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BVB gegen Werder:Die Dortmunder Stabilität hat viel mit Emre Can zu tun

Werder-Coach Kohfeldt verglich diese Szene mit einer ähnlichen seiner eigenen Mannschaft, um zu verdeutlichen, warum Borussia Dortmund sehr viele Tore schießt und seine Mannschaft sehr wenige, genauer gar keine. Seit sagenhaften acht Spielen, seit 17 Halbzeiten, sind die Bremer ohne eigenen Treffer, die beiden Tore (beim 1:2 in Augsburg und das zum 1:0-Sieg in Düsseldorf) waren Eigentore der Gegner. Kohfeldt also erwähnte die 35. Minute, als die Bremer ihre einzige nennenswerte offensive Idee hatten, Bittencourt spielte einen Steilpass auf Gebre Selassie am rechten Flügel, plötzlich hatte Werder einmal den Weg hinter Dortmunds Abwehr gefunden.

Sein Spieler sei in einer besseren Position gewesen als später Hakimi, fand Kohfeldt, "aber wir bewegen uns in der Box nicht gut". Wo Haaland mit seiner ganzen Wucht "hierher" brüllt, war von Davie Selke kein Flüstern zu hören, Dortmunds Verteidiger Zagadou war vor ihm am Ball - aus der gleichen Szene, die für die Dortmunder wie zwangsläufig zum Tor führte, entstand bei Werder Bremen nicht einmal eine Torchance.

Das "sehr schwierige Spiel", wie Dortmunds Trainer Lucien Favre noch ein paar Mal wiederholte, das sich für die Borussia erst nach dem 1:0 durch Zagadou im Anschluss an einen Eckball öffnete (52. Minute), darf als Ausweis eines Lernprozesses gelten. Nicht nur, dass die Schwarz-Gelben nicht zweimal dieselben Fehler gegen Bremen gemacht haben und diesmal den Gastgebern keinen Raum anboten, sie haben nun auch eine Phase von schon drei Spielen hinter sich gebracht mit nur einem Gegentor, ohne dabei die eigene Gefährlichkeit eingebüßt zu haben. 4:0 gegen Frankfurt, ein 2:1 gegen Paris, jetzt der unaufgeregte Pflichtsieg, der am Ende höher hätte ausfallen können: Die neue Dortmunder Stabilität sollte den Bayern, Leipzig und Gladbach als Warnung dienen - und sie hat viel mit Emre Can zu tun.

Sebastian Kehl, der Leiter der Profi-Abteilung, findet, "Körperlichkeit, Präsenz, Mentalität und Ansprache" des Winter-Zugangs täten der Borussia gut. Diese "Ansprache" war übrigens noch in einer weiteren, kaum beachteten Szene zu erleben: da tauchte im strömenden Regen plötzlich der sonst im Spiel eher schweigsame Lucien Favre am Spielfeldrand auf, als der Ball mal ruhte. Er redete mit einem Spieler, es war Emre Can.

© SZ vom 23.02.2020/ebc
Fußball Champions League Achtelfinale Borussia Dortmund - Paris Saint-Germain am 18.02.2020 im Signal Iduna Park in Dort; Haaland

Haaland und Can
:Zwei Mentalitätsbolzen

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Von Freddie Röckenhaus

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