bedeckt München 28°

Augsburg gegen Bremen:"Das Ergebnis trifft uns hart"

Tor zum 1:0 durch Rani Khedira (FC Augsburg 08), GER, FC Augsburg vs. SV Werder Bremen, Fussball, Bundesliga, 33. Spielt

Rani Khedira trifft für Augsburg zum 1:0 und hält damit auch Bruder Sami in Berlin in der Liga.

(Foto: Sascha Walther/imago images/Eibner)

Der FCA schafft in einem ruppigen Spiel gegen Werder Bremen trotz langer Unterzahl den Klassenverbleib. Den Bremern droht nach der 0:2-Niederlage dagegen am letzten Spieltag der direkte Weg in die zweite Liga.

Von Maik Rosner, Augsburg

Einen großen Kreis bildeten die Augsburger hinterher im Mittelkreis und hielten sich dabei an den Schultern fest. Mal hüpften sie und johlten, mal lauschten sie den Worten von Trainer Markus Weinzierl, und zwischendurch bejubelten sie, wie das Trikot ihres verletzten Kollegen Felix Uduokhai hochgehalten wurde, den Zeugwart warfen sie auch noch in die Luft.

Viele fröhliche und gelöste Gesichter ließen sich am Samstagnachmittag beim FC Augsburg bestaunen nach der Rettung im Abstiegskampf am vorletzten Spieltag der Saison. Gegen den direkten Konkurrenten Werder Bremen hatte der FCA 2:0 (0:0) gewonnen, die Tore erzielten Rani Khedira (57.) und Daniel Caligiuri per Elfmeter (90.). Doch wichtig war aus Augsburger Sicht vor allem jenes übergeordnete Ergebnis, das auf den rasch übergestreiften T-Shirts stand: "11 Jahre erstklassig", war da zu lesen. Weinzierl sagte später über das gefühlte Endspiel der zehnten Augsburger Bundesligasaison: "Dieses erfolgreich gestaltet zu haben, ist eine riesige Erleichterung."

FC Augsburg - Werder Bremen

Die Spieler vom FC Augsburg jubeln über den Klassenerhalt und werfen ihren Zeugwart in die Luft.

(Foto: Matthias Balk/dpa)

Die Bremer dagegen müssen nach der Relegation am Ende der vergangenen Saison auch in dieser Spielzeit weiter für den Klassenerhalt kämpfen, und ihre Ausgangslage hat sich durch die Niederlage weiter eingetrübt. Auf Platz 16 sind sie abgerutscht, mit einem Punkt Rückstand auf Bielefeld und einem Punkt Vorsprung auf Köln. Zwischen direktem Abstieg, Relegation und direkter Rettung ist für sie also alles möglich am letzten Spieltag, wenn Borussia Mönchengladbach ins Weserstadion kommt. Doch zunächst gilt es, die ziemlich unnötige Niederlage zu verarbeiten nach einem Spiel, das Abstiegskampf in idealtypischer Ausprägung geboten hatte. "Das Ergebnis trifft uns hart", sagte Kohfeldt.

Begonnen hatte der Nachmittag mit einem Spalier von einigen hundert Fans, die den Augsburger Mannschaftsbus erwarteten. Auch während des Spiels machten sich die Anhänger vor dem Stadion mit Tröten und Sirenen bemerkbar, drinnen klapperte ein Ordner mit dem Deckel einer Mülltonne, auf den leeren Rängen hingen viele Spruchbänder zur Unterstützung.

So hört sich Abstiegskampf an: Viel Geschrei gab es in Augsburg, aber nur wenig Fußball

An Hektik mangelte es aber auch ohne Publikum nicht in der Arena, und vor allem zu Beginn wirkten viele Spieler beider Mannschaften so nervös, als stünden sie vor der entscheidenden Examensprüfung oder der Geburt des ersten Kindes. Heraus kam eine Anfangsphase, die nach Abstiegskampf aussah und sich auch so anhörte. Wie bei Bremens Angreifer Niclas Füllkrug, der den Ball freistehend vor Augsburgs Torwart Rafal Gikiewicz nicht richtig traf und sechs Meter am Tor vorbeischoss. Viele Fehlpässe und Zweikämpfe ließen sich danach beobachten, es gab ständig Diskussionen, eine Rudelbildung und viel Geschrei, aber sehr wenig Fußball.

