Stamm-Kader
Mitunter ist schon angemerkt worden, dass der schöne Spruch „Elf Freunde müsst ihr sein“ vor allem dort deplatziert sei, wo Martin Kind (allein) regiert. Ohne zu tief in die Interna des Zweitligisten Hannover 96 einzusteigen, lässt sich nun aber hinzufügen, dass an diesem Standort gerade eine zweite alte Weisheit abgewickelt wird, diesmal aber auf eine Art, die den Anhängern dieses Traditionsklubs gefallen dürfte. Seit Christian Titz die Elf trainiert, gibt es in Hannover auch keine elf Stammspieler mehr. „Wir definieren uns nicht über elf Stammspieler. Wir können andere Spieler mit anderen Elementen reinbringen“, sagte Titz nach dem 2:1-Sieg seiner Elf in Magdeburg. Diesmal waren es der Japaner Yokota und der Finne Källmann, die nach ihrer Einwechslung das Spiel veränderten – und die schon am nächsten Spieltag wieder von Anfang an auflaufen könnten, wenn Hannover als imposanter Tabellenführer (vier Spiele, vier Siege) Hertha BSC empfängt. Christof Kneer
Preis-Leistung

Auf dem Transfermarkt wurde zuletzt viel zu viel über sogenannte Marktwerte diskutiert. So hieß es zum Beispiel, dass der Spieler Woltemade soundsoviele Millionen niemals wert sein könne, weil er ja erst ein Dreivierteljahr auf hohem Niveau performe (Argument 1). Gleichzeitig im Umlauf war die Theorie, wonach Woltemade all die Summen eben doch wert sei, weil er einen sehr langen Vertrag ohne Ausstiegsklausel besitze (Argument 2). Argument 3 zielte darauf ab, dass man heute nicht mehr in vergangene Meriten, sondern in Zukunftsfantasien investiere, weshalb Woltemade noch viel teurer sein dürfe. All diese Widersprüche werden wunderbar wurscht, wenn man auf Ritsu Doan schaut. Der aus Freiburg geholte Japaner hat bei Frankfurts 3:1-Sieg in Hoffenheim erneut geglänzt (zwei Tore, ein Assist) und mit einer Ablösesumme von etwa 20 Millionen Anspruch auf den Titel „bester Preis-Leistungs-Spielers der Welt“. Christof Kneer
Zebra-Hirsch

Die MSV-Legende Bernard Dietz, 77, hat aus Verzweiflung über die Unwägbarkeit des Duisburger Fußballs einst behauptet: „Das Zebra ist ein Wildpferd – das kann man nicht trainieren.“ Nach vier Spieltagen der neuen Drittliga-Saison erweisen sich diese Zebras (wegen ihrer Streifentrikots) aber sehr wohl als gut zu bändigen. Beim 3:2 in Verl drehten sie nun in den letzten neun Minuten ein 0:2 um, nachdem beim vorherigen 2:1 gegen Ulm ihr Siegtor in der Nachspielzeit gefallen war. Dompteur der fröhlichen Herde ist Trainer Dietmar Hirsch, 53, aus Viersen, der in der Vorsaison engagiert worden war, um den erstmals in die vierte Liga abgestürzten MSV aus der Regionalliga wieder hochzuholen. Das ist ihm gelungen, und nun auch ein Rekordstart in Liga drei. Mit vier Siegen in vier Spielen (das gelang einem Aufsteiger noch nie), mit Platz eins, elf Treffern und sieben Jokertoren beweist Hirsch, dass sich Duisburgs Zebras eben doch trainieren lassen. Ulrich Hartmann

