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Bundesliga: Borussia Dortmund:Staunen im Fußballland

Genervt von Mainz, gejagt vom FC Bayern, beinahe übertroffen von Schalke 04: Die Saison sollte eigentlich fürchterlich werden, aber bald schon rieb sich die Liga die Augen. Die famose Saison des Deutschen Meisters Borussia Dortmund.

Jürgen Schmieder

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Borussia Dortmund v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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Genervt von Mainz 05, gejagt vom FC Bayern, beinahe übertroffen von Schalke 04: Der neue Deutsche Meister Borussia Dortmund hat eine interessante Saison hinter sich.

Vor dem ersten Spieltag

Die Saison wird schrecklich werden für Borussia Dortmund. Das war den Fans spätestens klar, als der Verein die Zugänge präsentierte. Shinji Kagawa aus Japan, Robert Lewandowski aus Polen und Lukasz Piszczcek aus der zweiten Liga. Dazu ein paar Talente aus der eigenen Jugend wie Lasse Sobiech, Marco Stiepermann und Mario Götze. Was sollte da nach Platz fünf in der Vorsaison und die Belastung der Europa League passieren? Abstiegskampf, ganz klar! Deshalb schon mal ein Freundschaftsspiel gegen den Drittligisten Wacker Burghausen absolviert. 3:0 gewonnen - immerhin. Auch die Europa League wird erreicht. Gegner: Agdam Qarabaq.

Borussia Dortmund v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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1. Spieltag

Verloren! Zu Hause! Gegen Leverkusen! Platz 16 nach dem ersten Spiel! In der Startelf: eine 18-jähriger Jungspund, dem vom kicker für seine Leistung die Note 4,0 gegeben wurde. Von Mario Götze würde man nichts mehr hören, das ist klar. Noch schlechter: Lucas Barrios mit einer 5,0. Könnte eine schwierige Saison werden.

2. Spieltag

Gewonnen! Aber gegen wen? Gegen den Tabellenletzten VfB Stuttgart! Überraschend: Jürgen Klopp ließ tatsächlich Götze und Barrios spielen - beide schossen ein Tor. Bester Mann auf dem Platz: Shinji Kagawa, der für eine Ablösesumme 350.000 Euro von Cerezo Osaka gekommen ist. Bald wird die Mannschaft wieder verlieren, ganz sicher.

3. Spieltag

Schon wieder ein Sieg - was ist denn da los? Torschützen: Kagawa und Nuri Sahin. Ja, der Sahin. Wurde schon mal nach Rotterdam abgeschoben, weil er es in Dortmund nicht gepackt hatte. Spielte letztes Jahr ganz ordentlich. Na ja, mal sehen, was der in dieser Saison so taugt.

FC Schalke 04 -  Borussia Dortmund

Quelle: dpa

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4. Spieltag

Derby auf Schalke - und was passiert? Ein 3:1-Sieg! Schalke wurde nicht an die Wand gespielt, sondern an eine Klagemauer. Kagawa trifft zwei Mal, Lewandowski ein Mal und Götze legt einen Treffer auf. Sollten die Zugänge tatsächlich Verstärkungen sein? Wer bei Schalke 04 gewinnt, der kann auch Deutscher Meister werden. Oder?

5. Spieltag

Schon wieder gewonnen, diesmal gegen Kaiserslautern. 5:0! Und jetzt trifft plötzlich auch Barrios regelmäßig, Sahin schafft drei Vorlagen. Gott sei Dank bekommt den vierten Sieg in Folge kaum jemand mit, weil alle über Mainz sprechen, die alle fünf Spiele gewonnen haben.

6. Spieltag

Ja, schon klar: Wieder gewonnen - und wieder sprechen alle nur von Mainz, diesem sympathischen Dörfchen im Südwesten. In Dortmund spricht man lieber von Kagawa, der schon wieder getroffen hat. Und über Kevin Großkreutz. Der kam vor der vergangenen Saison aus Ahlen und fällt damit in die Kategorie "Transfers unter Jürgen Klopp" - genau wie Sven Bender (von 1860 München), Neven Subotic (von Mainz 05), Kevin Großkreutz (von Rot Weiß Ahlen) oder Lucas Barrios (von CSD Colo Colo).

