Bundesliga:Eine Verschiebung der EM würde den Ligen zumindest ein bisschen Entzerrung bringen

Durch die Absage der beiden Spieltage und die sich anschließende Länderspiel-pause gewinnt die Bundesliga nun immerhin etwas Zeit, um sich zu überlegen, wie sie mit der Situation umgehen soll - wobei derzeit natürlich niemand seriös abschätzen kann, wie sich die Lage um das Virus und seine Verbreitung entwickelt. Sollte eine Fortführung des Spielbetriebes überhaupt noch möglich sein, dann wird es nicht zuletzt auf die nächsten Entscheidungen der großen internationalen Fußballverbände ankommen.

Die Uefa will sich erst am Dienstag äußern, wie es weitergeht. Durch die Verlegung aller Europapokalspiele der kommenden Woche ist ja auch der Zeitplan der Uefa immens durcheinandergeraten, und zugleich ist nicht absehbar, ob und wann die internationalen Wettbewerbe zu Ende gespielt werden können. Bei diversen verbliebenen Champions-League-Teilnehmern - unter anderem Real Madrid, Juventus Turin sowie dem Bayern-Gegner FC Chelsea - gibt es Corona- und Quarantäne-Fälle. Der FC Barcelona hat den Betrieb inzwischen komplett eingestellt.

Zumindest ein bisschen Entzerrung für die deutschen wie auch für alle anderen europäischen Ligen könnte eine Verschiebung der Europameisterschaft bringen, deren Beginn eigentlich für den 12. Juni geplant ist. Ein solcher Schritt rückt auch näher. Immerhin kommt allen Beteiligten zugute, dass das Turnier dezentral in zwölf Ländern organisiert ist und nicht ein einzelner Standort den Ausfall und seine Kosten stemmen müsste.

Der Sommer 2021 böte sich als Ersatzspielzeit an, aber in dieser Zeit hat der Weltverband Fifa bisher seine umstrittene Klub-WM geplant - just in China und mit dem Spielort Wuhan, dem Ausbruchsort der Corona-Pandemie. Dieses Turnier hält kaum jemand in der Fußballszene für notwendig, es ist aber ein Prestigeprojekt des umstrittenen Fifa-Bosses Gianni Infantino. Es hängt nun überhaupt viel an der Fifa, die in vielen Veranstaltungen mitmischt. Sie teilte am Freitag nur mit, dass sie im Austausch mit der Weltgesundheitsorganisation stehe.

Klar ist, dass alle weiteren etwaigen Spiele bis zum Saisonende nur als Geisterspiele denkbar sind

Entsprechend schwierig sind daher Prognosen zu der Frage, wie es in der Bundesliga nach der nun beschlossenen Pause weitergehen könnte. Aber natürlich beschäftigt alle die Frage, was wohl passiert, wenn die Saison nicht regulär mit 34 Spieltagen endet. Je nach Verein und Tabellensituation gibt es vielfältige Interessen, und die Hoffnungen auf eine große Solidarität innerhalb der Ligen dürften sehr überschaubar sein. So kursieren schon verschiedene Szenarien, von der kompletten Annullierung der laufenden Saison bis zur Aufstockung der Bundesliga auf 20 Mannschaften. Allerdings ist es sehr unwahrscheinlich, dass es - wie im Eishockey - keinen Meister gibt. Es ist zwar quasi kein Fall denkbar, in dem es nicht zu Rechtsstreitigkeiten und sogar Regressforderungen kommen könnte; aber die logistischen und organisatorischen Folgen dürften für die Liga insgesamt leichter zu handhaben sein als die wirtschaftlichen. Klar ist, dass alle weiteren etwaigen Spiele bis zum Saisonende nur als Geisterspiele denkbar sind. Und klar ist auch, dass die Folgen auch über die Saison hinaus wirken. Unter führenden Ligavertretern wird sogar schon das Szenario diskutiert, dass selbst die Hinserie der Spielzeit 2020/21 noch ohne Zuschauer im Stadion stattfinden müsste. Denn es erscheint derzeit kaum vorstellbar, wie die Behörden bis dahin wieder Zusammenkünfte von bis zu 80 000 Menschen erlauben können.

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