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Bundesliga:Die Liga verliert ihr Gleichgewicht

Public Viewing in der Mercedes-Benz-Arena

Feuern ihre Mannschaft in der kommenden Saison in der zweiten Liga an: die Fans des VfB Stuttgart.

(Foto: dpa)

Durch die Aufsteiger Paderborn und Union gewinnt die Bundesliga Frische und Wissen aus der Nische - die emotionale Bindekraft von Traditionsklubs wie Stuttgart und Hamburg wird ihr aber fehlen.

Die Stadt Stuttgart hatte schnell verstanden, was der Abstieg ihres VfB für sie bedeutete. Das 0:0 bei Union Berlin lag gerade einmal einen halben Arbeitstag zurück, da hatte das Büro von Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) bereits eine Mitteilung versendet. "Stuttgart und die ganze Region", ließ sich Kuhn zitieren, "brauchen einen erstklassigen Fußball-Verein". Der Abstieg sei "bitter", doch Kuhn versichert: "Die Stadt steht aber weiter zu ihrem VfB."

So wie es der Stadt Stuttgart geht, so dürfte es auch der Institution Bundesliga gehen, die sich als überparteiliche Instanz jedoch mit Solidaritätsgrüßen zurückhält. Die Liga gewinnt durch die Aufsteiger ja auch an Exotik dazu, neben dem traditionsreichen 1. FC Köln kommen zwei nahezu unverbrauchte Klubs, die aus der zweiten Liga die gefährlichste Offensive (Paderborn) sowie das Stadion mit der legendärsten Atmosphäre (Union) mit nach oben bringen. Die Liga hat von solchen Nischen immer profitiert, sie haben die Etablierten dazu gezwungen, sich auch mit deren Ansätzen auseinanderzusetzen - wohl wissend, dass es ihnen sonst gehen könnte wie den Klubs, die so lange an ihre Strahlkraft geglaubt haben, bis sie nur noch in der zweiten Liga schwächlich leuchteten. Klubs wie Paderborn und Union bereichern die Bundesliga also, allein schon, weil sie mit seriöser Arbeit die Sünden von Großklubs wie nun dem VfB bestraft haben.

Zugleich verliert die Bundesliga aber auch. Die zweite Liga bündelt in sich in der nächsten Saison so viel Tradition wie nie, zwei aus den ersten fünf der sogenannten ewigen Bundesliga-Rangliste (der HSV und der VfB) treten dann in ihr an, hinzu kommen Traditionsklubs wie Nürnberg, Hannover oder Aufsteiger Karlsruhe. Alle paar Spieltage wird in der zweiten Liga also ein Duell an die Bundesliga der Achtziger- und Neunzigerjahre erinnern. Verloren geht all das natürlich der Bundesliga. Ihr fehlt dadurch ein Gegenwicht zu den Bayern und Dortmund, die die vergangenen zehn Meistertitel untereinander verteilt haben. Fußball-Start-ups wie Leipzig oder Hoffenheim bringen zwar frische Denkanstöße und frisches Geld, ihnen fehlt aber (noch) die emotionale Bindekraft der Traditionsklubs. Gerade die Kaufmannsstadt Hamburg und die Automobilregion Stuttgart brauchen also einen erstklassigen Fußball-Verein, nicht nur für ihre jeweiligen Bürgermeister, sondern auch für ein Gleichgewicht der Kräfte in der Liga.

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