Ab in die Köpfe!
Daniel Thioune gilt als empathischer Fußballtrainer, aber nach seinem Bundesligadebüt wies er darauf hin, dass von ihm „nicht nur Empathie“ zu erwarten sei. Der 51-Jährige, seit Mittwoch Nachfolger des empathischen, allerdings entlassenen Horst Steffen beim SV Werder, erlebte beim 0:1 in Freiburg keinen besonders schönen Einstand. Zum elften Mal hintereinander gelang den Bremern kein Sieg, zum siebten Mal dabei kein Tor. Die Harmlosigkeit kam besonders pointiert zur Geltung, weil Werder nach einer roten Karte für Freiburg von der 52. Minute an in Überzahl spielte.
Thioune sieht seine Aufgabe nun darin, „in die Köpfe zu kommen“ und „eine Idee mit den Jungs zu entwickeln, dass sie wieder dahin kommen, wo sie mal waren“. Das muss eine gute Idee werden. Das Bremer Sturmproblem ist lange bekannt, die Möglichkeiten des Kaders sind eher begrenzt. Kapitän Marco Friedl sagte bei Sky, der Relegationsrang, auf den Werder abrutschte, sei der Platz, „wo wir leider, so hart es klingt, hingehören“.
Ein Härtest im wahrsten Sinne des Wortes

Der FC St. Pauli nimmt in den Expertengesprächen über diese Bundesligasaison eine undankbare Rolle ein. Die Hamburger werden oft für ihren anspruchsvollen Fußball-Ansatz gelobt, für ein gepflegtes Aufbauspiel etwa, aber der Ertrag ist gering. Sehr gering. Vor dem 21. Spieltag hatte niemand weniger Tore geschossen als der Tabellen-Vorletzte, sieben Pflichtspiele hintereinander gelang kein Sieg.
Der überraschende 2:1-Erfolg gegen den VfB Stuttgart, ebenfalls für hochwertigen Fußball bekannt und zudem im Formhoch, zeigte nun: St. Pauli kann auch kämpfen. Trainer Alexander Blessin hob besonders die Leistung von Kapitän Jackson Irvine hervor, der wegen akuten Personalmangels und trotz Schmerzens durchspielte. „Es war eines der härtesten Spiele meiner Karriere“, sagte Irvine, und: „Das sollte ein Wendepunkt sein.“ Zu einem Nicht-Abstiegsplatz sind es für St. Pauli nur zwei Punkte. Und die wenigsten Tore hat vorerst der 1. FC Heidenheim geschossen.
Kontaktsuche im Keller

Staffel 9, Folge 21 der unbeliebten Serie „Ärger über den VAR“ spielte beim 2:0 des FSV Mainz 05, inzwischen 14. der Bundesliga, gegen den FC Augsburg, jetzt auf Rang 13. Den ersten von zwei Strafstößen für Mainz, die jeweils Nadiem Amiri verwandelte, erklärte Schiedsrichter Patrick Ittrich damit, gesehen zu haben, „dass der Spieler Bell ganz klar den Ball spielt und der Spieler Rexhbecaj voll durchzieht und es zu einem klaren Kontakt am Fuß kommt“. Er habe gar einen Knall gehört, sagte Ittrich. Nach Ansicht der Bilder, die diesen Kontakt nicht zeigen, kam er dann zu dem Schluss: „Ist eher dünn.“
Allerdings sah er die Bilder erst nach dem Spiel; und vom VAR bekam er nicht die Empfehlung, sich die Szene noch mal anzusehen, was den Augsburger Trainer Manuel Baum aufregte: „Im Videokeller wurde ein Kontakt gesucht, aber nicht gefunden. Da wäre es das Mindeste gewesen, dass der Schiedsrichter rausgeschickt wird, um sich das selbst anzuschauen“, sagte Baum: „Man sieht in keinem Bild eine Berührung, da bewegt sich nicht einmal ein Stutzen.“ Aber weil der Feld-Schiedsrichter der starke Mann bleiben soll und ihm eine klare Fehlentscheidung nicht nachzuweisen war, blieb seine Feld-Fehlentscheidung bestehen. Alles klar?
Nicht mal ein Hoffnungs-Schimmer

