Bruder von Mario Götze in Unterhaching Flache Hierarchie

Auf dem Trainingsplatz sieht das Konzept so aus: flache Hierarchien, erste und zweite Mannschaft trainieren zusammen mit mehreren A-Junioren (zu denen im Moment auch noch Pascal Köpke gehört, der Sohn des ehemaligen Nationaltorhüters Andreas). Am Freitag fuhren 36 Feldspieler und zwölf Trainer ins Trainingslager nach Grassau am Chiemsee. Die Spielweise ist quirlig-kreativ, gequetscht in ein Korsett aus einstudierten Laufwegen und Gegenpressing. Manch Spieler hat hier ein halbes Jahr gebraucht, um das System von der Schautafel auf den Platz zu bringen.

Langfristig gesehen ist es freilich interessanter, zumindest ab und zu mit Unterhaching in der ARD-Sportschau aufzutauchen als mit Bochum im WDR. Auch wenn Götze das natürlich nicht sagt. In Haching gibt es kein Geld zu verdienen, doch es ist, wie man sagt, ein gutes Sprungbrett.

Was dem jungen Team erst einmal fehlen wird, sind Führungsspieler. Benjamin Schwarz könnte einer werden, er wird bald 28, doch so viel Erfahrung bringt der von Verletzungen geplagte ehemalige Sechziger gar nicht mit. Über Götze gibt es zumindest schon mal eine kleine Geschichte, die zeigt, dass er eine Große-Bruder-Attitüde mitbringt. Vor drei Monaten spielte Bochums U23 gegen Viktoria Köln, damals mit Albert Streit. Der ehemalige Profi habe einen seiner Mitspieler ständig beleidigt, erzählt Götze. Da habe er keine Wahl mehr gehabt, "da bin ich halt dazwischen gegangen". Im Kabinengang folgte dann ein Handgemenge. Streit sah die rote Karte und wurde später suspendiert. Götze grinst.

Marius Duhnke ist ebenfalls neu in Haching, der Stürmer kommt vom FC Bayern II. Er sagt, er habe in der Regionalliga gelernt, wie Männerfußball geht. "Ja, dafür ist die Regionalliga größtenteils da", bestätigt Götze. Doch er hat schon 98 Regionalliga-Spiele bestritten. Es wird jetzt Zeit für ihn, sich einen Namen zu machen. Nicht nur auf einem zukünftigen Klingelschild.