Die sich entladende Anspannung führte bei Ruben Vargas dazu, dass er sich in einem Laufduell mit Theodor Gebre Selassie dazu hinreißen ließ, nach seinem Gegner zu treten. Er traf nicht, trotzdem wird schon der Versuch im Fußball mit einem Platzverweis sanktioniert - und so mussten die Augsburger von der 13. Minute an ohne Vargas auskommen. Es war fortan eine Versuchsanordnung, die sehr für Werder sprach. Kohfeldts Mannschaft trat in Überzahl auch entsprechend bestimmend auf und kam zu mehreren Großchancen, vor allem durch Josh Sargent. Zunächst wurde sein Versuch aus zehn Metern zur Ecke abgelenkt, kurz darauf verpasste er vier Meter vor dem Tor den Ball mit dem Kopf. Bald darauf wurde ein weiterer Schuss des US-Amerikaners geblockt, Ludwig Augustinsson setzte den Nachschuss aus zwölf Metern deutlich drüber. Und kurz vor der Halbzeitpause rutschte noch ein Abschluss von Sargent am Pfosten vorbei.

FC Augsburg v SV Werder Bremen - Bundesliga

Wieder droht die Relegation - oder Schlimmeres? Bremens Trainer Florian Kohfeldt hatte die Zuspitzung im Saisonfinale schon im vergangenem Jahr erleben müssen.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty)

Die Augsburger kamen in Unterzahl nur sporadisch vors Bremer Tor, und ihre einzige Großchance blieb bis zur Pause Marco Richters Schuss aus sehr spitzem Winkel.

Dass sie das Spiel nach der Pause deutlich ausgeglichener gestalten konnten, lag an jener Szene, die gleich wieder für viel Geschrei sorgte. Bremens Christian Groß traf Augsburgs Florian Niederlechner mit dem Fuß am Knie. Der Stürmer fiel und schrie, und weil sich das Foul direkt vor der Augsburger Bank ereignete, sprangen dort alle auf und schrien ebenfalls. Kohfeldt bezeichnete die folgende gelb-rote Karte gegen Groß wegen wiederholten Foulspiels (49.) als "saudumm". Beim FCA schrien sie kurz darauf schon wieder alle, diesmal aus Freude wegen Khediras 1:0. Aus dem Getümmel hatte er nach einem Eckball mit einem Linksschuss getroffen, vom Innenpfosten sprang der Ball ins Tor.

Es passte zu diesem engen Spiel und den entscheidenden Nuancen im Abstiegskampf, dass die Bremer den Ausgleich um wenige Zentimeter verpassten. Leonardo Bittencourts Distanzschuss klatschte gegen den Innenpfosten, der Ball flog zwischen Gikiewicz und der Torlinie hindurch sowie am zweiten Pfosten vorbei (72.). Es sollte Bremens letzte Großchance bleiben. Und als Caligiuri kurz vor dem Abpfiff den Elfmeter nach Milot Rashicas Foul an André Hahn verwandelte, begannen die Augsburger Freudentänze.

© SZ/grö/schm
Zur SZ-Startseite
Hertha BSC - 1. FC Köln

Hertha BSC
:Und nun ein Köfferchen mit Zigarren

Acht Spiele ohne Niederlage, aufatmen im Berliner Westend: Das 0:0 gegen den weiterhin abstiegsgefährdeten 1. FC Köln sichert Herthas Klassenverbleib. Darf Trainer Dardai weitermachen?

Von Javier Cáceres

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB