Luca Reggiani stand mit einem seligen Lächeln auf dem Rasen des Dortmunder Stadions und machte mit seinem Smartphone Selfies, damit er diese Geschichte noch glauben durfte, wenn er am nächsten Morgen in seinem Bett aufwachte. Denn das Kopfballtor, das der 18 Jahre junge Italiener am Samstag in der 59. Minute zum 2:0-Endstand im Spiel gegen den FC Augsburg vor der 25 000-Zuschauer-Südtribüne erzielte, wirkte aus seiner Sicht wie ein Traum – war aber absolut real.
Zuletzt war alles rasant gegangen in der Karriere des 1,94 Meter großen Fußballers. Am 7. Februar hatte der in Modena geborene Innenverteidiger als Einwechselspieler sein Bundesliga-Debüt für Borussia Dortmund gegeben; am 17. Februar stand er beim Champions-League-Heimspiel gegen Atalanta Bergamo erstmals in der Startelf. Am Samstag gegen Augsburg war er nicht nur wieder Teil der Startformation, sondern köpfte nach einem Eckball von Julian Ryerson auch noch sein erstes Tor für Dortmund.

Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah:Nagelsmanns Yin-Yang-Abwehr
Die DFB-Verteidiger Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah zeigen beim Spitzenspiel ihre unterschiedlichen Temperamente. Während der eine stoisch alles abräumt, hat der andere gleich mehrfach Glück, dass er nicht vom Platz fliegt.
„Verrückt!“, sagte er hinterher auf Englisch im BVB-Youtube-Kanal: „Im Moment geht alles so schnell: das Debüt, die Champions League, jetzt das erste Tor.“ Er sei sehr stolz auf seine Leistungen und müsse jetzt aber weitermachen, weiter fleißig trainieren.
Kaum hatte Borussia Dortmund drei perspektivische Personalentscheidungen verkündet und zum kommenden Sommer die Trennung von den Mittelfeldspielern Julian Brandt und Salih Özcan sowie vom Innenverteidiger Niklas Süle vermeldet, eröffnet sich den Kaderplanern mit Reggiani eine seriöse Option in der Innenverteidigung.
„Luca hat es sehr gut gemacht, ohne Fehler“, lobt Mitspieler Waldemar Anton
Im Februar 2024 war er mit 16 Jahren aus dem Nachwuchs des Erstligisten Sassuolo in die Dortmunder B-Jugend gewechselt und wurde in jenem Sommer mit dem BVB gleich deutscher B-Jugend-Meister. Als die A-Jugend ein Jahr später im Viertelfinale gegen den FC Bayern ausschied, fehlte Reggiani wegen einer Knieverletzung, die ihn 2025 den ganzen Sommer außer Gefecht setzte. Im November 2025 aber holte er mit Italien Bronze bei der U17-WM in Katar. Dort ebenfalls im italienischen Team: der 17 Jahre junge BVB-Stürmer Samuele Inacio, der am Samstag auf der Bank saß und zu dem Reggiani nach seinem Tor gleich hinlief.
Gegen Augsburg spielte Reggiani rechts in der Dreierabwehrkette mit Waldemar Anton in der Mitte und Nico Schlotterbeck links. „Luca hat es sehr gut gemacht, ohne Fehler. Sein Tor ist das i-Tüpfelchen“, lobte Anton. Trainer Niko Kovac, 54, kann nachempfinden, wie sich ein solches Tor für einen so jungen Fußballer anfühlt. „Ein 18-Jähriger macht sein drittes Bundesligaspiel, schießt sein erstes Tor und freut sich dermaßen, dass er gar nicht weiß, wohin mit sich“, beschrieb Kovac die Ereignisse und schwelgte: „Seine ganzen Emotionen waren wunderschön.“
Sebastian Kehl wäre nicht Sportdirektor beim BVB, wenn er nicht bereits darüber nachdächte, wie er Reggiani langfristig binden kann. Der Vertrag läuft nur noch bis zum Sommer 2027. „Ich bin seit Wochen in Gesprächen und versuche, da vorwärtszukommen“, sagte Kehl am Samstag.
Ein junger Innenverteidiger wie Reggiani weckt mit seinem soliden Abwehrspiel und seiner nun auch dokumentierten Kopfballstärke Begehrlichkeiten bei anderen Klubs. Schon als Reggiani 2024 zum BVB wechselte, sollen sich mit Real Madrid und Juventus Turin sowie den Bundesliga-Konkurrenten Bayern München und Bayer Leverkusen auch andere um ihn bemüht haben. Das Interesse dürfte seither zugenommen haben.

