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Bundesliga-Abstiegskampf:Einen Punkt stibitzt

Football: Bundesliga - day 29: Mainz 05 v Hertha Berlin

Schönheitspreise wurden am Montag in Mainz nicht verteilt: Stefan Bell (links) legt den Berliner Jhon Cordoba.

(Foto: KAI PFAFFENBACH/AFP)

Im ersten Liga-Spiel nach 14-tägiger Quarantäne erkämpft sich die abstiegsgefährdete Berliner Hertha ein 1:1 beim zuletzt formstarken FSV Mainz 05.

Von Frank Hellmann, Mainz

Normalerweise ist Pal Dardai kein Anhänger davon, seine Fußballer nach Schlusspfiff in einem großen Kreis zu versammeln, um noch auf dem Fußballplatz den Zusammenhalt zu betonen. Nun aber war dem Trainer von Hertha BSC im Anschluss an das verdiente 1:1 (1:1) im Nachholspiel beim FSV Mainz 05 diese Geste außerordentlich wichtig. "Ich habe die Spieler nochmal zusammengeholt, ich mache das sonst nicht. Ich habe sie gelobt", sagte Dardai. Nach dessen aufmunternden Worten folgte noch eine feurige Ansprache des Sportdirektors Arne Friedrichs.

Berlins Berufsfußballer und ihr Begleittross halten auch nach zweiwöchiger Isolationshaft zusammen - das sollte als Schlussbild aus der Mainzer Arena am Europakreisel am Montagabend haften bleiben. Zwei Wochen hatten die Herthaner wegen zu vieler Corona-Fälle auf behördliche Anordnung in Quarantäne verbracht, mussten auf Yoga-Matten in der eigenen Wohnung statt auf dem Rasen am Olympiastadion üben, Pedale von Fitnessrädern statt Fußbälle treten. Der tadellose Torhüter Alexander Schwolow erzählte noch, dass er auf seinem Balkon sogar versucht habe, irgendwie das Gefühl für den Ball zu bewahren - vielleicht war der Keeper nicht zufällig bester Berliner.

Schon am Donnerstag geht es für die Hertha weiter - daheim gegen Freiburg

"Nach einigen Anlaufschwierigkeiten war das ein hart erarbeiteter Punkt", befand Dardai, "ich bin stolz auf meine Jungs." Für den Ungar steht fest, "dass sich auf diesem Spiel aufbauen lässt". Noch immer liegt die Hertha auf dem vorletzten Rang, aber das soll bitteschön nur die berühmte Momentaufnahme sein. Die Punkteteilung nach der Führung durch Lucas Tousart (36.) und einem Mainzer Traumtor von Phillipp Mwene (40.) entsprach am Ende den Kräfteverhältnissen, auch wenn Mainz zu Beginn klare Chancen hatte.

"Es hat sich gezeigt, dass nicht alles rund läuft, aber dass wir als Team fighten", urteilte Weltmeister Sami Khedira. In enger Taktung folgen nun für die Hertha die nächsten Herausforderungen. Im Heimspiel gegen den SC Freiburg (Donnerstag 18.30 Uhr) und dann am Sonntag erneut daheim, gegen Arminia Bielefeld (Sonntag 18 Uhr), ist die Vier-Punkte-Vorgabe von Dardai für den ersten Dreierblock umzusetzen.

Mainz hat zu Beginn einige klare Chancen - aber in Führung geht die Hertha

Auch den Mainzern hilft der eine Zähler; da die letzten drei Gegner aber Eintracht Frankfurt, Borussia Dortmund und VfL Wolfsburg heißen, ließ Trainer Bo Svensson trotz des achten ungeschlagenen Spiels keine Selbstzufriedenheit aufkommen: "Wir müssen uns gegen diese Topgegner besser präsentieren." Dem Dänen hatte speziell die Vorstellung in Halbzeit zwei nicht gefallen: "Wir haben zu viel quer und zu verhalten gespielt."

In der Anfangsphase liefen die Berliner noch Ball und Gegner hinterher, denn vor allem der Fünferkette fehlte jegliche Praxiserfahrung. Jean-Paul Boetius verpasste zuerst aus Nahdistanz (8.), traf dann nur die Latte (9.). Spätestens als Mittelstürmer Adam Szalai freistehend an Schwolow scheiterte (20.), ahnte Svensson, dass sich dieser Chancenwucher rächen könnte.

FSV Mainz 05 - Hertha BSC

Toreschießen kann ganz schön weh tun: Herthas Lucas Tousart wird nach seinem Führungstreffer von Berliner Kollegen umsorgt.

(Foto: Torsten Silz/dpa)

So kam es auch: Als der Berliner Trainer-Sohn Marton Dardai einen Freistoß mit viel Schnitt ins Zentrum zirkelte, bugsierte Tousart den Ball entschlossen über die Linie. Mwene antwortete allerdings prompt mit einem feinen Schlenzer zum 1:1 unhaltbar in den Winkel.

Nach der Pause nahm sich die muntere Partie eine kurze Auszeit, ehe vor allem die Hausherren wieder auf ein Tor drängten. Doch der aufmerksame Schwolow ließ sich von weder von Jeremiah St. Juste (60.) noch Karim Onisiwo (62.) überlisten. Auf der Gegenseite zwang der mitunter zu Schauspieleinlagen im Neymar-Stil neigende Matheus Cunha den Mainzer Schlussmann Robin Zentner zu einer Flugshow (65.). Spektakulärer war, wie der eingewechselte Krzysztof Piatek eine sagenhafte Möglichkeit aus Nahdistanz verstolperte (82.). Der polnische Torjäger war der einzige Gästeakteur, der mit Schlusspfiff enttäuscht in die Knie sackte - und lange über die Slapstick-Szene grübelte. Dardai glaubt allerdings, dass der Fauxpas des polnischen Torjägers schon bald in Vergessenheit gerät. "Das hat einmal nicht geklappt. Er muss deswegen nicht traurig sein."

© SZ
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