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Nascar-Fahrer Bubba Wallace:Vereint gegen Galgenstricke und Rassismus

Nach der rassistisch motivierten Todesdrohung gegen den Fahrer Bubba Wallace setzt die Rennserie Nascar ein Zeichen - und verspricht hartes Durchgreifen.

Von Jürgen Schmieder, Los Angeles

Es genügte ein Wort, um dieses wunderbare Bild zu beschreiben, das nun ins Gedächtnis eines jeden Sportfans tätowiert sein dürfte, dem die Natur keinen Stein statt eines Herzens in die Brust gesetzt hat. Ein wenig fühlte man sich bei dem Bild an den Augenblick erinnert, als die afroamerikanischen Sprinter Tommie Smith und John Carlos bei Olympia 1968 die Fäuste nach oben streckten. Bubba Wallace, der einzige schwarze Fahrer der amerikanischen Motorsport-Rennserie Nascar, fotografierte sich am Montag vor dem Rennen auf dem Talladega Superspeedway selbst, er trug als Maske eine US-Flagge, und hinter ihm, da standen alle anderen Fahrer. "Together", schrieb Wallace bei Twitter: gemeinsam.

Die Kollegen hatten davor seinen Chevrolet Camaro mit der Nummer 43 durch die Boxengasse geschoben, von Startplatz 24 nach ganz vorne. Es war eine Prozession der Solidarität mit dem Rivalen, dem jemand einen Tag davor einen Galgenstrick in seine Garage gehängt hatte - eine Todesdrohung mit schlimmstmöglicher Symbolkraft in einer Sportart, die ohnehin im Verdacht steht, vor allem Leute zu begeistern, die helle Haut für Überlegenheit halten.

Nun marschierten alle Fahrer und viele Crew-Mitglieder schweigend über den Asphalt, es war ein Protest gegen Rassismus und dafür, dass sich dringend etwas ändern muss. Auch in der Rennserie.

Es gibt Momente im Sport, in denen es völlig egal ist, wer zuerst über die Ziellinie rast. Das wusste am Montag auch der Sieger Ryan Blaney, der das spannende Rennen samt Fotofinish nach 500 Meilen nur knapp erörterte und dann hinüber deutete zu jenem Mann, der ein paar Runden lang geführt, sich jedoch mit dem verbliebenen Benzin im Tank verspekuliert hatte und am Ende Platz 14 erreichte - das beste Ergebnis seiner Karriere auf dieser Strecke.

Bubba Wallace, 26, lief indes hinüber zu der Handvoll Leute, die seinetwegen gekommen waren (insgesamt waren wegen der Coronavirus-Pandemie 5000 statt der üblichen 80 000 Zuschauer erlaubt), und es war ihm anzumerken, dass er unbedingt die richtigen Worte wählen wollte, um nun ja nicht erschüttert zu wirken. Der Renntag sei keine "Hölle" gewesen und auch keine "Belastung", wie er zunächst gesagt hatte: "Es war ein bisschen hektisch, aber das hier ist cool. Es tut mir leid, dass ich meine Maske gerade nicht trage. Aber ich will, dass derjenige, der das gestern getan hat, nun sieht, dass ich lache und sehe, wie sich dieser Sport verändert."

Jeder Sport transportiert auch Klischees, gerade in den USA: Basketball ist in der urbanen Hip-Hop-Kultur verwurzelt; beim Football frönen nicht wenige Amerikaner ihrer Philosophie, dass man für Erfolg seinen Gegner auch mal rücksichtslos aus dem Weg räumen muss; Baseball steht für den Reiz der Langeweile. "Unser Sport hatte stets dieses rassistische Label", sagte Wallace kürzlich: "Die Leute denken bei Nascar immer an rassistische Hinterwäldler mit Konföderationenflagge."

Das liegt freilich auch daran, dass bei den Rennen auf den Zeltplätzen sehr häufig rassistische Hinterwäldler mit Konföderationenflagge zu sehen sind, und es ist nicht mal übertrieben zu sagen, dass Donald Trump dort seine Kernwählerschaft findet. Im Februar flog der US-Präsident in der Air Force One über den legendären Kurs von Daytona, er hielt eine Rede und fuhr eine Runde in seiner Limousine. An diesem Montag waren während der Übertragung auf dem TV-Sender Fox Wahlwerbespots für Trump zu sehen, und das Motto war so ähnlich wie die Botschaft von Wallace bei Twitter: United, vereint.

Trump will indes, und das wird im Spot sehr deutlich, nicht alle Amerikaner vereinen, sondern nur seine Anhänger gegen seine Feinde. Bei Nascar und auch in der Footballliga NFL funktionierte diese Wir-gegen-die-Strategie - bis vor kurzem. Die NFL will ihren Spielern künftig erlauben, beim Abspielen der Nationalhymne zu knien.

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