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BVB-Niederlage gegen Bayern:Immerhin halbwegs auf Augenhöhe

Borussia Dortmund - Bayern München

Kleiner Flirt unter Kollegen: Marco Reus (l.) begrüßt Manuel Neuer

(Foto: dpa)

Borussia Dortmund ist von den vielen Torchancen gegen den FC Bayern überrascht - Lucien Favre wirkt trotz Niederlage nicht allzu zerknirscht. Beim BVB lebt die Hoffnung auf einen engen Kampf um die Meisterschaft.

Von Ulrich Hartmann

Fünf Tore sind am Samstagabend im Bundesliga-Topspiel gefallen, und bei jedem dieser fünf Tore war zuletzt ein Dortmunder am Ball: erst Marco Reus, dann Thomas Meunier, dann Mats Hummels, dann Manuel Akanji und schließlich Erling Haaland. Dass die Dortmunder hinterher enttäuscht waren, lag daran, dass nur das erste Tor von Reus und das letzte von Haaland für Borussia Dortmund zählten.

Die Treffer zwei bis vier hingegen wurden David Alaba, Robert Lewandowski und Leroy Sané und damit dem FC Bayern München zugeschrieben. Meunier, Hummels und Akanji hatten deren Treffer abgefälscht. Unter anderem daraus zog Hummels die Berechtigung, den Münchner 3:2 (0:1)-Sieg ein bisschen glücklich zu nennen.

Etwas präziser formulierte Akanji als sein Nebenmann in der Innenverteidigung das größte Dortmunder Manko: "Drei Gegentore sind einfach zu viel." Kein einziges Gegentor in den ersten vier Pflichtheimspielen dieser Saison hatten die Dortmunder zuvor kassiert und addierte 7:21 Stunden am Stück waren sie in der Bundesliga ohne Gegentreffer gewesen, als Alaba mit dem von Meunier abgefälschten Freistoß in der vierten Minute der Nachspielzeit der ersten Halbzeit (1:1) die weiße Dortmunder Weste befleckte. Zwei weitere Treffer durch Lewandowski (1:2, 48.) und Sané (1:3, 80.) sorgten dafür, dass die beiden Tore durch Reus (1:0, 45.) und Haaland (2:3, 83.) nicht einmal für einen Punkt genügten.

Zu viele Gegentreffer oder zu wenige eigene Treffer? Darüber kann man natürlich herrlich streiten. Der Trainer Lucien Favre vertrat eher letztere Position. "Wir hatten sooo viele Torchancen, es war unglaublich", sagte er. 15 Mal und damit sogar ein Mal mehr als die Münchner schossen die Dortmunder Richtung Tor. Mit so vielen Gelegenheiten hatte Favre offenbar gar nicht gerechnet. Er attestierte seiner Mannschaft eine "gute Leistung" und wirkte nicht allzu zerknirscht darüber, dass sein BVB auch das vierte Pflichtspiel binnen zwölf Monaten gegen die Bayern verloren hatte und in der Bundesliga binnen sieben Duellen zum sechsten Mal. "Es war ein gutes Spiel für die Zuschauer am Fernseher", sagte er. Man hat noch nicht so oft gehört, dass Favre sich um die Zufriedenheit der Verbraucher sorgt.

Der BVB muss diesmal keine Mentalitätsdebatte fürchten

Die Verhältnisse zwischen den beiden großen Duellanten der neueren deutschen Fußballgeschichte bleiben trotz der bisweilen beschworenen Annäherung recht klar. Hätte wenigstens das erste zweier wegen Abseits aberkannter Lewandowski-Treffer gezählt - weil hier wirklich nur, wenn überhaupt, seine Kniespitze virtuell das Abseits touchierte - dann wäre dieser durchaus verdiente Münchner Sieg noch höher ausgefallen. Die Dortmunder aber zogen aus dem Spielverlauf die gleichwohl angemessene Erkenntnis, sich mit den Bayern wie schon beim 0:1 in der Bundesliga im Mai und beim 2:3 im Supercup im September halbwegs auf Augenhöhe zu bewegen. Es werde unterschätzt, sagte Hummels hinterher, wie viel in solchen Spitzenspielen Glück und Pech eine Rolle spielten. Die Münchner sind freilich auch Meister darin, das Glück zu erzwingen.

Weil die Dortmunder aber Leidenschaft und Körpersprache zeigten und damit jene Mindestvoraussetzungen erfüllten, die der BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eingefordert hatte, bleibt ihnen eine Mentalitätsdebatte diesmal erspart. Die Borussen haben sich gut verkauft, bloß die rechte Außenbahn mit Thomas Meunier hinten und Jadon Sancho vorne offenbarte Schwächen. Alle anderen Mannschaftsteile haben ihre Qualität durchaus angemessen demonstriert.

Und so lebt in Dortmund nach einem knappen Viertel der Saison die Hoffnung auf ein enges Rennen bis zum Saisonende. Das Achtelfinale in der Champions League steht ebenfalls in Aussicht. Damit hat der immer mal wieder umstrittene Favre die Pflichtaufgaben erfüllt, und es muss nicht heißen, dass sein zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Einen Paukenschlag freilich haben die Borussen im Topspiel wieder nicht hinbekommen. Und immer nur die Pflicht zu erfüllen, reißt auf Dauer auch niemanden vom Hocker.

© SZ.de/ska
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