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Bundesliga-Abstiegskampf:Werder will noch einmal Werder sein

Werder Bremen v Bayer Leverkusen - Bundesliga

Auch seine Tore sind wichtig am Samstag: Bremens Claudio Pizarro.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Einst war Werder Bremen ein kleiner grüner Stachel im Fleisch der Bayern. Nun steht der Verein im Abstiegsfinale. Wie konnte es dazu kommen?

Wieder einmal ging es um alles. Drei der letzten vier Spiele hatten die Fußballer von Werder Bremen verloren, acht Stammspieler fielen aus, der neunte verletzte sich nach sechs Minuten auf dem Platz. Er hieß Clemens Fritz. Der Gegner schien übermächtig, das Vorhaben aussichtslos - aber dann geschah das, was schon so oft in diesem kleinen, gallischen Dorf an der Weser passiert war. "In solchen Spielen rückt unsere Mannschaft zusammen, und wir haben uns aufgebäumt", sagte der Manager. Und der Abwehrchef stellte fest: "Wir verkraften alle Hiobsbotschaften." Werder hatte 3:2 gewonnen, die Hoffnung lebte weiter.

Gut acht Jahre ist das her. Der Manager, der diesen teambildenden Trotz seiner Mannschaft lobte, hieß Klaus Allofs, der Abwehrspieler, den nichts umwerfen konnte, Per Mertesacker. Unter den verletzten Stammspielern waren Diego, Torsten Frings, Naldo, Tim Wiese, Hugo Almeida und Tim Borowski, dessen Wechsel zum FC Bayern sich gerade anbahnte. Der Gegner, den Werder besiegt und sich so noch eine Chance auf die K.-o.-Runde der Champions League bewahrt hatte, war Real Madrid, mit van Nistelrooy und Raúl. Half ihnen nichts. Werder 3, Real 2.

Werder Bremen war zu jener Zeit der größte Kleine im deutschen Fußball. Wenn der frühere Manager Willi Lemke, Allofs' Vorgänger, auf der finanziellen Unterlegenheit seines Klubs herumritt wie Rumpelstilzchen auf dem Haufen Stroh, bevor der zu Gold wurde, stieg dem Bayern-Manager Uli Hoeneß die Zornesröte ins Gesicht. Als ob Geld in Bremen keine Rolle spiele; als ob dort oben im Norden die Profis mit Heringen bezahlt würden.

Werders Erfolgsgeschichte ist frisch, jung und lang

Was um Himmels willen ist nur passiert, dass das 1764. Bundesligaspiel von Werder an diesem Samstag zum Finale um den Klassenerhalt geworden ist? Dass, wenn sich alles gegen die Bremer verschwört, ihnen der direkte Abstieg droht? Dass nur ein Sieg gegen Frankfurt zwei unkalkulierbare Relegationsspiele gegen den 1. FC Nürnberg verhindern kann?

Tatsächlich war Werder bereits groß, als es durchaus schon ums Geld ging im Fußball. Der 1899 gegründete Sportverein gehört nicht zu jenen Traditionsklubs, deren letzter Titelgewinn 33 Jahre her ist wie beim HSV, deren letzte Meisterschaft fast 60 Jahre zurückliegt wie bei Schalke 04 oder der mal deutscher Rekordmeister war zu Zeiten des Mittelwelle-Radios wie der 1. FC Nürnberg. Auch der VfB Stuttgart, noch ein an Geschichte reicher Verein, der mit den Bremern und Frankfurtern nun gegen den Abstieg kämpft, gewann zuletzt 2007 eine Trophäe.

Werders Erfolgsgeschichte ist dagegen vergleichsweise frisch, jung und lang. In sechs von sieben Spielzeiten ab 2004 qualifizierte sich der Klub für die Champions League, zuletzt spielte er dort noch in der Saison 2010/11. Er gewann 2009 den DFB-Pokal, stand im selben Jahr im Endspiel um den Uefa-Cup und ein Jahr später, in einem letzten Aufflackern vergehender Größe, noch einmal im Berliner Cup-Endspiel.