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Brose Bamberg:Es braut sich was zusammen

22 05 2019 Basketball Saison 2018 2019 1 Bundesliga easycredit BBL 2 Spiel Playof

Gut reagiert auf die vorangegangene Niederlage: Augustine Rubit war am Mittwoch mit 31 Punkten bester Mann auf dem Parkett.

(Foto: imago)

Tyrese Rice und Augustine Rubit retten den Ausgleich in der Playoff-Serie.

Langgediente Beobachter des Bamberger Basketballs erinnern sich noch, ist ja nicht so lange her: Vor fünf Jahren flog ihre Mannschaft gleich in der ersten Runde der Bundesliga-Playoffs raus, 1:3 ging die Best-of-five-Serie verloren gegen die Artland Dragons Quakenbrück, danach war nichts mehr so wie zuvor. Der Trainer, die meisten Spieler, etwas später auch der Manager - alle weg. Eine große Ära ging da zu Ende, in der Bambergs Basketballer dreimal nacheinander das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen hatten, was außer ihnen niemandem sonst gelungen ist hierzulande, nicht vorher, nicht nachher.

Federico Perego kann sich an die fränkische Untergangsstimmung im Frühsommer 2014 nicht erinnern, er kam erst drei Monate später nach Bamberg, als Assistent des neuen Trainers Andrea Trinchieri. Der Italiener leitete sofort eine neue Ära ein mit drei weiteren Meisterschaften, einem Pokalsieg und begeisternden Auftritten in der Euroleague. Mittlerweile ist auch Trinchieri Geschichte, seit Januar fungiert nun sein 34 Jahre alter Landsmann Perego als Chefcoach von Brose Bamberg. Und der sagte am Mittwochabend: "Ich habe das Gefühl, dass sich um uns herum sehr dunkle Wolken zusammenziehen. Aber ich verstehe, ehrlich gesagt, nicht warum."

Seine Spieler hatten doch gerade eine bereits verloren geglaubte Partie noch herumgerissen, drei Minuten vor Schluss lagen sie noch 75:83 zurück gegen Rasta Vechta, "wir haben uns in die Verlängerung gerettet", resümierte Perego. Dort hatte sein Team dann auch gewonnen, zwar knapp, 102:98 (89:89, 35:31), aber es hatte immerhin die Playoff-Serie ausgeglichen zum 1:1.

Doch genau deswegen rumort es zunehmend bei den von Erfolgen verwöhnten und Erfolge gewohnten Anhängern: Es ist nicht deren Anspruch, sich gegen einen Aufsteiger in eine Verlängerung zu retten, noch dazu in eigener Arena. Und sie erinnern sich: Vechta ist eine Kleinstadt in Niedersachsen so wie Quakenbrück, die Rasta-Mannschaft ein ähnlicher Außenseiter wie seinerzeit die Dragons - und Peregos Auswahl ähnlich überaltert wie die seines Vor-vor-vor-Vorgängers Chris Fleming. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu ahnen, dass bei Brose Bamberg nach dieser Saison wenig bleiben wird wie es ist, selbst wenn sich das Team durchsetzt in dieser Serie.

Die Rasta-Männer treten erneut mit nur sieben einsatzfähigen Profis an

Nur 5803 Zuschauer waren am Mittwochabend zum ersten Playoff-Heimspiel der Bamberger Basketballer in dieser Saison gekommen; es war das erste Mal, dass die Arena bei so einer Gelegenheit nicht ausverkauft war. Grund sei, dass die Partie unter der Woche ausgetragen wurde, "was bestimmt einige Familien vom Kommen abgehalten hat", wie es hieß. Tatsächlich waren die nach der Hauptrunde auf Rang fünf klassierten Bamberger nicht mit dem gewohnten Heimvorteil in die K.-o.-Runde gestartet, den ein Tabellenplatz unter den ersten Vier nach sich zieht - unter anderem eben, an den zuschauerfreundlichen Wochenenden daheim antreten zu dürfen.

Die rund 350 leeren Sitze könnten freilich auch mit den zuletzt frustrierenden Auftritten des Brose-Teams zu tun haben. Am Sonntag hatte es ja 85:96 verloren, bei ersatzgeschwächten Rasta-Männern. Die traten auch am Mittwoch mit nur sieben einsatzfähigen Profis an; drei saßen nur deshalb auf der Bank, damit Vechta die vorgeschriebenen zehn Namen auf den Spielberichtsbogen schreiben konnte. Und dennoch hätte es fast zum Sieg gereicht.

Dass es anders kam, hatten die Bamberger ihrem Regisseur Tyrese Rice und dem Flügelspieler Augustine Rubit zu verdanken. Sie legten die besten Statistik-Werte auf - Rice mit 26 Punkten und zehn Vorlagen, Rubit mit 31 Punkten bei nur zwei Fehlversuchen sowie 14 Rebounds - und sorgten für die wichtigen Impulse. In beiden Halbzeiten bremsten sie Vechtas Versuche, davonzuziehen, erst beim 13:23 (14.), später beim 75:83 (37.). Die dennoch drohende Niederlage vereitelte Rice 0,8 Sekunden vor Schluss mit dem Wurf zum 89:89. Auch in der Verlängerung ebneten sie den Weg, weshalb Perego nachher die "Comeback-Qualitäten" beschwor, "die wir schon die ganze Saison über bewiesen haben".

Die wären nicht nötig gewesen, wenn seine Akteure vorher die körperlich unterlegenen Vechtaer in Korbnähe stärker in Bedrängnis und zumindest in Foulprobleme gebracht hätten. Perego lobte seine Spieler trotzdem ausdrücklich: "Jeder hat gut auf die Niederlage am Sonntag reagiert, jeder hat sich engagiert, jeder hat Leidenschaft gezeigt." Aber er spürt wohl, dass seine Zeit abläuft. Ob er um einen neuen Vertrag kämpfe, ist er vor dem nächsten Spiel am Samstag (20.30 Uhr) in Vechta gefragt worden. Seine Antwort: "Ich kämpfe darum, zu gewinnen, finito."