Bundesliga-Abstiegskampf:Heiserkeit im roten Bereich

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Arminia Bielefeld - VfL Bochum

Einiges gewagt und sogleich gewonnen: Die Personalrochaden von Bielefelds Trainer Frank Kramer führten zum ersten Heimsieg dieser Saison.

(Foto: Guido Kirchner/dpa)

Mutig wie noch nie: Bielefelds Trainer Frank Kramer setzt erstmals auf eine junge Offensive und wird mit einem 2:0-Sieg gegen Bochum belohnt. Die Arminia hofft jetzt auf eine Aufholjagd.

Von Ulrich Hartmann, Bielefeld/München

Bei Frank Kramer brauchte man diesmal nicht zu interpretieren, welche Wörter wohl in welchem Kontext zu welchem Zweck gesagt wurden. Es gibt nicht viel hineinzudeuten in die Emotionalität eines Fußballtrainers, der kaum noch ein Wort herausbringt. Man hörte ihn nach dem Spiel krächzen, man spürte, dass ihn jedes Wort im Halse schmerzt, man ahnte, wie ausdauernd er im Laufe des Spiels geschrien haben musste. Beim 2:0-Erfolg gegen den VfL Bochum hat sich das immerhin gelohnt. Arminia Bielefeld bleibt zwar Vorletzter in der Tabelle, schöpft nach dem ersten Heimsieg in dieser Saison aber neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt. "Niemand braucht Mitleid zu haben!", sagte der 49-Jährige lächelnd nach dem Spiel am Dienstagabend und meinte womöglich zweierlei: die Situation seiner Mannschaft und die seiner ramponierten Stimme.

Mit Heiserkeit im roten Bereich klang Kramers Satz "Wir sind noch am Leben" umso dramatischer. Seit dem 20. April, seit jenem 1:0-Sieg, mit dem die Bielefelder den FC Schalke 04 Ende der vergangenen Saison in die zweite Liga schickten, hatten sie kein Bundesliga-Heimspiel mehr gewonnen. In dieser Saison wurden die leiderprobten Fans Zeuge von fünf Unentschieden und drei Niederlagen, ehe am Dienstagabend der Japaner Masaya Okugawa per Kopf in der 51. Minute und der Österreicher Patrick Wimmer per Fuß in der 69. Minute für neue Zuversicht in Ostwestfalen sorgten.

"Ruhiger wird's jetzt aber net", prophezeit Trainer Kramer

Es war nach dem 1:0-Sieg in Stuttgart vor fünfeinhalb Wochen erst der zweite Saisonsieg, und zum zweiten Mal gewann die Arminia ausgerechnet nach einer Vorbereitung, in der der Sportdirektor Samir Arabi die öffentlichen Zweifel am Trainer Kramer explizit auszulöschen versucht hatte. Er schwor ihm neuerlich Treue, aber weil solche Aussagen in der Branche mitunter auch als taktisches Manöver wahrgenommen werden, war der Sieg gegen Bochum für Kramer trotzdem vorteilhaft.

Als gewinnbringend hat sich für den Trainer und seinen Sportchef dabei das Manöver erwiesen, in der Offensivabteilung anstatt auf den 34 Jahre alten Fabian Klos mal auf die jungen Florian Krüger, 22, und Janni Serra, 23, zu setzen. Diesen Mut hatte Kramer zuvor kaum aufgebracht. Doch diesmal funktionierte es. Und der 20-jährige Österreicher Patrick Wimmer bereitete das erste Tor vor und erzielte das zweite selbst.

Nun rechnet man sich bei der Arminia sogar etwas in Leipzig aus

"Wir müssen immer an der Kante spielen", krächzte Kramer und meinte damit durchaus nicht die tabellarische Position am Abgrund, sondern die 100-prozentige Leidenschaft, an der es drei Tage zuvor beim 0:2 bei Hertha BSC noch gemangelt hatte. "Ruhiger", prognostizierte der aus dem Fränkischen stammende Arminia-Trainer, "wird's jetzt aber net."

Der Sieg, pflichtete ihm sein Matchwinner Wimmer bei, dürfe allenfalls als Anfang einer Aufholjagd betrachtet werden. "Den Anschluss könnten wir schon mit einem Sieg am Samstag in Leipzig schaffen", sagte der im Sommer von Austria Wien ins schöne Bielefeld gewechselte Flügelstürmer und wunderte sich selbst gar nicht über seinen Optimismus. Allein daran war zu erkennen, welche Gefühle ein Heimsieg nach so langer Zeit auslöst.

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