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Bundesliga: Abstiegskampf:Gesucht: Hoffnungsträger!

In Gladbach verlassen sie sich auf den jungen Torwart Marc-André ter Stegen, in Wolfsburg auf Stürmer Mario Mandzukic. Und in Frankfurt? Da muss der alte Zausel Ioannis Amanatidis herhalten.

Die meisten 18-Jährigen laufen nachher an den Kameras vorbei. Entweder wollen sie selbst nichts sagen, oder ihr Verein will das nicht. Ein Achtzehnjähriger, man weiß ja nie. Als der Torwart Marc-André ter Stegen unlängst nach dem 1:0-Sieg in Hannover vom Platz lief, sah er das Kamerateam vor sich, er erschrak nicht, steuerte direkt darauf zu. Dann stellte er sich hin, sah dem Frager forsch ins Auge und sagte: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Gladbach in die zweite Liga geht." Warum auch? Mönchengladbach war ja nur die ganze Zeit abgeschlagen Letzter.

Hannover 96 - Borussia Mönchengladbach 0:1

Gladbachs Rückhalt im Abstiegskampf: Torwart Marc-André ter Stegen.

(Foto: dpa)

Am vorvergangenen Samstag wirkte Marc-André ter Stegen wirklich nicht wie ein Achtzehnjähriger. Vielleicht lag das daran, dass er an diesem Tag 19 wurde, vielleicht daran, dass er niemals ein Achtzehnjähriger war. "Der Bursche ist so reif, das ist unglaublich", sagt DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der die Karriere des deutschen U19-Torwarts seit langem verfolgt.

Noch unglaublicher ist, dass nicht nur die Teenager der U19 auf ter Stegens Kommando hören, sondern auch abgebrühte Veteranen. "Für uns Abwehrspieler ist wichtig, dass ein Torwart hinten was weghaut, und das macht er", sagt Martin Stranzl, 30, Gladbachs Innenverteidiger. "Er ist ein Torwart mit großer Zukunft, er gibt uns Ruhe", sagt Filip Daems, 32, Gladbachs Linksverteidiger.

Im Fußball gibt es eine Qualität, die man nicht sehen kann. Ter Stegen, obwohl gerade erst 19 geworden, ist auf eine ermutigende Weise anwesend. Er sendet Signale. Er strahlt etwas aus.

Zu den Qualitäten, die Borussia Mönchengladbach im Abstiegskampf in Anrechnung bringen kann, zählt natürlich das Spiel des Flügelartisten Marco Reus, das ebenso auffällig ist wie die Arbeit des neuen Trainers Lucien Favre. Den kann man auch nicht übersehen, er turnt am Rasenrand herum und zeigt die Spielzüge an wie beim American Football. Aber die verheißungsvollste Qualität ist die von Marc-André ter Stegen. Sie ist neu, es gab sie vorher nicht im Gladbacher Spiel.

Bis dahin hatten sie bei der Borussia immer nur die Wahl zwischen der exzentrischen Torwart-Karikatur Logan Bailly und dem braven Mittelmaß von Christopher Heimeroth. Mitte April hat Favre den Teenager ins Tor gestellt, seitdem blicken die Borussen stolz auf eine Defensivbilanz, mit der zuletzt nur Dortmund mithalten konnte: acht Gegentore in elf Spielen.

"Marc-André und die Abwehr stabilisieren sich gegenseitig", sagt Gladbachs Manager Max Eberl. "Der Bursche hat sich schnell Respekt erarbeitet, wenn Abwehrspieler merken, hoppla, der kann was, dann lassen sie sich auch was sagen." Ter Stegen sieht nicht nur aus wie der Großneffe von Oliver Kahn. Er kann auch so brüllen.

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