Bryan-Zwillinge bei den US Open Dirty Dancing zum Jubiläum

Mike Bryan und Bob Bryan: Unschlagbar im Doppel

(Foto: AFP)

Es gibt keine US-Tennis-Ikonen mehr? Von wegen! Bei den US Open feiern die Bryan-Zwillinge ihren 100. Doppel-Titel. 23 Millionen US-Dollar Preisgeld haben sie sich inzwischen erspielt - und auch mit 36 Jahren soll noch nicht Schluss sein.

Von Jürgen Schmieder, New York

Wenn die Zwillinge Mike und Bob Bryan eine Partie gewinnen, dann laufen sie gewöhnlich aufeinander zu, springen in die Luft und schubsen sich gegenseitig mit der Brust nach hinten. Chest Bump heißt dieses doch arg männliche Sportlerritual, auf das die beiden Brüder im Tennis die Patentrechte haben. Nach dem US-Open-Finale misslang ihnen das Ritual gründlich. Mike wollte hüpfen und schubsen, doch Bryan blieb einfach stehen und hielt seinen Partner in die Höhe - das sah eher aus wie eine Szene aus Dirty Dancing.

"Ich habe alles gegeben, aber Bob hat versagt", sagte Mike nach der Partie, die sie 6:3, 6:4 gegen das spanische Duo Marcel Granollers und Marc López gewonnen hatten. Es war der dritte US-Open-Titel in Serie, der 16. Erfolg bei einem Grand-Slam-Wettbewerb, der 100. Turniersieg in ihrer Karriere. Seit 2005 haben sie pro Jahr mindestens eine der vier großen Veranstaltungen gewonnen. "Das ist noch ein bisschen zusätzliche Schlagsahne und Kirschen und Nüsse auf dem Kuchen", sagte Bob.

Die Brüder sind längst eine Marke im Tennis, sie werden kaum mit ihren Vornamen angesprochen, sondern heißen einfach nur "The Bryans". Nach ihrem Wimbledon-Sieg 2013 waren sie das erste Doppel überhaupt, das gleichzeitig im Besitz aller vier Grand-Slam-Trophäen sowie der olympischen Goldmedaille war - was sogleich The Golden Bryan Slam genannt wurde. Sie haben sich in ihrer Karriere allein 23 Millionen Dollar an Preisgeld erspielt.

Redeverbot mit der Familie

Weil das US-Männertennis derzeit keinen prägenden Akteur zu bieten hat - im Einzel scheiterte John Isner als letzter Amerikaner in der dritten Runde -, wurden die Bryans in New York als Helden vermarktet, die Partien landesweit im Fernsehen gezeigt. Eine Marketingfirma hat errechnet, dass die beiden während der zwei Wochen mit Abstand die meisten Autogramme schrieben - insgesamt erfüllten sie mehr als sieben Stunden die Wünsche der Fans.

Sportlich hatten sie durchaus Probleme bei diesem Turnier, das Viertel- und Halbfinale gewannen sie erst im dritten Satz. "Wir haben danach in den Konzentrations-Modus umgeschaltet", sagte Bob: "Wir haben unsere Eltern nicht mehr angerufen, nicht mehr mit unseren Kindern geredet, weil wir nur noch Augen für diese Trophäe hatten." Das Finale wirkte dann beinahe wie ein Spaziergang im Park. "Jetzt können wir endlich wieder lachen und Menschen sein", sagte Bob Bryan: "Wir freuen uns darauf, wieder mit unseren Familien sprechen zu können."

36 Jahre sind die beiden alt, sie haben 39 Turniere mehr gewonnen als das australische Duo Todd Woodbridge und Mark Woodforde, die Woodies aus den 1990ern. Die Bryans haben alles erreicht - blicken aber dennoch gierig in die Zukunft. "Wir wollen auf jeden Fall an den Olympischen Spielen in Rio 2016 teilnehmen", sagt Bob: "Außerdem haben wir kürzlich ein paar Sponsorenverträge um ein paar Jahre verlängert."

Da wurde klar, dass selbst der misslungene Jubel zum Plan der Brüder gehörte. Auf einem Sportsender wurde wenige Minuten nach dem Finale der Clip eines Sponsors ausgestrahlt, in dem Menschen erfolglos versuchen, die Chest-Bump-Bewegung der Brüder nachzuahmen.