Der Stürmer Stefan Schimmer hat in Heidenheim den Spitznamen „Bomber“, das ist liebevoll und keineswegs ironisch gemeint. Der 31-Jährige ist ein Fußballer, wie ihn jeder Fan von seinem Bezirkssportplatz kennt, ein kompakter, kurz entschlossener Typ, bei dem man nie genau sagen kann, ob es sich bei ihm um einen Fußballer oder einfach nur um einen Torjäger handelt. So haben sie auch nicht mal beim 1. FC Heidenheim gedacht, dass ihr Bomber wirklich zum Erstligastürmer taugt. In den zwei Heidenheimer Erstligajahren spielte er kaum eine bis keine Rolle, manchmal kam er von der Bank, manchmal war er nicht mal im Kader.
Dass aus dem Bomber inzwischen Heidenheims größter Hoffnungs-Schimmer auf den Klassenverbleib geworden ist, beweist zweierlei: Dass Schimmers Fähigkeiten deutlich erstligatauglicher sind als gedacht – aber auch, dass Heidenheims Kader nach zwei Jahren mit prominenten Spielerverlusten (Kleindienst, Beste, Wanner, Scienza) offenbar weniger erstligatauglich ist als erhofft. Was sich auch beim 0:2 gegen den Hamburger SV zeigte, gegen einen Konkurrenten, der es sich leisten kann, hochwertige Spieler vom FC Arsenal auszuleihen (Vieira, Lokonga) und einen alten Heidenheimer Helden unbenutzt auf der Bank herumsitzen zu lassen (Glatzel). Sechs Punkte ist der Tabellenletzte aus Heidenheim jetzt schon von den rettenden Plätzen entfernt, und wer ein Gespür für schlechte Omen hat, mag die Szene aus der 82. Spielminute vielleicht so deuten. Da gelang dem Bomber der Anschlusstreffer zum 1:2. Aber dann: Abseits.
Wölfi watet im Sumpf

Julian Brandt hat mal „Wölfis“ verkauft. Wer sich fragt, was „Wölfis“ sind, wird von der Antwort nicht sonderlich überrascht sein: Wölfi heißt das Maskottchen des VfL Wolfsburg. Wer sich überdies fragt, was ein Dortmunder Offensivmann mit dem Wolfsburger Maskottchen zu tun hat, dem sei ein Blick in dessen Vita empfohlen. Brandt kickte in der Jugend des Werksklubs – und in seinem damaligen Nebenjob im Fanshop, so erzählte er es nach dem 2:1-Sieg des BVB beim VfL, habe er eben Plüsch-„Wölfis“ feilgeboten.
Die Wolfsburger haben (mal wieder) allen Grund, sich zu fragen, wer sie sind und wo sie hinwollen. Die einzige Konstante der vergangenen Jahre: „Wölfi“. Er hat Spieler und Trainer kommen und gehen sehen; Niederlagen türmten sich zu enttäuschenden Saisons auf; währenddessen wurden zig Millionen Euro verbrannt. Der Wolf im Wolfspelz hat dennoch vor halb leeren Tribünen versucht, gute Stimmung zu verbreiten. Leichter wird sein Job in den nächsten Monaten jedenfalls nicht. Allerspätestens seit der Niederlage gegen Dortmund steckt der VfL knietief im Abstiegskampf, Platz 15 in der Tabelle, punktgleich mit Bremen auf Relegationsrang 16. Was Hoffnung macht? Der Auftritt gegen den BVB war ordentlich. Aber die Saison wird wohl unerfreulich enden, wenn nicht einmal ein seltener ordentlicher Auftritt noch zum Punktgewinn führt.

