Brose Bamberg Wie unter Trincheri

Wettbewerbsübergreifend neun Siege in Serie: Bambergs Spiel funktioniert. „Der zweite Platz vor den Playoffs ist unser Ziel“, sagt Patrick Heckmann (Nummer 33, hier gegen Ulms Katin Reinhardt) zu den Ambitionen in der Bundesliga.

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Bambergs Basketballer stehen im Champions-League-Viertelfinale und zeigen, dass sie ein Team für besondere Spiele sind. Die Profis touchieren immer dann ihre Leistungsgrenze, wenn es darauf ankommt.

Von Matthias Schmid

Manchmal haben seine Mitspieler das Gefühl, dass Tyrese Rice eine Maschine ist, der im Gewand eines Menschen daherkommt. Der Basketballer von Brose Bamberg trifft dann wie er will und von überall, als wäre er von einer Software störungsfrei gesteuert. Dass der Amerikaner aber doch ein Mensch aus Fleisch und Blut und sogar fehlbar ist, hatten die Bamberger am Mittwochabend erleben können. Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League bei Banvit BK schmiss er den Ball einmal unbedrängt zum Gegenspieler - in einer Phase, in der es für Rice total untypisch ist: kurz vor Schluss.

Rice, 31, lebt für solche Momente, "er ist unser Go-to-guy", wie Nationalspieler Patrick Heckmann es formuliert. "Er übernimmt dann Verantwortung, weil er schon so oft in solchen Situationen stand." Im Gegenzug verwandelten die Türken ihren Wurf und kamen wieder auf 80:81 heran. Rice wäre aber nicht Rice, wenn ihn sein Ballverlust irgendwie berührt hätte, der Spielmacher (am Ende 32 Punkte) verlangte weiter den Ball und stellte mit zwei Freiwürfen 16 Sekunden vor der Schlusssirene wieder die Führung her, die die Bamberger nicht mehr abgeben sollten. Mit 88:85 entschieden sie die Partie für sich und treffen nun im Viertelfinale auf AEK Athen.

Für den neunmaligen deutschen Meister war es bereits der sechste Sieg in einem K.o.-Spiel in dieser Spielzeit, nachdem sich der Klub bereits mit dem Pokalsieg einen Titel gesichert hat. Bamberg, das zeigt sich immer, ist eine Mannschaft für die besonderen Spiele, die Profis touchieren immer dann ihre Leistungsgrenze, wenn es darauf ankommt. "Wir haben erfahrene Spieler und wissen einfach, was wir drauf haben", erzählt Heckmann am Tag danach am Telefon. Es sind hochdekorierte Profis wie Rice und Ricky Hickman, 33, die vor fünf Jahren gemeinsam mit Maccabi Tel Aviv die Euroleague-Trophäe haben hochrecken dürfen, die sich in solchen Momenten ihrer Bestform annähern. Gemeinsam mit dem 35-jährigen Nikos Zisis, der die Mannschaft zum Pokalsieg über Alba Berlin verhalf, gehören die beiden zu den Spielern im Kader, die dann den Ball bekommen, wenn es in einem hektischen Spiel in der Schlussphase eine ruhige Hand braucht. "Es ist gut zu wissen, dass man sich dann auf sie verlassen kann", sagt Heckmann. Hickman zum Beispiel verwandelte fünf seiner elf Freiwürfe (bei elf Versuchen) allein in den letzten 24 Sekunden der Partie und half so entscheidend mit, dass Bamberg nun die Chance hat, sich für das Final Four zu qualifizieren, wo eine Million Euro im Jackpot für den Sieger auf dem Gabentisch bereitstehen.

So weit will Heckmann aber noch nicht vorausschauen. Am 27. März bekommen er und seine Mannschaft es im Heimspiel zunächst mit ihrem früheren Trainer Luca Banchi zu tun, der Athen betreut, gemeinsam mit einem weiteren Bamberger Trainer Ilias Kantzouris. Der Grieche gehörte neben dem heutigen Brose-Cheftrainer Federico Perego zum Trainerstab von Andrea Trinchieri, der nicht nur mit den Oberfranken vier Titel in dreieinhalb Jahren gewann, sondern den deutschen Basketball mit seinen Ideen auf ein höheres Niveau gehoben hatte. Heckmann war Teil dieser Avantgarde und kann deshalb am besten darüber erzählen, wie sie nach der Entlassung von Ainars Bagatskis wieder an diese erfolgreichen Zeiten anschließen - zumindest taktisch. "Bei Perego spielen wir sehr viele Trinchieri-Systeme", bekennt Heckmann und fügt hinzu: "Die Sachen haben ja gut funktioniert."

So verteidigen die Bamberger wieder leidenschaftlicher und stabiler und lassen vorne den Ball so präzise und rasant durch die eigenen Reihen zirkulieren, bis sie den freien Mann gefunden haben. Der Erfolg gibt Perego recht, der Sieg in Banvit war bereits - wettbewerbsübergreifend - der neunte in Serie. In der Bundesliga liegt Bamberg auf Rang vier. "Der zweite Platz vor den Playoffs ist unser Ziel, um den FC Bayern aus dem Weg zu gehen", sagt Heckmann. Die Bamberger sind wieder selbstbewusst genug, um auch den Meister herausfordern zu wollen.