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Brose Bamberg:Mit der Fußspitze auf der Linie

GER, Basketball, EWE Baskets Oldenburg vs Brose Bamberg / 01.12.2019, EWE Arena, Oldenburg, GER, easy Credit-BBL, EWE B

Protagonisten der Schlusssekunden: Bambergs Assem Marei (links) und sein Oldenburger Gegenspieler Rashid Mahalbasic.

(Foto: Rojahn/imago)

Gerchtfertigter Ärger, keine Erfolgsaussichten: Am Tag nach der Niederlage in Oldenburg entscheiden sich Bambergs Basketballer doch gegen einen Einspruch.

Manchmal empfiehlt es sich, eine Nacht über gewisse Dinge zu schlafen. Am nächsten Morgen ist der erste Ärger meist schon deutlich gedämpft, wenn sich die Aufregung nicht gleich ganz gelegt hat. Wie im Fall der Bamberger Basketballer, die am Sonntagabend nach ihrer ersten Auswärtsniederlage dieser Bundesliga-Saison einen Protest gegen die Wertung des 68:71 bei den EWE Baskets Oldenburg ankündigten - diesen aber am Montagvormittag nicht mehr weiter betreiben wollten.

Die Erfolgsaussicht ihres Einspruchs, das hatten Bambergs Verantwortliche zwischenzeitlich eingesehen, war gleich null. Ihr Ärger, so war aus dem Ligabüro in Köln zu hören, war gleichwohl gerechtfertigt.

Was war geschehen? Drei Sekunden vor Schluss und bei drei Punkten Rückstand bekam Bambergs Bester, Center Assem Marei (17 Punkte, neun Rebounds), noch zwei Freiwürfe zugesprochen. Nachdem er den ersten vergeben hatte, verwarf er auch den zweiten - eine übliche Absicht in so einer Situation: Die zurückliegenden Angreifer hoffen, sich den abprallenden Ball schnappen, mit einem Wurf von jenseits der Drei-Punkte-Linie ausgleichen und eine Verlängerung erzwingen zu können.

Oldenburgs Längster, der 2,10-Meter-Mann Rashid Mahalbasic, durchkreuzte den Bamberger Plan jedoch, indem er den Ball in Richtung Aus tippte. Um ganz sicher zu gehen, hüpfte er hinterher und boxte die Kugel auf die Tribüne. Im Grunde clever vom Österreicher, denn dadurch lief die Zeit ab. Dummerweise war er aber mit der Fußspitze auf die Seitenlinie getreten, was keiner der drei Schiedsrichter gesehen, die Fernsehbilder aber nachher gezeigt hatten: Es hätte noch Einwurf für Bamberg geben müssen. In den verbleibenden Zehntelsekunden auszugleichen, wäre unwahrscheinlich gewesen, aber nicht ausgeschlossen. Bamberg sah sich um diese Chance gebracht - und protestierte.

Die spontane Argumentation: Die Schiedsrichter hätten sich die Szene noch einmal auf Video anschauen müssen, schließlich steht den Basketballern ein sogenanntes "Instant Replay System" (IRS) zur Verfügung. Nachdem die Bamberger das Geschehen jedoch in Ruhe analysiert hatten, kamen sie zu der Erkenntnis, dass die Regeln das IRS in diesem Fall nicht zulassen. Die Unparteiischen hätten auf Aus des Spielers entscheiden müssen, um die Szene überprüfen zu können - so blieb es eine Tatsachenentscheidung. Die war zwar falsch, aber hätten die Schiedsrichter das IRS eingeschaltet, wäre es der nächste Fehler gewesen - und Grund für einen Gegenprotest. Also zogen die Bamberger ihren Einspruch zurück, das Ergebnis bleibt bestehen. In der Tabelle hätte sich sowieso nichts geändert: Bamberg bleibt Vierter mit jetzt 14:8 Punkten, Oldenburg Sechster mit 12:8.