1. FC Koeln - Borussia Dortmund

Quelle: dapd

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7. Spieltag

Langsam wird's langweilig! Schon wieder gewonnen. 2:0 gegen den FC Bayern. Aber irgendwie erwartbar, wenn Louis van Gaal nicht nur Edson Braafheid und Danijel Pranjic von Beginn an spielen lässt, sondern auch den Null-Tore-Gomez. Auch langweilig: die Torschützenliste - stehen irgendwie immer die gleichen Spieler drauf. Diesmal sind es Lucas Barrios und Nuri Sahin

8. Spieltag

Tabellenführung! Das nun gar nicht mehr sympathische Dörfchen Mainz hat verloren, weshalb nun Dortmund auf Platz eins rückt und zehn Punkte Vorsprung vor dem FC Bayern hat. Das Siegtor in Köln schoss übrigens: Sahin. Wer hat den damals nur aus Rotterdam zurückgeholt? Kurz überlegt: Trainer wurde bei der Rückkehr Sahins - ja, richtig: Jürgen Klopp. Sahin gelingt übrigens ein schöner Gag: Streitet sich erst mit Lukas Podolski, schießt dann ein Tor und rutscht dann elegant an Podolski vorbei.

9. Spieltag

Schock! Nur ein Unentschieden gegen Hoffenheim! Aber gut für die Moral: Den Ausgleich erzielte die Borussia in der 90. Spielminute. Torschütze war Antonio da Silva. Jajaja, schon klar: Auch den hat Jürgen Klopp verpflichtet, weil er ihn noch aus Mainz kannte.

Eintracht Frankfurt's Greek striker Theofanis Gekas celebrates his team's winning goal against Borussia Dortmund during their German first division Bundesliga soccer match in Frankfurt

Quelle: REUTERS

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Spieltage 10 - 16

Die Spieltage 10-16 werden ordnungsgemäß ausgetragen, was bedeutet: Borussia Dortmund gewinnt alle sieben Partien. Die erfolgreichsten Torschützen in dieser Zeit sind: Barrios (vier Treffer), Kagawa (vier) und Lewandowski (drei). Die besten Vorlagengeber sind der ehemalige Jugendspieler Götze (vier Assists) und Zugang Lukas Piszczek (drei). Dortmund ist Tabellenführer, weil jede andere Mannschaft irgendwann einmal verliert oder nur Unentschieden spielt. Komische Saison, das.

17. Spieltag

Ja, das gibt's wirklich: Dortmund kann noch verlieren - und zwar mit 0:1 bei Eintracht Frankfurt. Die Borussia ist dennoch Herbstmeister, hat zehn Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten Mainz 05 und liegt 14 Punkte vor dem FC Bayern. Uli Hoeneß sagt nicht, dass der Weihnachtsmann noch nie ein Osterhase gewesen sei. Es gibt auch - wie sonst eigentlich üblich - kein Angebot des FC Bayern für Nuri Sahin oder Lucas Barrios.

Borussia Dortmund's Grosskreutz celebrates a goal against Bayer Leverkusen during their soccer match in Leverkusen

Quelle: REUTERS

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18. Spieltag

Nun wird es langsam Zeit zu prüfen, ob das alles wirklich passiert oder nur ein schöner Traum ist, aus dem ein Fan von Borussia Dortmund nie mehr aufwachen möchte. Dortmund gewinnt gegen Verfolger Leverkusen mit 3:1 - gleichzeitig verliert Mainz 05, der FC Bayern spielt nur Unentschieden. Der erste Verfolger ist nun Hannover 96. Nein, das muss ein Traum sein!

Spieltage 19 - 22

Jetzt bricht Borussia Dortmund ein! Klar, das musste ja mal so kommen. Dortmund verliert zwar nicht, gewinnt aber auch nur eine von vier Partien. Dass Dortmund dabei vor allem Schalke spielerisch demontiert und nur deshalb nicht mit 8:0 gewinnt, weil Manuel Neuer die Partie seines Lebens absolviert, interessiert kaum jemanden. Dortmund wird nervös, ganz klar! Nur noch zehn Punkte Vorsprung vor Leverkusen und nur noch 13 auf den FC Bayern.

FC Bayern Muenchen - Borussia Dortmund

Quelle: dapd

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23. Spieltag

Jetzt beschwert sich der Barrios auch noch, dass ihn Jürgen Klopp hin und wieder auf die Bank setzt. Was macht Klopp? Stellt Barrios von Beginn an auf. Was macht Barrios? Trifft und bereitet ein Tor vor. Kleine Notiz am Rande: Beim Spiel gegen den FC St. Pauli stehen 14 Dortmunder auf dem Feld. Elf von ihnen kamen unter Jürgen Klopp zum Verein.

