Bremen - Freiburg 2:1 Erst pfeifen sie, dann singen sie

Milot Rashica und Werder obenauf: Jubel nach dem 2:0 durch Theodor Gebre Selassie (mitten im Getümmel).

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Während der Partie gegen Freiburg passiert etwas Seltenes: Einige Bremer Zuschauer tun ihren Unmut ob der mäßigen Leistung ihrer Mannschaft kund - bis Werder zwei späte Tore gelingen.

Von Christoph Ruf, Bremen

Als die Bremische Version des Monkees-Klassikers "Daydream Believer" aus den Boxen klang und Tausende das Loblied auf Werder mitsangen, war alles wieder gut im Verhältnis zwischen dem Verein mit dem "W im Emblem" und seinen Fans. Dabei hatte es zwischenzeitlich ordentlich gekriselt zwischen den Zuschauern und einer Mannschaft, die doch lange Zeit beträchtliche Schwierigkeiten hatte, gegen den SC Freiburg zu Toren zu kommen.

Tatsächlich waren sogar Pfiffe zu hören, nicht in ohrenbetäubenden Dezibelzahlen, aber eben doch laut und deutlich vernehmbar. Andeorts mag das Normalität sein, am eher zivilisierten Fußball-Standort Bremen ist es das nicht, weshalb sich der ein oder andere Freiburger schon nah am Ziel respektive einem Punktgewinn wähnte. "Wenn hier gepfiffen wird, beweist das ja auch, dass wir es bis dahin nicht so schlecht gemacht haben", seufzte Amir Abrashi. "Wir hätten hier wirklich nicht verlieren müssen. Aber dann kriegen wir in drei Minuten die zwei Tore."

Um etwas genauer zu sein, waren es acht Minuten, die zwischen den Treffern von Davy Klaassen (76.) und Gebre Selassie (84.) lagen. Doch das war auch insofern egal, als schon der erste den kollektiven Optimismus ins Stadion zurückbrachte. Keine Spur mehr von Pfiffen oder anderen Unmutsäußerungen, stattdessen prognostizierte die Ostkurve den "Europapokal" als Fern- und ausgezogene Münchner Lederhosen als Nahziel fürs kommende Wochenende. Dass Freiburgs Luca Waldschmidt in der ersten Minute der Nachspielzeit auf 1:2 verkürzte, konnte das Crescendo der Emotionen nur kurz ins Stocken bringen. Zwei Minuten später konnte kollektiv gesungen werden, denn das Spiel war aus.

Freiburg traf zwei Mal - aber jeweils aus Abseitsposition

Dabei war die erste Hälfte einigermaßen zäh verlaufen. Gegen eine Freiburger Mannschaft, die immer wieder gut konterte, agierte Werder meist in eher behäbigem Tempo. Die Hausherren, die seit dem 22. Dezember vergangenen Jahres kein Spiel mehr verloren haben, hatten laut Statistik zwar in 30 von 45 Minuten den Ball am Fuß, brachten damit meist aber nur wenig Raumgewinn zustande. Milot Rashica hatte einen vielversprechenden Abschluss (36.), ehe Max Kruse in der 38. Minute gleich zwei Mal an Alexander Schwolow scheiterte. Das war es aber auch schon. Die beiden Tore, die Christian Günter und Florian Niederlechner für Freiburg erzielten, fielen hingegen aus Abseitsposition, im Gegensatz zum Bremer Führungstreffer, bei dem Klaassen um wenige Zentimeter nicht im Abseits stand, für Abrashi, der zuvor acht Minuten zu dreien geschrumpft hatte, waren es diesmal "etwa zwei Millimeter."

Ein "Geduldsspiel" hatte hingegen Werder-Coach Florian Kohfeldt gesehen. Auch er habe sich auf der Bank immer wieder zur Langmut zwingen müssen. "Aber es ist auch nicht so leicht, zu Chancen und Toren zu kommen, wenn eine Mannschaft erst zwischen Strafraum und Mittellinie verteidigt." Als Kritik an den im zweiten Durchgang extrem tiefstehenden Freiburgern wollte Kohfeldt das allerdings ausdrücklich nicht verstanden wissen, zumal den Gästen gut ein halbes Dutzend Stammspieler gesperrt oder verletzt fehlten. Im Gegenteil: "Man muss den Hut davor ziehen, wie Freiburg es trotz aller Verletzten schafft, so gut organisiert aufzutreten."

Kollege Christian Streich blickte derweil einigermaßen neidisch auf die von ihm sehr geschätzten Bremer, denen das Glück beschieden ist, "seit Wochen und Monaten fast mit der gleichen Aufstellung spielen zu können." Eine Aufstellung im Übrigen, die von der Bank ausgesprochen effektiv ergänzt werden kann: Claudio Pizarro, in den Tiefen des vergangenen Jahrhunderts geboren, der erst in der 63. Minute aufs Feld kam, hatte noch zwei Möglichkeiten und fügte sich auch sonst bestens ins Kollektiv ein. Grund genug für Kohfeldt, sich bei dem 40-Jährigen noch einmal gesondert zu bedanken: "Zum Glück haben wir da ja noch diesen jungen Peruaner auf der Bank."