bedeckt München 17°

Bundesliga:Bayern sucht die "Eigenmotivation"

Freude bei Robert Lewandowski FC Bayern Muenchen und Sandro Wagner Bayern Muenchen nach seinem T

Endlich zwei Stürmer im Kader - und beide treffen: Bayerns Lewandowski (l.) und Wagner.

(Foto: imago)
  • Der FC Bayern gewinnt trotz eines frühen 0:2-Rückstands noch 5:2 gegen die TSG Hoffenheim.
  • Die Frage, die nun auf die Spieler zukommt, lautet: Was fängt das Team noch mit dieser Bundesliga-Saison an?
  • Robert Lewandowski mahnt: "Wir haben in den letzten Jahren gesehen, wenn man samstags mit 80 Prozent spielt, dann kommt man in der Champions League nicht auf hundert Prozent."

Aus dem Stadion von Martin Schneider

Es ist immer schön, Menschen zuzuhören, wenn sie etwas Neues entdecken. Sandro Wagner zum Beispiel. Der ist erst seit diesem Winter beim FC Bayern, und als frisch angestellter Mitarbeiter fallen ihm Sachen auf, die für altgediente Bajuwaren so selbstverständlich sind, dass sie sie nicht mehr extra erwähnen. Wagner schilderte aber nach dem Spiel mit einer gewissen Verwunderung die Szene, als die Münchner nach zwölf Minuten das 0:2 kassiert hatten: "Ich sitze auf der Bank, gucke nach rechts, gucke nach links - da ist keiner nervös geworden. Das ist halt der FC Bayern. Die machen einfach weiter."

Wagner wurde in der 84. Minute eingewechselt, er hat dann auch noch ein Tor gemacht, indem er irgendwie mit dem Oberschenkel eine Rafinha-Flanke ins Tor bugsierte (Wagner: "Kann sein, dass das beste Stück auch dabei war."). Und natürlich passte es in diesen Bayern-Nachmittag, dass der eigens aus Hoffenheim gekaufte Joker-Stürmer dann auch noch sein Joker-Tor gegen Hoffenheim machte. Aber die größere Botschaft des Nachmittags war eben nicht das Tor, sondern die Beobachtung von Wagner. Der FC Bayern wird in der Bundesliga einfach nicht nervös. Und selbst wenn sie sich zwei Tore fangen - dann tippen sie halt ein bisschen aufs Gaspedal und schießen fünf.

Zack. Ende der kleinen Rebellion.

Niklas Süle, ein weiterer Ex-Hoffenheimer, machte die Tür zur Kabine nach dem 5:2 nach 0:2 ein bisschen auf. Er erzählte, was Jupp Heynckes und das Trainerteam ihnen gesagt hatten. Hoffenheims Trainer Julian Nagelsmann wollte immer die Zwischenräume bespielen lassen (die Räume zwischen Abwehr- und Mittelfeldkette), und sowohl die Stürmer als auch die Mittelfeld-Spieler seien immer wieder dort hinein gestoßen. Er wisse ja, "wie der Julian spielen lässt", sagte Süle. Beim Hoffenheimer 2:0 tauchte etwa Serge Gnabry genau in diesem Raum auf und schoss mittig ins Tor. Als man diesen Plan erkannte, habe man den Ballführenden mehr unter Druck gesetzt, so den Pass in die Zwischenräume erschwert und die Mitte selbst aggressiver dicht gemacht. Zack. Ende der kleinen Rebellion.

Man musste Hoffenheim allerdings lassen, dass sie eines der wenigen Teams sind, die in der Münchner Arena ernsthaft Fußball spielen wollten. In der Regel ermauern sich hier die Gegner ein 0:2 und sind damit glücklich. Nagelsmann probierte es mit Spielkultur - aber das brachte dann auch nichts, weil Hoffenheim Kingsley Coman weder vor dem 1:2 durch Robert Lewandowski noch bei seinem Tor zum 3:2 einfangen konnte (Pavel Kaderabek: "Er ist eine Rakete.") und die Münchner zwei Kopfballtore von Jérôme Boateng und Arturo Vidal nach Ecken erzielten (Nagelsmann: "Ganz billige Standardtore sollten es nicht sein, wenn du gegen Bayern was holen willst.").

Die Laune war also wieder mal prächtig beim FC Bayern, Thomas Müller sah bei seinen Interviews im Augenwinkel den Lupfer von Freiburgs Nils Petersen gegen Dortmund auf einem Fernseher und rief begeistert: "Ha, was für ein Tor!". Ehe er dann das große und gerade einzige Problem des FC Bayern beschrieb: Das Problem mit der Motivation, die Sache mit der Spannung, der Fluch des eigenen Erfolgs.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema