Trotz Brexit Offene Grenzen für die Premier League?

Kam früh nach England und wurde ein Weltklasse-Profi: Paul Pogba.

(Foto: Clive Mason/Getty Images)
  • Mit ihren zahlreichen internationalen Vernetzungen ist besonders die Premier League vom kommenden Brexit betroffen.
  • Ihrer Transferpolitik innerhalb Europas drohen große Einschränkungen.
  • Die Premier League bittet deshalb die Politik und den englischen Fußballverband um eine Ausnahmeregelung.
Von Javier Cáceres

Es sind noch gut sechs Monate, bis das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlässt; am 30. März 2019 wird der "Brexit" Fakt sein. Die Folgen treiben zunehmend auch die Fußballindustrie um, genauer: die Premier League. Sie fürchtet, dass die von London angestrebte Abschaffung der Arbeitnehmerfreizügigkeit zu einem massiven Verlust an Konkurrenzfähigkeit mit den Ligen des Kontinents führt, weil es ungleich schwerer werden wird, Fußballprofis vom europäischen Festland zu holen.

Wie der Daily Telegraph berichtete, drängt die Premier League in Gesprächen mit der Regierung in London und dem englischen Fußballverband FA auf eine Ausnahmeregelung. Dabei tritt sie die Flucht nach vorn an: Alle Beschränkungen für die Verpflichtung nichtbritischer Profis sollen abgeschafft werden, die Grenzen im Zuge des Brexit sollen also - anders als für Putzfrauen und Handwerker - weit geöffnet werden.

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"Der Zugang zu talentierten Fußballspielern aus ganz Europa hat beim Wachstum der Premier League eine Schlüsselrolle gespielt", sagte ein Premier-League-Sprecher dem Blatt. Es sei "lebensnotwendig", dass die aktuell geltenden Freiheiten bei der Verpflichtung europäischer Spieler gewahrt bleibt. Englands Profifußballindustrie bürge jährlich für umgerechnet 3,3 Milliarden Euro an Steuern sowie für 12 000 direkte Arbeitsplätze; die Spiele werden in fast 190 Länder übertragen. Die Regierung teilte recht zurückhaltend mit, sie erkenne die Notwendigkeit des Sports an, Talente aus Europa und dem Rest der Welt zu akquirieren. Man sei darüber mit den Sportorganisationen im Gespräch.

Zurzeit dürfen englische Klubs Fußballer aus allen Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) verpflichten. Ihm gehören die 28 Länder der EU sowie die EFTA-Mitgliedsstaaten Norwegen, Liechtenstein und Island an. Die Furcht der Premier League ist, europäische Fußballer könnten nach dem Brexit (beziehungsweise der anschließenden Übergangsphase) behandelt werden wie heutzutage Afrikaner, Asiaten oder Südamerikaner.

Nichteuropäische Fußballer erhalten in England eigentlich nur dann eine Arbeitserlaubnis, wenn sie regelmäßig in ihrer Nationalelf zum Einsatz kommen, die laut Fifa-Ranking zu den 60 besten der Welt zählen muss, oder wenn sie ihre außergewöhnliche Begabung anderweitig nachweisen, etwa durch überdurchschnittliche Ablösesummen. Die könnten sich aber nur die finanzstärksten Klubs leisten. Einen Kampf gibt die Premier League laut Daily Telegraph bereits verloren: Sie richtet sich darauf ein, dass die Verpflichtung Minderjähriger nicht mehr möglich sein wird. Zu den Spielern, die vor ihrem 18. Lebensjahr Profis in England wurden, zählen spätere Weltklassespieler wie Nicolas Anelka, Gerard Piqué, Paul Pogba oder Cesc Fàbregas.

Ein weiteres Problem: Die Premier League ist nicht nur auf das Wohlwollen der Regierung angewiesen, sondern auch auf das des Verbandes. Die FA aber hat andere Interessen. Vor wenigen Tagen klagte Nationaltrainer Gareth Southgate, die Zahl der Profis, aus denen er Spieler für die Nationalelf rekrutieren könne, sei viel zu klein. Die 20 Premier-League-Klubs sind verpflichtet, acht der 25 Kaderplätze für "Eigengewächse" zu reservieren. Die FA würde diesen Anteil gern erhöhen. Laut Branchendienst Transfermarkt.de liegt der Ausländeranteil unter den 520 Premier-League-Profis bei 67,9 Prozent.

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