Fußball-Bundesliga Der nächste große Dämpfer im Augsburger Regen

BVB-Profi Paco Alcácer (links) mag nicht mehr hinsehen nach der Niederlage in Augsburg.

(Foto: dpa)
  • Tabellenführer Borussia Dortmund verliert beim FC Augsburg 1:2.
  • Mit einem Sieg in Gladbach könnte der FC Bayern nun mit dem BVB gleichziehen.
  • Der frühere Borusse Ji schießt für den FCA beide Tore.
Von Maik Rosner, Augsburg

Mitte der zweiten Halbzeit trat auch Lucien Favre mal wieder in den Augsburger Regen. Mit der über den Kopf gezogenen Kapuze gab der Trainer von Borussia Dortmund gerade ein paar kurze Anweisungen, um wieder mehr Struktur ins Spiel seiner Mannschaft zu bringen. Mitten hinein in seine Intervention leistete sich Achraf Hakimi einen Fehlpass genau in die Füße von Augsburgs Dong-won Ji. Favre sah, wie der Südkoreaner den BVB-Torwart Roman Bürki mit einem feinen Lupfer überwand. Dann verschwand der Schweizer Fußballlehrer wieder unter dem Dach seiner Bank.

Am Ende verlor der BVB 1:2 (0:1) beim abstiegsgefährdeten FC Augsburg, der von den vorherigen 14 Ligaspielen nur eines hatte gewinnen können. Nun glückte dank Leidenschaft und Jis Toren in der 24. und 68. Minute ein kleiner Befreiungsschlag. Der eingewechselte Paco Alcácer verkürzte zwar noch (81.), doch es blieb für den BVB beim nächsten großen Dämpfer für die Hoffnungen auf den Meistertitel. Mit einem Sieg bei Borussia Mönchengladbach an diesem Samstag würde der FC Bayern nach Punkten gleichziehen.

Bundesliga Ji trickst den BVB aus
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Ji trickst den BVB aus

Der Koreaner trifft beim 2:1-Sieg gegen Dortmund doppelt - und vitalisiert den FC Augsburg im Abstiegskampf - der Tabellenführer verzweifelt vor allem an FCA-Torwart Gregor Kobel.

Begonnen hatte das Spiel kurios. Direkt nach den Anstoß schlug Ji den Ball über den halben Platz bewusst nahe der Dortmunder Eckfahne ins Seitenaus, um dort in eine Pressing-Situation zu kommen. Doch die Gäste entzogen sich nicht nur in dieser Szene geschickt der Augsburger Idee, Ballgewinne und schnelle Torannäherungen zu provozieren, weil sie anfangs deutlich ballsicherer agierten und die heranstürmenden Gastgeber oft ins Leere laufen ließen. Hinzu kam, dass die Dortmunder auch ihrerseits darauf setzten, den Gegner früh zu stören.

Es waren durchaus ähnliche Grundkonzepte beider Mannschaften, allerdings mit völlig unterschiedlichen Spielanteilen. Und es war zunächst so, dass der BVB agierte, wie es sich Augsburgs Trainer Manuel Baum im Spiel gegen den Ball von seiner Mannschaft erhofft hatte. "Keine Zehntelsekunde Zeit" sollte der Gegner haben. Nun kam es erst mal umgekehrt.

Rasch näherte sich der Tabellenführer mehrfach dem Tor des FCA an. Wie durch Kapitän Marco Reus, der bei seiner Rückkehr nach dreieinhalb Wochen Verletzungspause bei der ersten größeren Chance an Torwart Gregor Kobel hängen blieb. Bald darauf zielte Innenverteidiger Manuel Akanji mit dem Kopf etwas zu ungenau. Das Einzige, was Favres Mannschaft in dieser Phase fehlte, waren etwas mehr Präzision und Zug zum Tor.

Umso überraschender lag der BVB kurz darauf zurück, als Dan-Axel Zagadou an der Außenlinie zu sorglos den Ball gegen André Hahn abschirmte, strauchelte und ansehen musste, wie Ji Hahns Hereingabe zum 1:0 für Augsburg ins Tor stocherte. Dabei hatte der FCA kurz zuvor noch einen weiteren personellen Verlust beklagt, als Linksverteidiger Konstantinos Stafylidis mit einer Blessur am Oberschenkel ausgewechselt wurde und sich in die ohnehin lange Verletztenliste einreihte.

Die Dortmunder versuchten es danach mit forcierter Offensive, vergaben aber beste Gelegenheiten. Kurz vor der Pause scheiterte erst Thomas Delaney, kurz darauf Jacob Bruun Larsen aus kurzer Distanz, Letzterer an Kobels starker Parade.

Es war nun eine Versuchsanordnung geworden, die den Augsburgern entgegenkam. Statt es wie zu Beginn mit frühem Anlaufen zu probieren, konnten sie die eigene Spielhälfte mit viel Engagement so sehr verdichten, dass sie den Dortmundern wie von Baum gewünscht kaum Zeit zum Kombinieren ließen. Hinzu kam der nasse und etwas holprige Rasen, der flüssige Kurzpassstafetten nur bedingt erlaubte. Mit jedem Ballgewinn rackerten sich die Augsburger noch ein bisschen besser in dieses Spiel hinein.

Am Ende war es nicht mehr das Spiel der feinfüßigen Gäste

Es war sogar so, dass sie das Geschehen zunehmend vom eigenen Tor fernhalten konnten und zuweilen auch ein paar entlastende Gegenangriffe vortrugen. Mit ihrer Körperlichkeit entnervten sie die Dortmunder erkennbar, bei denen der Ball nur noch selten über mehrere Stationen lief, von Chancen ganz zu schweigen. Es war nun überhaupt nicht mehr das Spiel der feinfüßigen Gäste, was sich auch an Reus erkennen ließ, den die Augsburger geschickt von seinen Kollegen abschnitten.

Erst nach dem 2:0 kam der BVB noch mal auf, verkürzte durch Alcácer und hatte weitere Chancen. Doch Kobel parierte mehrmals stark. Und Favre stand wieder vor seiner Bank. Später sagte er: "Heute hätten wir klar gewinnen müssen. Der Gegner hat praktisch keine Torchance." Augsburgs Kapitän Daniel Baier konterte das so: "Wir haben heute alles reingeworfen, aus ganz wenig ganz viel gemacht."

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