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Arminia Bielefeld:Ein Hinterteil verhindert das Denkmal

DSC Arminia Bielefeld v TSG Hoffenheim - Bundesliga

Erst jubelnd, dann untröstlich: Andreas Voglsammer überwindet Hoffenheims Torwart Pentke per Freistoß - und scheitert dann an dessen Allerwertesten.

(Foto: Pool/Getty)

Gegen Hoffenheim verpasst der Aufsteiger die Gelegenheit, sich von den direkten Abstiegsplätzen zu distanzieren. Angreifer Voglsammer wird dabei zur tragischen Figur.

Von Ulrich Hartmann, Bielefeld

Viel hat nicht gefehlt am Samstag um 16.37 Uhr - ein paar Zentimeter nur, dann hätte man Andreas Voglsammer vielleicht dereinst ein Denkmal gebaut am Teutoburger Wald. Dann wäre der gebürtige Rosenheimer neben Hermann, dem Cherusker, womöglich zum meterhohen ostwestfälischen Helden avanciert. Doch der Popo des Hoffenheimer Torwarts Philipp Pentke verhinderte, dass dieser 15. Mai 2021 zu einem der schönsten Tage in der Karriere des Fußballers Voglsammer wurde.

In der 49. Minute stand der 29-Jährige nach einer verunglückten Kopfball-Rückgabe des Hoffenheimers Kevin Akpoguma plötzlich ganz allein und mit viel Zeit vor Pentke. Er holte den Ball versiert mit der Brust herunter, drehte sich in aller Ruhe zum Schuss, wähnte weit und breit keinen störenden Gegenspieler um sich, holte aus - und schoss. Pentke drehte sich gen Boden in den Schuss und touchierte den Ball noch gerade eben derart mit dem Allerwertesten, dass er am Tor vorbeistrich.

Dieser Treffer hätte, das stellte sich eine Dreiviertelstunde später heraus, zum Sieg für Arminia Bielefeld gereicht und die Chancen auf den direkten Klassenverbleib dramatisch erhöht. Der Aufsteiger hätte im Abstiegskampf dann mindestens die Relegation sicher gehabt, und das auch nur, wenn am finalen Spieltag alles schief gegangen wäre. Doch weil der Hintern von Pentke im Weg stand, musste sich Bielefeld gegen die TSG Hoffenheim mit einem 1:1 (1:1)-Unentschieden begnügen. Für den finalen Spieltag am kommenden Samstag bedeutet das: Die Arminen können noch direkt absteigen. Auswärts beim VfB Stuttgart haben sie von allen drei Kandidaten (Bremen empfängt Gladbach, Köln spielt gegen Schlusslicht Schalke) mit die schwierigste Aufgabe.

Bielefeld, Schueco Arena, 15.05.21, GER, Herren, 1.Bundesliga, Saison 2020-2021, DSC Arminia Bielefeld - TSG 1899 Hoffen

Eskorte bis zum Stadion: Arminia-Anhänger empfangen den Mannschaftsbus vor dem Spiel.

(Foto: Ulrich Hufnagel/imago)

Dabei begann der Samstag für die Bielefelder ganz himmlisch, im Quarantäne-Hotel namens "Klosterpforte". Hier haben vor langer Zeit Zisterziensermönche gelebt, sie hatten damals aber längst nicht so luxuriös logiert wie die Fußballer heute in ihrem obligatorischen Quarantäne-Lager. Von dort aus wurde der Bielefelder Mannschaftsbus am frühen Nachmittag von einem Auto-Konvoi wohlgesonnener Arminen-Fans begleitet. Am Stadion angekommen, musste der Bus sich vorsichtig seinen Weg zwischen tanzenden Fans bahnen. Es waren ihre einzigen Gelegenheiten, den Spielern ihre Unterstützung anzuzeigen. "Das war überwältigend", sagte später der Bielefelder Trainer Frank Kramer.

Die Motivation schien sich auch direkt auszuzahlen, als Bielefelds japanischer Angreifer Ritsu Doan nach 16 Sekunden erstmals aufs Tor schoss - und als Doan nach vier Minuten Bielefelds erste Ecke trat. Doch ausgerechnet aus dieser Ecke wurde erst ein Hoffenheimer Konter und dann direkt das 0:1 durch den 19. Saisontreffer des TSG-Stürmers Andrej Kramaric (5. Minute). Zum 19. Mal in dieser Saison gerieten die Bielefelder mit 0:1 in Rückstand. Keines dieser 19 Spiele haben sie gewonnen. 17 davon haben sie verloren. Zum zweiten Mal nun retteten sie immerhin einen Punkt.

Bielefeld vergibt vier große Chancen zur Führung

Dass der Rosenheimer Voglsammer am Samstag zwar nicht zum Helden, aber immerhin auch keineswegs zum Buhmann wurde, liegt daran, dass er in der 23. Minute einen fabelhaften 20-Meter-Freistoß zum 1:1 in den Winkel des Hoffenheimer Tores zirkelte. Es war erst das sechste Standardtor für die Arminen und erst ihr achter Treffer in einer ersten Halbzeit.

Nach der Pause vergaben die Gastgeber insgesamt vier große Gelegenheiten zum Siegtreffer: Voglsammer in der 49. Minute, Fabian Klos per Fuß in der 57. und per Kopf in der 64. sowie Cebio Soukou volley in der 91. Minute. "Eine dieser Chancen hätten wir nutzen müssen", klagte hinterher der Torwart Stefan Ortega, der in der 75. Minute mit einem Reflex nach einem Kramaric-Kopfball wenigstens das Remis gerettet hatte. "Wir hätten gewinnen müssen", schimpfte Ortega, "und das wäre dann auch die halbe Miete gewesen."

So droht den Arminen weiterhin der achte Bundesliga-Abstieg. Rekordhalter ist der 1. FC Nürnberg mit neun. Der einst auch im Fränkischen tätige Trainer Kramer klang in der Pressekonferenz nach dem Spiel weiter (zweck)optimistisch. "Wir haben uns mit diesem Teilerfolg immerhin über den Strich gearbeitet", sagte er über Bielefelds nun 15. Tabellenplatz. "Und jetzt kommt es zum großen Showdown." Die katastrophale Chancenverwertung wollte er nicht beklagen, sondern lobte lieber, wie seine Mannschaft aufgetreten sei und dass sie sich überhaupt so viele gute Möglichkeiten erspielt habe.

Andreas Voglsammer war da nach seiner vergebenen Riesenchance ein bisschen schwieriger zu trösten. "Wir hätten gewinnen müssen, weil ich dieses Tor hätte machen müssen", sagte er. "Ich ärgere mich darüber am allermeisten." Ein Spiel bekommt er noch, um vielleicht doch noch denkwürdiges zu leisten.

© SZ/Grö/tbr
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