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Arminia Bielefeld gegen Frankfurt:Ein Punkt gegen die Männer aus dem Fernsehen

Eintracht Frankfurt - Arminia Bielefeld

Der Bielefelder Neuzugang Mike van der Hoorn (v.r.n.l.), Amos Pieper und Torwart Stefan Ortega Moreno schlagen sich nach dem Spiel ab.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Mit der richtigen Mischung aus Mut und Demut erreicht Arminia Bielefeld ein 1:1 bei Eintracht Frankfurt - auch mit Hilfe eines kurzfristigen Zugangs.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Marcel Hartel war es vorbehalten, als Letzter den Ball zu berühren. Mit dem Schlusspfiff nach fünf Minuten Nachspielzeit setzte der Mittelfeldspieler von Arminia Bielefeld sofort zum Jubeln an: Fäuste geballt, Freudenschrei ausgestoßen. Danach ging er glückselig zu Fabian Klos, doch der Stürmer und Zweitliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison konnte wegen einer Fleischwunde am Fuß nicht sofort die Freude über den ersten Punktgewinn im Oberhaus teilen. Gleichwohl war der gesamten Bielefelder Delegation die Zufriedenheit nach dem 1:1 (0:0) bei Eintracht Frankfurt anzusehen. Hätte nach elfjähriger Bundesliga-Abstinenz ja auch schlechter losgehen können.

Linksverteidiger Anderson-Lenda Lucoqui berichtete hinterher vom Respekt vor großen Namen: "Die kennt man nur aus dem Fernsehen, wenn man sonst in der zweiten Liga gespielt hat." Am Ende hatte die tapfere Arminia ein Lehrbeispiel für einen Aufsteiger aufgegeben, der sich mit der richtigen Mischung aus Mut und Demut in eine Aufgabe verbeißt.

"Keine Frage, wer die reifere Mannschaft war. Aber wir haben mit guter Kompaktheit, Ordnung, Disziplin dagegen gehalten. Das ist uns einigermaßen gelungen", sagte Trainer Uwe Neuhaus. Nicht nur aus seiner Sicht war das Remis das höchst gerechte Resultat einer ansonsten eher durchschnittlich unterhaltsamen Bundesliga-Partie. Der Trainer, der einst für die SG Wattenscheid vier Jahre erstklassig kickte, hat 60 Jahre alt werden müssen, um von der Trainerbank ein Spiel in der Bundesliga zu coachen. Was denn anders gewesen sei? "Die Qualität der einzelnen Spieler. Das ist schon ein Klassenunterschied."

Im Frankfurter Stadtwald, wo fast jedem einzelnen der zugelassenen 6500 Besucher die Freude über die Stadion-Rückkehr im Gesicht abzulesen war, hatte Neuhaus eine Spielverderber-Taktik auserkoren, um eine bessere Figur als bei der Blamage im DFB-Pokalspiel bei Rot-Weiss Essen abzugeben (0:1). Nach diesem "sehr bescheidenen Auftritt" (Neuhaus) wollten die Ostwestfalen unbedingt präsenter, auch unangenehmer sein - und das glückte.

Die Eintracht erarbeitete sich im ersten Durchgang nur wenige Chancen, so dass der eine Halbzeit lang mit defensiven Aufgaben beschäftigte Neuling nach dem Wechsel wirklich mutiger wurde: Eine Kombination über vier Stationen mündete prompt in das erste Bielefelder Bundesligator nach 4137 Tagen: Nach einem Abschlag des starken Torwarts Stefan Ortega machte Mittelstürmer Klos den Ball fest, dann spielte der vom FC Augsburg geliehene Sergio Cordova einen Traumpass auf den Torschützen Cebio Soukou spielte (51.).

Bielefelds Aufsichtsratschef wünscht sich Gästefans

Neuhaus ärgerte sich anschließend über eine gewisse Naivität seiner Mannschaft, die die schlechte Frankfurter Raumaufteilung in der Rückwärtsbewegung in dieser Phase sogar noch besser hätte nutzten können: "Wenn der Pass von Fabian Klos ankommt, rennt Soukou noch mal alleine auf das Tor. Im Gegenzug bekommen wir das 1:1. Herzlich willkommen in der Bundesliga, das ist meistens so", sagte der Arminia-Trainer. André Silva traf (62.).

Kapitän Klos wollte sich nicht grämen: "Es war schon intensiv und alles noch einen Tick schneller. Es war sehr körperlich, sehr physisch, sehr athletisch, aber es hat Spaß gemacht." Einen guten Eindruck hinterließ vor allem der kurzfristig verpflichtete Innenverteidiger Mike van der Hoorn, der sich nach seinem ausgelaufenen Vertrag bei Swansea City nur individuell fit gehalten hatte, ehe Bielefeld beim 27-jährigen Niederländer anklopfte.

"Wir haben einen Punkt geholt, mit dem nicht jeder gerechnet hat", resümierte der Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Ostrowski. Man sei nach so vielen mageren Jahren einfach glücklich, sich wieder auf der Bundesliga-Bühne zeigen zu können. Er hätte es nur lieber gesehen, wenn auch 500 Gästefans dabei gewesen wären, um dieses Erlebnis auszukosten. "Genug Platz in einigen Blöcken wäre ja gewesen", meinte Ostrowski mit Blick auf die komplett verwaiste Nordwestkurve, weil Frankfurter Ultras auch von den neuen Rahmenbedingungen nichts halten. Die Arminia will fürs erste Heimspiel gegen den 1. FC Köln eine funktionierende Logistik schaffen, "dass bei uns nächsten Samstag knapp mehr als 5000 Zuschauer kommen können", sagte der Aufsichtsratschef.

© SZ

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