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Bremen beendet Negativserie:Ein Punkt im Hexentöpfchen

Kampfstark: Davy Klaassen und seine Teamkollegen

(Foto: AP)

Engagierte Bremer verdienen sich ein 0:0 gegen Mönchengladbach. Es hat sich etwas verändert in der Werder-Mannschaft - sie könnte gerade noch rechtzeitig in eine schon verloren geglaubte Saison finden.

Es hat sich etwas verändert in der Mannschaft des SV Werder Bremen seit dem ersten Heimspiel ohne Publikum im Weserstadion. Die blutleere Vorstellung beim 1:4 gegen Leverkusen passte noch zur absurden Kulisse der aseptischen Arena, in der auch die über die Tribüne verteilten Ersatzspieler und Betreuer schicksalsergeben zum Trauerspiel schwiegen. Inzwischen, einen 1:0-Auswärtssieg in Freiburg später, haben die Bremer aber kapiert, dass es nicht nur auf die elf Akteure auf dem Rasen ankommt, sondern auch auf die gut 20 Hansel draußen, die zum grün-weißen Team gehören. Dadurch wird ein unbesetztes 42 100-Mann-Stadion zwar auch nicht zum Hexenkessel - aber zumindest so ein klitzekleines Hexentöpfchen war das Weserstadion schon.

Auf jeden Fall war dank der engagierten Ersatzspieler, Physios und sonstigem Staff neben dem Rasen deutlich zu hören, wer Heimrecht hatte. Nach sieben Niederlagen in Serie im eigenen Stadion verdienten sich die Bremer so ein torlosen Unentschieden gegen Borussia Mönchengladbach, waren dem Sieg sogar näher. Im Abstiegskampf zählt jeder Punkt, es war der erste für Werder in Bremen seit dem 2. November 2019.

Für Werder, das nach wie vor schwächste Heimteam der Liga, war das ein enorm wichtiger Teilerfolg. Nach den vorherigen drei Auswärtssiegen in der Liga folgte zuhause stets die Ernüchterung. Egal, ob nach einem Sieg in der Fremde Leipzig nach Bremen kam oder Paderborn, es setzte zuverlässig Niederlagen. Der hochverdiente Punkt gegen enttäuschende Gladbacher bricht insofern einen Trend.

Zum Siegtreffer fehlt nur das Glück

Die Geschichte des Spiels ist recht schnell erzählt. Die Bremer, die wie in allen ihren Parteien dieser für sie so gründlich missratenen Saison wieder auf zentraler Position in der Defensive um- und Christian Groß einbauen mussten, nachdem sich Vogt in Freiburg verletzt und sein natürlicher Backup Bargfrede die gelb-rote Karte gesehen hatte, spielten mutiger als zuletzt, standen nah am Gegner und störten auf diese Weise sehr früh das Gladbacher Spiel. Dennoch hatten die Gäste durch einen Fernschuss von Neuhaus vor der Pause die beste Chance; Werder kam aber immerhin schnell zu fünf Ecken - zaghafte Anzeichen für den Willen zum Torerfolg. Nach einem Kontakt zwischen Klaassen und Kramer hätten die Bremer zudem gerne einen Elfmeter bekommen, über den Schiedsrichter Manuel Gräfe mit dem Bremer Trainer Florian Kohfeldt zwar sehr kultiviert diskutierte, über einen Pfiff aber keine Sekunde nachdachte.

Die Bremer hatten sich in der ersten Halbzeit so viel Mut angespielt, dass sie als deutlich bessere Mannschaft aus der Kabine kamen. Dreimal musste Gladbachs Torwart Sommer bis zur 55. Minute Schüsse der Bremer parieren, zweimal von Rashica und einmal von Marco Friedl. Ein Fernschuss von Klaassen flog zudem nur knapp übers Tor. Je länger das Spiel dauerte, umso optimistischer fiel das aggressive Pressing der Bremer aus und umso fehlerhafter wurde das Gladbacher Spiel. Phasenweise drückte Werder die Gäste, ein Team mit Champions-League-Ambitionen, nicht nur in die eigene Hälfte, sondern in den eigenen Strafraum. Zum Siegtreffer fehlte nur das Glück. Die Gladbacher verlegten sich zwangsweise auf Konter, meist über Thuram, jedoch ohne Erfolg.

Derart kampfstarke Bremer könnten gerade noch rechtzeitig in eine schon verloren geglaubte Saison finden. In der exklusiven Privatheit der großen Stadien erobern sie die Stille für sich. Der "Teamgeist" ist nicht nur als Slogan Mund- und Nasenschutz gedruckt, er war fast jeder Aktion des Spiels zu hören. Das könnte durchaus dem Wir-gegen-alle-Gefühl förderlich sein, das in Bremen entstanden ist, seitdem sich ehemalige Spieler wie Rune Bratseth, Dieter Burdenski, Uli Borowka oder Mario Basler kritisch zu Wort gemeldet hatten. Werder ließe den Abstieg einfach geschehen, so die Sorge, mit Trainer Florian Kohfeldt sei die Wende nicht mehr zu schaffen. Dass die Mannschaft funktioniert, konnte man am Dienstag sehen und sehr gut hören.

© SZ vom 27.05.2020/sonn
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