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Bundesliga:Drei Infektionen als Fortschritt

1.FC Köln Training mittlere Reihe von links: Frank Aehlig, Horst Heldt, Alexander Wehrle (alle 1.FC Köln) auf dem Weg z

Training im Ausnahmezustand: Beim 1. FC Köln (Mitte: Manager Horst Heldt, rechts: Finanzchef Alexander Wehrle) gibt es drei Corona-Infizierte.

(Foto: Herbert Bucco/imago)

Nach den positiven Tests beim 1. FC Köln sieht Medizinkommissions-Leiter Tim Meyer keinen Rückschlag für die Startpläne der Bundesliga. Im Gegenteil: Die Fälle, heißt es, würden die Wirksamkeit des Konzepts belegen.

Als Arzt der deutschen Nationalmannschaft hat es Tim Meyer auf 254 Länderspiele gebracht, nur zwei Einsätze hat er im Laufe von 19 Jahren wegen Kongressverpflichtungen verpasst. Seine Karriere als Fußballer beim ASC Nienburg endete hingegen in der Verbandsliga: Er sei zwar "sehr ambitioniert, technisch und konditionell gut" gewesen, "aber ohne die notwendige Härte", wie er vor ein paar Wochen der Frankfurter Rundschau erzählte.

Im Porträt des 52 Jahre alten Leiters der Bundesliga-Medizinkommission erhob ihn die Zeitung zum derzeit "wahrscheinlich wichtigsten Mann im deutschen Fußball" - eine Vorhersage, die am Wochenende bestätigt wurde. Zumindest war Meyer, Sportarzt und Sportwissenschaftler an der Universität Saarbrücken, der gefragteste Mann im deutschen Fußball. Die DFL entsandte ihn in die Medienöffentlichkeit, um in der hocherregten Stimmung ihrer Sache eine Stimme der Vernunft zu geben.

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Das Wochenende begann ja am Freitagabend mit einer Mitteilung des 1. FC Köln über die Ergebnisse der Covid-19-Tests, die am Donnerstag an der Lizenzspielermannschaft sowie dem Trainer- und Betreuerstab vorgenommen worden waren. Die Untersuchung durch das Kölner Labor Wisplinghoff - einen der fünf DFL-Vertragspartner für Testanalysen - brachte drei positive Resultate hervor, berührt sind zwei Spieler und ein Physiotherapeut. Namen wollte der Klub mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Betroffenen nicht nennen, alle drei seien "symptomfrei". Die lokalen Medien, und nicht nur die, werteten den Vorgang zunächst als schweren Rückschlag für den Plan des Profifußballs, in einigen Wochen hinter geschlossenen Türen die Saison zu Ende zu bringen.

Meyer, der mit seiner Expertenkommission das Sicherheitskonzept für die Fortsetzung des Spielbetriebs verantwortet, vertritt die gegenteilige Auffassung, wie er in mehreren Interviews erläuterte. Er sieht keinen Rückschlag, sondern sogar einen Fortschritt für das umkämpfte Projekt - eine Art Praxisbewährung. Dass die erste Testrunde, die am Donnerstag und Freitag in den 36 Vereinen der ersten und zweiten Liga stattfand, Corona-Fälle ans Licht bringen werde, damit habe man gerechnet, schon aus statistischen Gründen. Es handele sich um "eine Widerspiegelung der Verhältnisse in Deutschland".

Meyer sprach von insgesamt 1500 bis 2000 Tests in den Vereinen: "Wir haben einige positive Testfälle erwartet", sagte der Professor, daraus ergäben sich jedoch "keinerlei negative Auswirkungen auf die Bewertung des Konzeptes: Wir wollten betroffene Personen finden, um sie auszuschließen. Das ist in Köln geschehen". Damit sei ein erstes Teilziel auf dem Weg zum Spielbetrieb erreicht, zumal das örtliche Gesundheitsamt nur für die drei Betroffenen eine 14-tägige Quarantäne anordnete. Das Kölner Training darf ab Montag mit Erlaubnis der Behörde fortgesetzt werden.

Die Ergebnisse aus den übrigen Klubs lagen der Liga und der Medizinkommission am Sonntag noch nicht vollständig vor. Verschiedene Klubs (Eintracht Frankfurt, Bayer Leverkusen, Werder Bremen, Union Berlin, Hertha BSC, Schalke, Hannover) meldeten, bei ihnen habe es keine positiven Tests gegeben. Beim VfB Stuttgart blieb eine der Proben ohne eindeutigen Ausgang: "Bei einer getesteten Person liegt ein unklarer Befund vor. Es gibt aber keinen spezifischen COV-2-Virus-Nachweis", teilte der VfB dem sid mit: "Der Betroffene, der keine Symptome aufweist, ist prophylaktisch in häuslicher Quarantäne, weitere Tests werden folgen." Die zweite Testrunde im Profifußball soll zu Wochenbeginn starten.

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