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Bundesliga: Christop Daum:Vorbildlicher Absteiger

Eintracht Frankfurt rüstet sich bereits für die zweite Liga und sucht einen neuen Trainer. Einzig Christoph Daum glaubt weiter tapfer an den Klassenerhalt - und lässt rote Rosen regnen.

Zur mutmaßlich vorletzten Trainingseinheit der Bundesligasaison haben sich zirka 50 Besucher eingefunden, sie stehen ähnlich gelangweilt neben dem Platz wie die Spieler auf demselben. Für das menschliche Auge ist es an diesem Donnerstagvormittag nicht ersichtlich, dass jeder der Profis von Eintracht Frankfurt "brennt", wie Christoph Daum später energisch versichert.

Christoph Daum

Abstiegstrainer? Frankfurts Christoph Daum.

(Foto: dpa)

Während sich der Trainer alle Mühe gibt, einen schwungvollen Eindruck zu machen, als er Hütchen sortiert, Übungsformen erörtert und Laufwege anzeigt, strahlen die Spieler den trägen Esprit von Büroarbeitern im Bewusstsein der nahenden Lunchpause aus: Sie tun, was ihr Chef verlangt und täuschen technisch perfekt Aufmerksamkeit vor, wenn Daum seine komplexen Vorträge hält - trotzdem wirkt es, als ob sie sich vor allem aufs Mittagessen freuen würden.

Die Fans und die Spieler in Frankfurt wissen: Viele Mahlzeiten bleiben ihnen womöglich nicht mehr in der ersten Liga. Ioannis Amanatidis gab das Befinden treffend wieder, als er am Donnerstag die Ausgangslage vor dem abschließenden Spiel bei Borussia Dortmund sondierte: "Wir sind schlecht drauf, und wir sind die schlechteste Rückrunden-Mannschaft - es spricht nichts für uns.". Es liegt in der Logik dieses Sports, dass er aus eben diesen Zeichen des Unheils die Chance auf Rettung erkennt.

Auch Amanatidis gehört zu jenen 17 Lizenzfußballern der Eintracht, die den Weg in die zweite Liga mitgehen müssten, weil ihr Vertrag sie an den Verein bindet. Heribert Bruchhagen hat die Betreffenden Mann für Mann aufgezählt, aus dem Stegreif und ohne Notizzettel oder Teleprompter, selbst den in die zweite französische Liga verliehenen Habib Bellaid hat er nicht vergessen. Er wollte damit seine Aussage untermauern, dass in Frankfurt, "nichts, aber auch gar nichts drunter und drüber geht", wenn die herrschenden Erwartungen Wahrheit werden.

Tatsächlich scheint die Eintracht ein besonders vorbildlicher Absteiger sein zu wollen. Bevor die Sache überhaupt amtlich ist, hat man schon sämtliche Vorbereitungen getroffen. Man hat den Spielerkader sortiert und Gespräche mit Profis wie Maik Franz oder Chris aufgenommen, die nicht zum Bleiben verpflichtet sind. Im Aufsichtsrat hat man prinzipiell Einigkeit darüber hergestellt, den Vorstandschef Bruchhagen zu halten und ihm künftig einen Sportmanager zur Seite zu stellen.

Man hat die Finanzen überblickt und festgestellt, dass der Verein ohne nennenswertes Minus aus der Saison herausgeht (was sich nicht zuletzt aus eingesparten Siegprämien ergibt), und dass er wirtschaftlich "grundsolide" und "komplett handlungsfähig" dasteht, wie Bruchhagen beflissen referierte.

Lediglich der Trainer, der die neue, alte Eintracht wieder aufwärts führen soll, müsste noch gefunden werden. Christoph Daum scheint auf jeden Fall Christoph Daum empfehlen zu wollen.

Das klingt zwar widersprüchlich, wie er selbst einräumt, weil er kürzlich noch meinte, damals, 2006, habe er sich nur in die zweite Liga hinab begeben, weil es um seinen 1. FC Köln ging, inzwischen schildert er den Fall aber anders. Er habe mit der Aussage seinen Optimismus zum Ausdruck bringen wollen, dass der Abstieg für ihn "überhaupt kein Thema" sei.

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Udo, Magier, Fanversteher

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