24. Spieltag

Das Duell um die Meisterschaft! Klar, der FC Bayern lag vor dem Spieltag 13 Punkte hinter Dortmund, dennoch war wohl jedem klar: Sollte die Borussia dieses Spiel verlieren, dann ist die Meisterschaft dahin. Was passiert? Dortmund erteilt dem FC Bayern eine taktische Lehrstunde, erzielt drei ansehnliche Tore (Barrios, Sahin, Hummels - zwei Vorlagen von Götze) und hat nun 16 Punkte Vorsprung auf den FC Bayern. Ob das reichen wird?

TSG 1899 Hoffenheim - Borussia Dortmund

Quelle: dapd

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25. Spieltag

Sieg gegen Köln, den einige Experten als "das verdienteste 1:0 aller Zeiten" bezeichnen.

26. Spieltag

Die TSG Hoffenheim schafft an diesem Spieltag Großartiges: Die Hoffenheimer sind die einzige Elf dieser Saison, gegen die Dortmund nicht gewinnen kann. Nach dem 1:1 im Hinspiel gibt es ein 1:0, Vedad Ibisevic erzielt den Siegtreffer. Nur Eintracht Frankfurt könnte am letzten Spieltag noch die Einzigartigkeit der Hoffenheimer Leistung verhinderm. Aber mal ehrlich jetzt: Frankfurt? Verhindern?

27. Spieltag

Jetzt wird es plötzlich eng: Nachdem etwa 103 Prozent aller Fußballexperten Borussia Dortmund schon zur Meisterschaft gratuliert hatten, beträgt der Vorsprung auf Leverkusen nur noch sieben Punkte. Zusätzlicher moralischer Knacks: Mainz erzielt den Ausgleich in der letzten Spielminute. Genau das ist an vielen anderen Spieltagen meist Borussia Dortmund gelungen.

Borussia Dortmund v Hannover 96 - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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28. Spieltag:

Wird Borussia Dortmund tatsächlich nervös? Es geht gegen den Verfolger Hannover 96. 57. Spielminute: Hannover geht mit 1:0 in Führung. Was wird passieren? 59. Minute: 1:1 (Götze auf Zuspiel von Großkreutz). 63. Minute: 2:1 (Barrios auf Zuspiel von Pisczcek). 74. Minute: 3:1 (Barrios auf Zuspiel von Götze). 83. Minute: 4:1 (Großkreutz auf Zuspiel von Barrios). Noch Fragen?

29. Spieltag

"Wir haben acht Punkte Vorsprung", blaffte Kevin Großkreutz einem Reporter entgegen, der tatsächlich noch Fragen hatte. Am Abend nach dem 1:1 in Hamburg - Dortmund stellte die alte Last-Minute-Ordnung wieder her und erzielte den Ausgleich in der 90. Minute - sind es jedoch nur noch fünf Punkte, weil Leverkusen schon wieder gewinnt. Nun beginnen die Spekulationen: Was, wenn Leverkusen beim FC Bayern gewinnt? Kann Dortmund dann am Abend auch Freiburg schlagen?

Borussia Dortmund v SC Freiburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

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30. Spieltag

Die Entscheidung im Kampf um die Meisterschaft? Leverkusen geht beim FC Bayern mit 1:5 unter. Jürgen Klopp nutzt "die siebeneinhalb Minuten" vor dem Spiel gegen Freiburg, um psychologisch tätig zu werden. Dortmund gewinnt lässig mit 3:0 gegen Freiburg. Die Frage lautet nun: Wann ist Dortmund die Meisterschaft auch theoretisch nicht mehr zu entreißen?

Ein blödes Detail: Schalke schafft unter der Woche den Einzug ins Halbfinale der Champions League und dominiert fast die Schlagzeilen. Kommentar von Kevin Großkreutz: "Ich hab' gehört, Inter Mailand hat nicht wirklich gut gespielt. Mehr weiß ich nicht!"

Borussia Dortmund - 1. FC Nuernberg

Quelle: dapd

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31. Spieltag:

0:1 gegen Mönchengladbach. Gegen den Tabellenletzten, der Vorsprung auf Leverkusen wieder auf fünf Punkte geschrumpft. "Monatelang musste ich bei den Leuten im Umfeld die Euphorie bremsen", sagt Trainer  Klopp, "und auf einmal muss ich den Leuten draußen sagen: Jetzt bleibt mal ruhig!"

32. Spieltag:

Die Ruhe war am 30. April um 17.18 Uhr dann endgültig dahin. Nach dem diesmal mehr erkämpften als erspielten 2:0 gegen Nürnberg brechen alle Dämme, weil Leverkusen in Köln unglücklich 0:2 verliert. Borussia Dortmund ist zum siebten Mal Deutscher Meister.

© sueddeutsche.de/hum/jbe
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