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Bundesliga:Bayern vermisst den Pep-Style

Dortmund, Leipzig und Hoffenheim unterwerfen sich der Religion einer Spielkultur. Die fehlt den Münchnern seit dem Weggang von Guardiola.

Pep Guardiola ist weg aus Deutschland, er ist nicht mehr da, er ist nach allem, was bekannt ist, immer noch zu Manchester City gewechselt - und man würde sich wünschen, dass allmählich auch die Zeit gekommen wäre, in der man auf diese lästigen Quervergleiche endlich verzichten könnte. Gut wäre, wenn man nicht mehr ständig diskutieren müsste, ob Guardiola die Bayern damals mit seiner fanatischen Art überhaupt erst auf dieses hohe Niveau hinaufgefuchtelt hat, oder ob die Bayern schon von selber gut waren und der Trainer halt ein paar wilde Handbewegungen dazu gemacht hat. Die alten Geschichten mit dem verflossenen Coach kann man aber erst ruhen lassen, wenn eine neue Geschichte hinzu gekommen ist - und die gibt es noch nicht.

Nach einem Drittel der Saison muss man sagen: In München haben sie den alten Pep-Style erfolgreich abgewickelt, nur leider haben sie ihn bisher durch keinen neuen Style ersetzt.

Ein schlimmer Verdacht: Sind die Spieler gar nicht alle Weltklasse?

Es sei denn natürlich, die neue Geschichte wäre diese: Der FC Bayern ist jetzt der Herausforderer eines Aufsteigers. Die Bayern als: Leipzig-Jäger.

Was den Münchnern zurzeit fehlt, begreift man besonders gut, wenn man sieht, was die anderen haben. In Leipzig sind sie besessen von der Idee eines zackigen Gegen-den-Ball-Fußballs, auf den junge, teure Spieler abgerichtet werden; in Dortmund bekennen sie sich zu einer modernen Flexibilität, in der die Dreierkette von heute schon die Raute von morgen ist; in Hoffenheim predigen sie eine Mischung aus beidem. Das alles ist sehr vereinfacht gesagt, und der Nutzen fürs praktische Leben ist - wie bei allen Religionen - durch nichts zu beweisen. Aber es ist alleine die Kraft des Glaubens, die diesen Klubs im Alltag Orientierung und Haltung verleiht. Sie wissen, wie sie spielen wollen, und ihre Trainer erklären ihnen, warum sie das wollen sollen. Woran die Bayern gerade glauben, ist dagegen schwer erkennbar.

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Das bayerische Glaubensbekenntnis erschöpft sich in einem recht herkömmlichen 4-3-3-System, in dem Trainer Ancelotti vor allem den Eingebungen seiner Künstler vertraut, von denen einige im Moment aber mit ihrer persönlichen Geschichte beschäftigt sind (Müdigkeit, Formverfall nach Verletzungspause ... ). Und das System fängt sie im Moment nicht auf, weil Organisation und Struktur nicht mehr so furchterregend präzise definiert sind wie noch unter Guardiola. Weshalb sich - ein letzter Quervergleich - einstweilen diese Frage aufdrängt: Braucht Bayern einen Ancelotti, der seine Weltklassespieler ein bisschen exakter und inspirierter beeinflusst? Oder, ein schlimmer Verdacht, sind diese Weltklassespieler vielleicht gar nicht alle Weltklasse, und man dachte unter Guardiola immer nur, dass sie das sind?

An Weihnachten wird man ein bisschen mehr wissen. Am 21. 12. empfangen die Bayern eine Glaubensgemeinschaft aus Leipzig, die sog. Rangnickianer.

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