersten Spieltag fühlte sich das Spiel für manche Beteiligten wieder "wie richtiger Fußball" an, so formulierte es Trainer Florian Kohfeldt von Werder Bremen vor der Begegnung mit Hertha BSC. 8400 Zuschauer waren im Weserstadion, an der Alten Försterei in Berlin wurde wieder gesungen, auch auf der Gelben Wand in Dortmund standen wieder Menschen. Das sah im Fernsehen ein wenig so aus wie die Fußballsimulationen für Konsolen aus den frühen Zehnerjahren, in denen die Spiele-Hersteller mit animiertem Publikum experimentierten: gleichmäßig verteilte Figuren mit Schals und Trikots der Farben der Heimmannschaft, Gästefans sind ja noch nicht erlaubt. Doch deshalb war es trotzdem den Umständen entsprechend schön und gut, Freude und Lob sind berechtigt. Der Anblick so manches lächelnden Fans, der aller Risiken zum Trotz bei diesem Experiment mitmachen will, hatte fast etwas Rührendes.

Doch es dürfen sich natürlich weiterhin nirgends wildfremde Menschen in den Armen liegen - mit dieser Floskel wird ja oft beschrieben, was den Fußball als über den bloßen Sport hinaus bedeutsames Ereignis auszeichnet. In Stuttgart sollten die Zuschauer auch am Platz Maske tragen. Und in Köln und in München waren die Infektionszahlen zuvor jeweils zu sehr gestiegen, um Fußball auch nur mit wenigen Fans auf Abstand verantworten zu wollen.

Dass diese Saison für den Fußball auf vielfältige Art und Weise sehr herausfordernd wird, womöglich mehr als jede Saison zuvor, ist vorher schon erkannt und beschrieben worden. Die Bilder in München zeigten das nun nochmals auf anschauliche Weise - nicht nur wegen leerer Tribünen. Es gab Aufregung um die Funktionäre beider Klubs, die auf ihren Plätzen vor der Loge auf das Abstandhalten verzichteten, wobei sie sich zwar auf die bayerische Corona-Verordnung beriefen, was in den Stadien aber eigentlich nicht so gedacht ist. Und es waren auch die Bilder auf dem Platz, die etwas über Herausforderungen erzählten.

Wenn der Triple-Sieger nach einer Woche Mannschaftstraining gleich mit einem 8:0 weitermacht, dann ist das kein Argument für einen spannenden Kampf um die Meisterschaft. Dann ist es also eher ein Argument dafür, dass die Liga die Menschen anders als mit einem engen Titelrennen weiter unterhalten muss. Und wie das während der Pandemie gelingt, das dürfte auf jeden Fall spannend bleiben. Dazu eine Meldung vom Samstag: Das Eröffnungsspiel sahen im ZDF rund eine Million weniger TV-Zuschauer als im Vorjahr.

© SZ/sonn
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