1. FC KölnEl Mala übertrifft Poldis Premieren-Rekord

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Er trifft nun auch vom Elfmeterpunkt: Kölns Saïd El Mala bringt sein Team gegen Bremen mit dem 1:0 auf Kurs.
Er trifft nun auch vom Elfmeterpunkt: Kölns Saïd El Mala bringt sein Team gegen Bremen mit dem 1:0 auf Kurs. Dean Mouhtaropoulos/Getty Images
  • Der 1. FC Köln gewinnt gegen Werder Bremen 3:1 und beendet damit eine mehr als zweimonatige Sieglos-Serie in der Bundesliga.
  • Said El Mala verwandelt seinen ersten Elfmeter der Karriere zum 1:0 und übertrifft mit elf Saisontoren Podolskis Debütrekord von zehn Treffern.
  • El Mala deutet einen möglichen Wechsel in die Premier League an und führt vertrauliche Gespräche mit Sportchef Kessler über seine Zukunft.
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Der 1. FC Köln gewinnt gegen Bremen nach mehr als zwei Monaten wieder ein Bundesligaspiel. Saïd El Mala wird im Abstiegskampf zum wichtigen Trumpf – könnte den Klub aber in Kürze verlassen.

Von Philipp Selldorf, Köln

Sicherlich hat Lukas Podolski nach dem Auswärtsspiel mit dem 1. FC Köln bei Rot-Weiß Oberhausen vor mehr als 20 Jahren einen Kommentar darüber abgegeben, dass er soeben den ersten Elfmeter seiner Profikarriere verwandelt hatte. Aber leider liegen über die Aussage keine überlieferten Angaben vor. Vermutlich war es etwas Ähnliches wie „Ich mach’ das Ding rein und fertig“, doch historisch gesichert ist das nicht.

Ein Segen, dass hier nun im Wortlaut festgehalten werden kann, was Saïd El Mala am frühen Sonntagabend über den ersten erfolgreich abgeschlossenen Elfmeter in seinem Fußballerleben erzählt hat, und das Frappierende ist, dass die Anwesenden meinen durften, außer dem 19-jährigen El Mala auch dem 19-jährigen Podolski zuzuhören: „Ich hab’ den Kuba gefragt, Kuba wollte nicht schießen, ich hab’ mich gut gefühlt, den Ball hingelegt und geschossen.“ So prägnant und präzise schilderte der Schütze sein Tor zum 1:0 gegen Werder Bremen – Grundlage des Kölner 3:1-Erfolgs –, als ob er beim stets ökonomisch formulierenden Redner Podolski in die Lehre gegangen wäre. Dessen Motto für Gespräche mit den Berichterstattern stellt ein Statement gegen die Geschwätzigkeit der heutigen Medienwelt dar: „Ich gebe euch kurze Antworten, dann müsst ihr nicht so viel schreiben.“

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Saïd El Mala hätte abendfüllend schwadronieren können über sich und seinen Elfmeter, den er dank Coolness und scharf platziertem Schuss zum Erfolg führte. Bei Viktoria Köln in der dritten Liga, auf seiner ersten Station im Profifußball, hatte er noch keinen Elfmeter schießen dürfen, jetzt überließen ihm die Kollegen den Ball. Einschließlich des potenziell favorisierten Kandidaten Jakob „Kuba“ Kaminski. Das Szenario erleichterte die Aufgabe nicht: Zwar hatten die Kölner zuletzt viele respektable Spiele abgeliefert, immer wieder Rückstände aufgeholt wie neulich gegen Borussia Mönchengladbach (3:3) und Eintracht Frankfurt (2:2), aber seit Ende Januar hatten sie halt auch nicht mehr gewonnen. Die Partie gegen den SV Werder war, zumal in Erwartung der nächsten Auswärtsfahrt, die nach St. Pauli führt, eine Art Endspiel im Abstiegskampf. Ja, sagte El Mala, er habe „auch Druck“ gespürt, „aber ich hatte auch Bock, dann habe ich ihn mir einfach genommen“, den Ball.

