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Borussia Dortmund im DFB-Pokalfinale:Der Retter-Typ ist wieder gefragt

Fußball: Saison 2020/2021, Trainingslager von Borussia Dortmund am 14.08.2020 in Bad Ragaz (Schweiz). Torwart Roman Bürk; Roman Hitz

Landsleute und Konkurrenten: Dortmunds Schweizer Torhüter Roman Bürki (links) und Marwin Hitz, der das Pokal-Finale verletzt verpasst.

(Foto: Inderlied/Kirchner-Media/Imago)

Vor dem Pokal-Finale bekommt Roman Bürki seinen Platz im Dortmunder Tor auf die gleiche Weise zurück, auf die er ihn verloren hat: wegen einer Verletzung.

Von Freddie Röckenhaus, Dortmund

In Dortmund macht schon seit einiger Zeit ein Aspekt die Runde, wenn es um den Fußball-Torwart Roman Bürki geht: Mag sein, dass er nicht der beste Torwart ist, aber mit seiner Lebensgefährtin Marlen Valderrama-Alvarez erhöht er als schönes Paar den Glamour-Faktor der ansonsten eher beschaulichen Stadt erheblich. Vor allem beim Flanieren am Phoenixsee.

Für die drei letzten Spiele der Bundesliga-Saison allerdings, die wahrscheinlich wichtigsten seit Jahren, steht plötzlich der reine Sportler Bürki wieder im Mittelpunkt. Bis Samstagnachmittag schien er bei Borussia Dortmund so gut wie abgemeldet zu sein, nun steht er im Pokal-Endspiel, an diesem Donnerstag in Berlin (20.45 Uhr/ARD). Und alles Mögliche soll auf einmal von ihm abhängen.

Es ist kurios, wie Bürki vor drei Monaten seinen Stammplatz zwischen Borussias Pfosten verlor, aber auch typisch für einen Torwart, für den es nun mal nur einen Arbeitsplatz gibt. Als der Schweizer Ende Januar, bei der 2:4-Niederlage in Mönchengladbach, mehrere Male schlecht aussah, begann das übliche Experten-Geraune nach sogenannten Torwartfehlern.

Die permanente Schwäche der strauchelnden Dortmunder bei Eckbällen und Freistößen wurde zwar nicht allein Bürki angelastet - aber eben auch. Bürki gilt als Retter-Typ, der schwierige Schüsse abwehrt und dann einfache reinlässt. Strafraum-Beherrschung ist zwar nicht mehr das, was sie war, als noch Sepp Maier, Hans Tilkowski oder Oliver Kahn den Ball souverän aus der Luft fischten, und gebieterisch alles und jeden wegrempelten. Aber an Bürki machte sich der Frust über die mangelnde Leistung des BVB-Ensembles denn doch hartnäckig fest.

"Leistung soll sich lohnen", erklärt Trainer Terzic seine Torwart-Rochade

So wie Bürki seinen Stammplatz verlor, so bekam er ihn nun zurück. Im Januar wurden ihm drei der vier Gegentore in Gladbach angelastet, dann kam im Training eine Schulterverletzung dazu. Und plötzlich war Bürki raus, und sein Konkurrent Marwin Hitz stand im Tor. Auch als Bürki seine Verletzung drei Wochen später auskuriert hatte, blieb Trainer Edin Terzic bei Hitz. "Leistung soll sich lohnen", erklärte Terzic.

Doch nun zog sich Hitz einen Kapselriss im rechten Knie zu, am Samstag, im Bundesligaspiel gegen RB Leipzig (3:2); an einen Einsatz im Pokal-Endspiel, erneut gegen Leipzig, und in den restlichen Saisonspielen ist nicht mehr zu denken. Bürki kam schon bei Halbzeit für Hitz - und führte sich gleich mit zwei Gegentoren ein.

Dortmunds Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl beeilte sich nach der Verletzung von Hitz klarzustellen: "Wir haben einen Top-Torwart, er will um jeden Preis mit der Mannschaft den Pokal holen." Das kann man in Kehls Position wohl kaum anders formulieren, aber bis zum Samstag hörte man aus dem BVB-Umfeld eher, dass beide Schweizer, Hitz genauso wie Bürki, den Ansprüchen der vermeintlichen Nummer 2 in Deutschland nicht so ganz genügen; dass es also im Grunde egal sei, wer von beiden im Tor steht.

Schon länger weiß man, dass Dortmund einen neuen Torwart sucht - obwohl mit Bürki erst im vorigen Jahr und mit Hitz erst vor ein paar Wochen die Verträge verlängert wurden. Richtig gute Torhüter gibt es derzeit so wenige wie gute Trainer, von denen der BVB in der nächsten Saison aber immerhin gleich zwei haben wird, nämlich Terzic und den von Mönchengladbach losgeeisten Marco Rose.

Monatelang verschmähter BVB-Keeper Bürki

Die Zeit der Degradierung hat Bürki bemerkenswert still hingenommen und sich jede noch so kleine Bemerkung verkniffen. Er trainierte, ging spazieren mit seiner als Influencerin tätigen Lebensgefährtin und dem gemeinsamen Hündchen - und hielt den Mund. Auch das macht einen Profi aus.

Zwischendurch wurde ihm in Medien trotzdem Lustlosigkeit im Training unterstellt, aber Borussias Sportchef Michael Zorc verteidigte schon damals den 30-Jährigen: "Ich habe nirgendwo einen Null-Bock-Bürki gesehen. Ich finde das ehrabschneidend, so etwas zu behaupten."

Was aber nichts daran ändert, dass Dortmund nun mit einem monatelang verschmähten Torwart die drei wichtigsten Saisonspiele bestreiten muss. Im Pokal-Finale gegen Leipzig geht es um den ersten Titel seit 2017 (auch damals stand Bürki im Tor gegen Frankfurt), und in den zwei vielleicht noch wichtigeren letzten Bundesliga-Spielen, bei Mainz 05 und zu Hause gegen Bayer Leverkusen, darum, wenigstens wieder einen Champions-League-Platz für die kommende Saison zu sichern. Dazu muss Dortmund Platz vier in der Tabelle verteidigen. Das Pokal-Finale ist Kür, danach kommt die Pflicht.

Wie man hört, soll Bürki von AS Monaco umworben werden, wo die Promenade noch einen Hauch schicker ist als der Phoenixsee. Trainer Terzic hatte wohl das vage Gefühl, der groß gewachsene Hitz strahle etwas mehr Ruhe aus, als der enorm reaktionsschnelle Bürki. Am Ende aber leistete sich auch Hitz kapitale Aussetzer, und nicht wenige in Dortmund wünschten sich Bürki zurück ins Tor. Wie das Leben eben manchmal so spielt.

© SZ/moe
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