Ultras zu möglichem Ligastart:"Blanker Hohn gegenüber der Gesellschaft"

Schalker in Gedanken in Dortmund

Fans von Schalke 04.

(Foto: dpa)
  • In einer Stellungnahme kritisieren Teile der organisierten Fanszene den Plan der DFL, bald wieder Geisterspiele in der Bundesliga durchzuführen.
  • Es dürfe keine "Lex Bundesliga" geben, heißt es in dem Schreiben.

Von Christoph Ruf

Die Vorhaben der Deutschen Fußball Liga (DFL), mit Geisterspielen den Bundesliga-Betrieb wieder aufzunehmen, stößt auf Widerspruch in Teilen der eigenen Stammkundschaft. Die "Fanszenen Deutschlands", ein Zusammenschluss der deutschen Ultra-Szenen von der ersten bis zur fünften Liga, äußerten sich am Donnerstagabend in einer via Facebook verbreiteten Botschaft wie folgt: "Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft und insbesondere all denjenigen, die sich in der Corona-Krise wirklich gesellschaftsdienlich engagieren. Wenn seit Wochen über einen Mangel an Kapazitäten bei CoVid-19-Tests berichtet wird, ist die Idee, Fußballspieler in einer extrem hohen Taktung auf das Virus zu untersuchen, schlicht absurd."

Es dürfe "keine Lex Bundesliga" geben: "Fußball hat in Deutschland eine herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht." Ab wann Geisterspiele stattfinden sollen, ist allerdings noch offen, beim Berliner Treffen der 16 Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch hatte das Thema "Geisterspiele" nicht auf der Tagesordnung gestanden. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder nannte dagegen Spiele ohne Zuschauer "denkbar". Die Ultra-Fanszene folgert: Bei einem Neustart innerhalb der nächsten Wochen würde sich der Fußball allerdings komplett vom Rest der Gesellschaft entkoppeln - und somit "ein Eigentor schießen".

Zudem lasse die Argumentation der 36 in der Deutschen Fußball Liga (DFL) organisierten Erst- und Zweitligisten die Belange der Ligen drei und vier völlig außer Acht, für die "Geisterspiele ohnehin keine Option" seien. "Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner und -verlierer geben", heißt es. Die Schere zwischen ,,groß'' und, "klein'' dürfe nicht noch weiter auseinandergehen.

Auch der Profifußball täte nach Ansicht der Ultras gut daran, die Krise als Chance zu begreifen, um Reformen einzuleiten. Anstatt Druck auf Politik und Gesellschaft auszuüben, um möglichst bald wieder spielen zu können, sollten sich die Vereine überlegen, was strukturell falsch laufe, wenn Klubs mit dreistelligen Millionenumsätzen binnen weniger Wochen vor der Pleite stünden.

"Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps, der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern", heißt es. Wie da Abhilfe zu schaffen sei, werde aber nicht diskutiert: "Die Frage, weshalb es trotz aller Millionen keinerlei Nachhaltigkeit im Profifußball zu geben scheint, wie die Strukturen und Vereine in Zukunft robuster und krisensicherer gemacht werden können, wurde zumindest öffentlich noch von keinem Funktionär gestellt. Das einzig kommunizierte Ziel ist ein möglichst schnelles "Weiter so!'" Deshalb lautet das Fazit von "Fanszene Deutschland": "Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne."

© SZ.de/schm
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