„Was passiert, kann ich nicht sagen. Aber ich habe noch fünf Spiele zu gehen, und da gebe ich alles.“

Mit dem 1:0 hat Saïd El Mala seinen Vorfahren Lukas Podolski übertroffen: Er hat jetzt elf Tore in seiner Debütsaison geschossen, Podolski gelangen 2003/2004 zehn Treffer. Die zwei verbindet auch, dass sie beide als Spieler des 1. FC Köln zur deutschen Nationalmannschaft berufen wurden, was in diesem Jahrhundert beim ehrwürdigen Geißbockklub selten genug vorkam (die große Ausnahme: Jonas Hector). Doch während Podolski immerhin drei Jahre im Kölner Dienst blieb, ehe er die Karriere beim FC Bayern auf höheres Niveau zu transferieren versuchte, mehren sich bei El Mala die Zeichen, die auf einen schnellen Abschied deuten.

Die Rufe aus der englischen Premier League werden offenbar lauter. Der FC besitzt zwar durch einen Vertrag bis 2030, der keine Ausstiegsoptionen enthält, eine gewisse Kontrolle, aber die Kräfte des Transfermarkts ziehen und zerren. Vor allem, weil der talentierte Angreifer und die ihn managenden Eltern sich nicht dagegen wehren möchten. Beim übertragenden Sender Dazn berichtete der Spieler von „vertraulichen Gesprächen“ mit Sportchef Thomas Kessler, man sei „offen und ehrlich zueinander“. Später erklärte er: „Was passiert, kann ich nicht sagen. Aber ich habe noch fünf Spiele zu gehen, und da gebe ich alles.“ Five games to go – wie immer er das gemeint hat.

Ob El Mala schon reif ist für den Inselfußball und eine Liga, die ausländischen Talenten nicht viel Zeit zur Lehre lässt? Tja. Aber er hat auch in dieser Saison schon sichtbar dazugelernt. „Said ist jemand, der jeden Tag besser werden will, das wissen, glaube ich, nicht viele über ihn“, hat Ragnar Ache gerade dem Kicker über seinen Sturmpartner gesagt.

Der Kölner Trainer René Wagner, Nachfolger des vor drei Wochen entlassenen Lukas Kwasniok, hat sich – das gehört zu seinen markanten Entscheidungen – auf das Sturmduo El Mala und Ache festgelegt. In der vergangenen Woche hatte El Mala wegen einer leichten Verletzung nicht trainieren können, doch Wagner hat ihn trotzdem aufgestellt, und er hat recht behalten. Die beiden Angreifer passen zueinander, weil sie so verschieden sind, der eine als Individualist mit seinen Dribblings und seinen Soli, der andere als Mannschaftsspieler, der die Bälle empfängt, behauptet, weiterleitet. Zumal da es nicht viele Bundesligaspieler gibt, die Ragnar Ache im Kopfballduell besiegen. „Die spektakulären Dinge … überlasse ich lieber Saïd und Jakub Kaminski“, sagte er: „Wenn ich auf sie ablegen kann oder den Gegner ablaufe, habe ich meinen Job gemacht.“ Bei sieben Treffern in einer für ihn mühsam begonnenen Saison ist das eine ehrenwerte, aber allzu bescheidene Sicht. Ache hat sich wie El Mala längst unentbehrlich gemacht beim Aufsteiger.

Doch es scheint, als ob der Klub seinem Mittelstürmer einen neuen Nebenmann beschaffen müsste. El Mala wird dann immerhin einen Eintrag in der Vereinschronik hinterlassen, und das weiß er auch selbst zu schätzen: „Die Rekorde vom Poldi sind schon was Besonderes“, sagte er. Aber dass er nun selbst den Tor-Rekord aufgestellt habe, „das bestätigt einfach meine Leistung“.

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