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Bielefelds Ritsu Doan:Einfach ein famoser Dribbler

Arminia Bielefeld - VfB Stuttgart

Einer narrt alle: Ritsu Doan (am Ball) war Bielefelds Bester beim 3:0 gegen den VfB Stuttgart.

(Foto: Friso Gentsch/dpa)

Arminia Bielefelds Ritsu Doan ragt aus dem immer selbstbewussteren Team heraus. Im Falle des Klassenerhalts könnte der Aufsteiger den Japaner für eine Rekordablöse kaufen.

Von Ulrich Hartmann

Über seinen besten Stürmer sagt Arminia Bielefelds Trainer Uwe Neuhaus: "Er kann Eins-zu-Eins-Situationen gut auflösen." Mit Mathematik hat das nichts zu tun, der kleine Japaner Ritsuo Doan ist einfach ein famoser Dribbler. Zum überraschend souveränen 3:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart steuerte der 22-Jährige ein Tor, eine Vorlage und zahlreiche gut aufgelöste Eins-zu-Eins-Situationen bei. Der mit einer Kaufoption von PSV Eindhoven ausgeliehene Flügelstürmer wird mit nunmehr drei Toren und drei Vorlagen ein immer wichtigerer Faktor im Bielefelder Kampf um den Klassenerhalt. Dieser Klassenerhalt wäre wiederum die Voraussetzung dafür, um den Leasingspieler Doan im Sommer für etwa 5,5 Millionen Euro fest zu verpflichten. Ein Anschlussvertrag ist für diesen Fall bereits ausgehandelt.

Für die Arminia wäre Doan also kein billiges Vergnügen, sogar ein historischer Rekordtransfer. Mit geschätzten 25 Millionen Euro Gesamtetat steht der Klub am Ende der Bundesliga-Finanztabelle, doch Doan könnte ein Vielfaches seines Kaufpreises an Wert schaffen. Bielefeld würde ihn zwar nicht zum Zwecke der direkten Weiterveräußerung kaufen, sondern in der kommenden Saison dann unbedingt behalten. Mittelfristig aber könnte der noch junge Spieler relevante Gewinne abwerfen - ein Grund mehr also, hartnäckig am Nicht-Abstieg zu arbeiten.

Ob er jetzt sogar den Blick nach oben in der Tabelle wage, wurde Neuhaus nach dem Sieg gegen Stuttgart gefragt. Drei Tore in einem Spiel hatte Bielefeld in dieser Saison noch nie geschossen, der Haupttrumpf war und ist, in den jüngsten fünf Partien ein einziges Gegentor zugelassen zu haben. Die Arminia, der Bundesligist mit den wenigsten eigenen Torschüssen (im Schnitt 8,5 pro Spiel), hat sich zur laufstärksten Mannschaft hinter Union Berlin gemausert und weist bessere Zweikampfwerte auf als Bayern, Leverkusen oder Gladbach. Als Tabellen-15. hat man sich mit zuletzt zehn Punkten aus fünf Spielen bereits just jene zehn Punkte Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze erarbeitet - eine fabelhafte Entwicklung. Also: Geht der Blick nach oben? "Ja", antwortete Neuhaus grinsend, "auf Platz 14!" Dort steht punktgleich Hertha BSC.

Das Erfolgsrezept ist, dem alten Erfolgsrezept untreu geworden zu sein.

Ab dem dritten Spieltag gab es sieben Niederlagen nacheinander, danach war Bielefeld Vorletzter. Neuhaus hatte nach dem Aufstieg zunächst probiert, seiner Elf auch in der Bundesliga ein eigenes Spiel und den Versuch einer relativen Dominanz zu verordnen. Man wollte sich und dem Erfolgsrezept aus der zweiten Liga treu bleiben. Doch die Arminen haben bald gemerkt, dass dazu im Oberhaus ihre Qualität nicht reicht. Also veränderte der Trainer die Herangehensweise: etwas weniger Ballbesitz, kompaktere Defensive, intensivere Zweikämpfe, aggressiver auf "zweite Bälle" gehen, schnellere Vorstöße. Dadurch stellten sich erste Erfolge ein, und die steigerten das Selbstvertrauen. "Wir waren in der Anfangsphase der Saison mit unserem Defensiv-Verhalten nicht zufrieden", sagt Kapitän und Mittelstürmer Fabian Klos, "das hat uns ein paar sehr anstrengende Trainingstage gekostet - danach lief es besser."

Fels in der Brandung ist hinten U21-Nationalspieler Amos Pieper, 23, der als Innenverteidiger mal neben dem Niederländer Mike van der Hoorn, mal neben dem Schweden Joakim Nilsson sehr stabil agiert - und bei Borussia Dortmund die Frage aufwerfen könnte, warum man ihn 2019 aus der zweiten Mannschaft weggegeben hatte. Torwart Stefan Ortega, 28, vor drei Jahren von 1860 München gekommen, weist mit 70 Paraden den Ligabestwert auf (Manuel Neuer: 48) und parierte gegen Stuttgart einen Schuss von Sasa Kalajdzic aus kürzester Distanz derart artistisch mit der Hacke, dass sein Kollege Klos die Aktion kopfschüttelnd als "unmenschlich" bezeichnete. Ortega wird nun als Kandidat fürs Handball-Nationalteam gehandelt.

Offensiv werden außer Doan auch Reinhold Yabo und die Stürmer Klos und Sergio Cordova (vormals Augsburg) immer selbstbewusster. Klos erzielte wie Doan sein drittes Saisontor, hinzu kam ein Eigentor des Stuttgarters Marc Oliver Kempf zum 2:0 gegen einen VfB, der seinerseits eine Vielzahl guter Chancen ausließ. Bielefeld bemüht sich kurzfristig um Mittelfeldspieler Sebastian Vasiliadis vom SC Paderborn, ein Königstransfer aber wäre die avisierte Festanstellung von Doan. Diese vertragliche Eins-zu-Eins-Situation muss Sportdirektor Samir Arabi lösen. Er hat sich im komplexen Transfergeschäft schon mehrfach als famoser Dribbler erwiesen.

© SZ/mok/ska
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